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| Störungslehre und Klassifikationsdiagnostik in der Klinischen Psychologie |
Name: Diagnostik and Statistical Manual of Mental Disorders
Geschichte:
1. Auflage 1952 (der "Reaktionsbegriff" von A. E. Meyer
wird eingeführt)
DSM-II und ICD-8 1968 ("Neurosenbegriff" wird eingeführt)
DSM-III 1979 (Neurosenbegriff wird wieder aufgegeben)
DSM-III-R und ICD-9 1986 (Annäherung von DSM und ICD)
DSM-IV 1995 und ICD-10 1993 (ICD-Codes werden nun
auch im DSM angegeben).
Merkmale:
Systematische Beschreibung (ohne Ätiologie)
jeder Störung in folgenden Bereichen:
Diagnostische Merkmale, Subtypen, und/oder
Zusatzcodierungen, Codierungsregeln, Zugehörige Merkmale und
Störungen, Besondere kulturelle, Alters- und Geschlechtsmerkmale,
Prävalenz, Verlauf, Familiäres Verteilungsmuster,
Differentialdiagnose.
Kompatibilität zum ICD-10
Multiaxiale Beurteilung in 5 Achsen:
Gebrauch des Manuals:
Achse I und II:
Achse III: nach ICD-9-CM und ICD-10
Achse IV: Psychosoziale und umgebungsbedingte Probleme, die im Laufe des letzten Jahres vor der augenblicklichen Untersuchung aufgetreten sind (mit Ausnahmen).
Achse V: Skala von 0-100. Bewertung aktuell,
aber auch bei Aufnahme, Entlassung und z.B. auch am höchsten
Funktionsniveau über mindestens 2 Monate während des
vergangenen Jahres.
DSM-IV: Numerische Systematik der Schlüsselzahlen
Allgemein:
Unter 300 = Organische und psychotische Störungen,
Wahn und Autismus
über 300 = Neurosen, und (fast) alles andere
Interpretation der 2. Stelle (300-319):
0 = nicht organisch, neurotisch, reaktiv in der Genese
1 = (vermuteter) leichter organischer
Verursachungsfaktor
Interpretation der 3. Stelle:
290 = Alzheimer
291-2 = Substanzentzug oder -intoxikation mit Delir,
Wahn, organischen Störungen
293 = Störungen aufgrund eines medizinischen
Krankheitsfaktors
294 = andere Demenzen
295 = Schizophrenien und
schizoaffektive Störung
296 = Affektive Störungen (nicht neurotisch)
297 = Wahn
298 = reaktive und atypische Psychosen
299 = Autismus und andere Entwicklungsstörungen
(nicht näher bezeichnet)
300 = Neurosen (im klassischen Sinn)
301 = Persönlichkeitsstörungen
302 = Sexualstörungen (ohne medizinschen
Krankheitsfaktor)
303 = Alkoholabhänigkeit und -intoxikation
304 = Abhängigkeit von psychotropen Substanzen
305 = Substanzmißbrauch und -intoxikation
306 = Vaginismus
307 = spezielle Entwicklungs- und Schlafstörungen
308-9 = Anpassungs- und Belastungsstörungen
310 = organisch bedingte
Persönlichkeitsstörungen
311 = depressive Störungen (nicht näher
bezeichnet)
312 = Störungen der
Impulskontrolle, Monomanien
313 = Bindungs- und Kontaktstörungen bei Kindern
314 = Aufmerksamkeitsstörungen und
Hyperaktivität
315 = Sprach-, Rechen- und Motorikstörungen bei
Kindern
316 = körperliche Zustände bei denen
psychische Faktoren eine Rolle spielen
317-9 = Oligophrenien
Spezielle Codierungen (Auswahl):
332-3 = Neuroleptikanebenwirkungen und -folgen
347 = Narkolepsie
607-25 = sexuelle Funktionsstörungen aufgrund
eines medizinischen Krankheitsfaktors
780 = Schlafstörungen aufgrund eines medizinischen
Krankheitsfaktors
780.09 = Delir (nicht näher bezeichnet)
780.9 = altersbedingter kognitiver Abbau
787 = Enkopresis mit Verstopfung und
Überlaufinkontinenz
799.9 = Diagnose zurückgestellt
Gegenüberstellung von ICD-10 und DSM-IV
|
|
ICD-10 | DSM-IV |
|
Vollständiger Name: |
International Classification of
Diseases |
Diagnostisches
und statistisches Manual psychischer Störungen |
|
Herausgeber: |
WHO | APA |
|
Verwendung (u.a.): |
Krankenkassen | Forschung |
|
Abdeckungsbereich: |
Störungen / Erkrankungen aller Art | Nur psychische Störungen |
|
Aufbau |
Gliederung
in 21 Kapitel;
Psychische Störungen in Kapitel V ("F-Codes"); 10 Hauptgruppen |
Multiaxial
ausgelegt;
Achse I: Klinische Störungen und „Andere Klinisch Relevante Probleme" Achse II: Persönlichkeitsstörungen und Geistige Behinderung Achse III: Medizinische Krankheitsfaktoren (im Zusammenhang mit der psychischen Störung) Achse IV: Psychosoziale und Umgebungsbedingte Probleme Achse V: globale Beurteilung des Funktionsniveaus (Skala von 1-100) |
| Checklistenverfahren | Strukturierte klinische Interviews |
|
Beispiele:
internat. Diagnosechecklisten für ICD und DSM IDCL (Hiller et al., 1995) |
Beispiele:
SKID-I, SKID-II DIPS |
| + geringer Aufwand | + zuverlässig und umfassend |
| - meist nur konfirmatorische Diagnosen | - hoher Zeitaufwand |
Die Kurzbeiträge zur folgenden Themenliste werden mittlerweile im gesamten deutschsprachigen Raum von Studierenden u.a. zur Prüfungsvorbereitung genutzt und dienen den Seminar-Referent(inn)en als Hilfe bei der
Themenwahl, den Seminar-Teilnehmer(inn)en als Vorbereitung auf den jeweiligen
Seminartermin und allgemein (in begrenztem Umfang) als
Prüfungsvorbereitung (u.a. der mündlichen Diplomprüfung).
Übersicht der Kapitel im DSM-IV
(mit Links zu Beiträgen früherer Seminare)
1. Störungen, die gewöhnlich zuerst im
Kleinkindalter, in der Kindheit oder Adoleszenz diagnostiziert werden
(Seite 71-163 im DSM-IV-Buch)
2. Delir, Demenz, amnestische und andere kognitive Störungen (S. 163-209)
3. Psychische Störungen aufgrund eines medizinischen Krankheitsfaktors (209-221)
4. Störungen im Zusammenhang mit psychotropen Substanzen (221-327)
5. Schizophrenie und andere psychotische Störungen (327-375)
6. Affektive Störungen (375-453)
7. Angststörungen (453-509)
8. Somatoforme Störungen (509-537)
9. Vorgetäuschte Störungen (537-543)
10. Dissoziative Störungen (543-559)
11. Sexuelle und Geschlechtsidentitätsstörungen (559-613)
12. Essstörungen (613-627)
13. Schlafstörungen (627-691)
14. Störungen der Impulskontrolle, nicht andernorts klassifiziert (691-705)
15. Anpassungsstörungen (705-711)
16. Persönlichkeitsstörungen (711-761)
17. Andere klinisch relevante Probleme (761-773)
Julia König, Gabriele Sonne
Störungen, die Gewöhnlich Zuerst im Kleinkindalter, in der Kindheit oder Adoleszenz Diagnostiziert werden
Geistige Behinderung
Diese Störungen werden auf Achse II codiert. Sie sind
gekennzeichnet durch eine deutlich unterdurchschnittliche allgemeine
intellektuelle Leistungsfähigkeit, stark eingeschränkte
Anpassungsfähigkeit in Bereichen wie Kommunikation oder
eigenständiges Leben, wobei der Beginn der Störung vor dem
Alter von 18 Jahren liegen muss. Je nach dem gemessenen IQ
unterscheidet man verschiedene Schweregrade der Geistigen Behinderung.
Diese reichen von der Leichten Geistigen Behinderung (Code 317,
IQ 50-55 bis ca. 70) Betroffene können meist selbständig
leben, die Behinderung wird erst relativ spät offenbar.
Mittelschwere Geistige Behinderung (Code 318.0, IQ 35-40 bis 50-55)
Betroffene erwerben kaum Schulkenntnisse, die über das Niveau der
zweiten Klasse hinausgehen.
Schwere Geistige Behinderung (Code 318.1, IQ 20-25 bis 35-40)
Betroffene bedürfen ständiger Aufsicht.
Schwersten Geistigen Behinderung (Code 318.2,
IQ unter 20-25) meist liegt hier ein neurologischer Krankheitsfaktor
zugrunde.
Die Diagnose Geistige Behinderung mit Unspezifischem Schweregrad
wird vergeben, wenn mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Geistige
Behinderung vorliegt, die Intelligenz jedoch nicht messbar ist.
Lernstörungen
Bei den Lernstörungen werden Lesestörung (315.00),
Rechenstörung (315.1) und Störung des Schriftlichen
Ausdrucks (315.2) unterschieden. Gekennzeichnet werden diese
Störungen von Leistungen in dem jeweiligen Bereich (also z.B. bei
der Lesestörung Lesegenauigkeit oder Leseverständnis), die
wesentlich unter dem liegen, was aufgrund des Alters, der
gemessenen Intelligenz und der altersgemäßen Bildung einer
Person zu erwarten wäre. Diese Störung behindert deutlich die
schulischen Leistungen oder Aktivitäten des täglichen Leben.
Sofern ein sensorisches Defizit vorliegt, sind die Schwierigkeiten
wesentlich größer als diejenigen, die gewöhnlich mit
diesem Defizit verbunden sind.
Die Diagnose Nicht Näher Bezeichnete
Lernstörung wird verwendet, wenn eine solche Störung
nicht alle Kriterien einer bestimmten Lernstörung erfüllen.
Störung der Motorischen Fertigkeiten
Die Diagnose einer Entwicklungsbezogenen Koordinationsstörung
(315.4) wird gestellt, wenn die motorische Koordination stark
beeinträchtigt ist (was sich zum Beispiel durch eine
verzögerte motorische Entwicklung, Unbeholfenheit oder schwache
sportliche Leistungen zeigt) und dadurch die schulischen Leistungen
oder die Aktivitäten des täglichen Lebens deutlich
beeinträchtigt werden. Die Störung darf allerdings nicht auf
einen medizinischen Krankheitsfaktor zurückzuführen sein und
nicht die Kriterien einer Tiefgreifenden Entwicklungsstörung
erfüllen. Wenn eine Geistige Behinderung vorliegt, sind die
motorischen Schwierigkeiten wesentlich größer, als aufgrund
der Geistigen Behinderung zu erwarten wäre.
Kommunikationsstörungen
Die Expressive Sprachstörung (315.31) ist
gekennzeichnet durch eine Störung der expressiven
Sprachentwicklung, die deutlich schlechter ist als die rezeptive
Sprachentwicklung sowie die nonverbale Intelligenz.
Eine Kombinierte Rezeptiv-Expressive Sprachstörung (315.31)
wird diagnostiziert, wenn auch die rezeptive
Sprachentwicklung deutlich schlechter ist, als aufgrund der nonverbalen
Intelligenz zu erwarten wäre. Beide Störungen müssen die
schulischen/beruflichen Leistungen oder die soziale Kommunikation
behindern. Dabei dürfen die Kriterien einer Tiefgreifenden
Entwicklungsstörung (bei der Expressiven Sprachstörung auch
die Kriterien einer Kombinierten Rezeptiv-Expressiven
Sprachstörung) nicht erfüllt werden. Wenn andere Probleme
vorliegen, die Sprachschwierigkeiten verursachen können,
müssen die Schwierigkeiten wesentlich größer sein, als
aufgrund der anderen Probleme zu erwarten wäre.
Die Phonologische Störung (315.39) ist gekennzeichnet
durch die Unfähigkeit, sich dem Entwicklungsalter angemessen zu
artikulieren. Dazu gehören beispielsweise Fehler wie dem Ersetzen
eines bestimmten Lautes durch einen anderen oder Auslassungen von
Lauten.
Beim Stottern (307.0) ist der Redefluss der betroffenen
Personen gestört. Charakteristisch sind u.a. Wiederholungen von
Lauten und Silben oder Lautdehnungen. Beide
zuletzt genannte Störungen behindern die schulischen/beruflichen
Leistungen oder die soziale Kommunikation. Wenn ein weiterer Faktor
vorliegt, der mit Sprechschwierigkeiten in Verbindung steht, so sind
diese Schwierigkeiten größer als die zu erwartenden.
Tiefgreifende Entwicklungsstörungen
Hier werden vier Störungsbilder unterschieden:
Die Autistische Störung (299.00) äußert
sich in ausgeprägter qualitativer Beeinträchtigung der
sozialen Interaktion, der Kommunikation sowie in beschränkten,
repetitiven und stereotypen Verhaltensweisen, Interessen und
Aktivitäten. Sie beginnt vor dem dritten Lebensjahr, wobei
Verzögerungen im Bereich der sozialen Interaktion, der Sprache als
soziales Kommunikationsmittel und/oder dem Phantasiespiel auftreten.
Außerdem können die Symptome nicht besser durch die
Rett-Störung oder die Desintegrative Störung im Kindesalte
erklärt werden.
Die Desintegrative Störung im Kindesalter (299.10)
setzt nach einer mindestens zweijährigen normalen Entwicklung ein.
Dann (vor dem 10. Lebensjahr) erfolgt ein klinisch bedeutsamer Verlust
von zuvor erworbenen Fertigkeiten in verschiedenen Bereichen wie zum
Beispiel der expressiven oder rezeptiven Sprache, den sozialen
Fertigkeiten und dem Spielverhalten. Es bestehen qualitative
Beeinträchtigungen im Bereich der sozialen Interaktion und
Kommunikation sowie stereotype und repetitive Verhaltensmuster.
Bei der Asperger-Störung (299.80) sind die
Autismus-ähnlichen Symptome weniger extrem ausgeprägt. Sie
äußert sich in qualitativen Beeinträchtigungen der
sozialen Interaktion sowie beschränkten, repetitiven und
stereotypen Verhaltensmustern, die in klinisch bedeutsamer Weise die
Funktionsfähigkeit in wichtigen Bereichen einschränkt.
Allerdings treten weder ein klinisch bedeutsamer Sprachrückstand
noch Verzögerungen der kognitiven Entwicklung auf. Die Kriterien
für eine andere spezifische Tiefgreifende Entwicklungsstörung
oder für Schizophrenie werden nicht erfüllt. Sowohl die
Desintegrative Störung als auch die Asperger-Störung wird nur
diagnostiziert, wenn die Symptome nicht durch eine andere Tiefgreifende
Entwicklungsstörung oder durch Schizophrenie besser erklärt
werden.
Die Rett-Störung (299.80) ist gekennzeichnet durch
eine Reihe von Beeinträchtigungen,
die auf eine offensichtlich normale pränatale, perinatale
(mit einem normalen Kopfumfang bei der Geburt) und psychomotorische
Entwicklung in den ersten fünf Lebensmonaten folgt. Diese
Beeinträchtigungen umfassen unter anderem eine Verlangsamung des
Kopfwachstums und den Verlust von zuvor erworbenen zielgerichteten
Fertigkeiten der Hände.
Wenn schwerwiegende Störungen der sozialen
Interaktionsfähigkeit und der Kommunikationsfähigkeit
vorliegen, ohne dass jedoch die Kriterien für eine bestimmte
Tiefgreifende Entwicklungsstörung erfüllt sind, wird die
Diagnose der Nicht Näher Bezeichneten Tiefgreifenden
Entwicklungsstörung (299.80) verwendet.
Störungen der Aufmerksamkeit, der Aktivität und des
Sozialverhaltens
Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung
Diagnostische Merkmale
A. Durchgehendes Muster von Unaufmerksamkeit und/oder der
Hyperaktivität und Impulsivität, das
schwerwiegender ist als bei Personen der gleichen Entwicklungsstufe
B. Einige Symptome der Hyperaktivität und Impulsivität
oder Unaufmerksamkeit müssen vor
dem 7. Lebensjahr bestehen
C. Beeinträchtigung durch diese Symptome in mindestens zwei
Lebensbereichen
D. Beeinträchtigung der sozialen,
schulischen oder beruflichen Leistungsfähigkeit
E. Störung tritt nicht ausschließlich im Rahmen einer
Tiefgreifenden Entwicklungsstörung, Schizophrenie, anderer
psychotischen Störungen auf
Codierung je nach Subtypus
314.01 (F90.0)
Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung, Mischtypus
314.00 (F98.8)
Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung, Vorwiegend
Unaufmerksamer Typus
314.01 (F90.1)
Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung, Vorwiegend
Hyperaktiv-Impulsiver Typus
Zugehörige Merkmale und Störungen
Geringe Frustrationstoleranz, Wutanfälle, Herrschsucht,
Widerspenstigkeit, Konflikte in Schule und Familie, Störung mit
oppositionellem Trotzverhalten, Störung des Sozialverhaltens,
höhere Prävalenz für Affektive Störungen,
Angststörungen, Lernstörungen, Kommunikationsstörungen
Verlauf
Gewöhnlich wird die Störung zum ersten mal in der
Grundschule diagnostiziert, wenn die schulische Anpassung
gefährdet ist. Meist bleibt die Störung bis in die frühe
Adoleszenz relativ stabil und wird im Verlauf der späten
Adoleszenz /Erwachsenenalters schwächer.
314.9 (F90.9) Nicht Näher Bezeichnete
Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung
Störungen mit deutlichen Symptomen von Unaufmerksamkeit oder
Hyperaktivität-Impulsivität, die nicht die Kriterien einer
Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung erfüllen
312.8 (F91.8) Störung des Sozialverhaltens
Diagnostische Merkmale
A. Repetitives, anhaltendes Verhaltensmuster, durch
das grundlegende Rechte anderer und altersentsprechende
gesellschaftliche Normen/Regeln verletzt werden
B. Die Verhaltensstörung verursacht eine
Beeinträchtigung im sozialen, schulischen, beruflichen
Funktionsbereichen
C. Bei Personen, die 18 Jahre oder älter sind,
liegt keine Antisoziale Persönlichkeitsstörung vor
Zugehörige Merkmale und Störungen
wenig Empathie, keine Rücksichtnahme, Schuldgefühle oder
Gewissensbisse, geringe Frustrationstoleranz, Reizbarkeit,
Wutausbrüche, frühes Sexualverhalten, trinken, rauchen,
Genuss illegaler Substanzen, Schulausschluss, Konflikte mit dem Gesetz,
frühe Schwangerschaften, Suizidgedanken, -versuche, Suizid
Verlauf
Beginn gewöhnlich späte Kindheit, frühe Adoleszenz. Bei
einem großen Teil remittiert die Störung bis zum
Erwachsenenalter, zeigt jedoch dann Verhaltensweisen der Antisozialen
Persönlichkeitsstörung.
313.81 (F91.3) Störung mit oppositionellem Trotzverhalten
Diagnostische Merkmale
A. Anhaltendes Muster von negativistischem,
feindseligem, trotzigem Verhalten
B. Verhaltensstörung beeinträchtigt im
sozialem, schulischen, beruflichen Bereichen
C. Verhaltensweisen treten
nicht ausschließlich im Verlauf einer Psychotischen/ Affektiven
Störung auf
D. Kriterien einer Störung des Sozialverhaltens
sowie einer Antisozialen Persönlichkeitsstörung sind
nicht erfüllt
Zugehörige Merkmale und Störungen
Geringes Selbstwertgefühl, geringe Frustrationstoleranz,
Stimmungsschwankungen, jugendlicher Alkohol-, Tabak-, und Drogenkonsum.
Häufig Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung
Verlauf
Eintritt meist vor 8. Lebensjahr, Beginn der
Symptome meist zunächst im häuslichem Bereich, dann
andere Bereiche.
312.9 (F91.9) Nicht Näher Bezeichnetes Sozial Störendes
Verhalten
Störungen, die durch ein Sozialverhalten und oppositionelles
Trotzverhalten gekennzeichnet sind, die nicht die Kriterien einer
Störung des Sozialverhaltens oder Störung mit Oppositionellem
Trotzverhalten erfüllen. Hierzu gehören beispielsweise
klinische Erscheinungsformen, die nicht die oben genannten Kriterien
erfüllen, bei denen jedoch eine klinisch
signifikante Beeinträchtigung vorliegt.
Fütter- und Essstörungen im Säuglings- oder
Kleinkindalter
Es werden drei verschiedene Störungen in diesem Kapitel
zusammengefasst. Kinder, die an Pica (Code 307.52) leiden,
essen über mindestens einen Monat hinweg ständig
ungenießbare Stoffe wie Putz, Farbe, Bindfaden, Haare oder Stoff
bei Säuglingen und Kleinkindern; Sand, Insekten oder Blättern
bei älteren Kindern sowie Lehm oder Erde bei Jugendlichen und
Erwachsenen. Dieses Essen ungenießbarer Stoffe muss der
Entwicklungsstufe unangemessen sein (in einem bestimmten Alter neigen
die meisten Kinder dazu, wahllos Dinge in den Mund zu
stecken) und darf nicht Teil einer kulturell anerkannten Praxis sein.
Die Ruminationsstörung (Code 307.53) äußert
sich im wiederholten Heraufwürgen und
Wiederkauen (oder Ausspucken) der Nahrung, welches über mindestens
einen Monat anhält. Dieses darf nicht auf eine Erkrankung
des Magen-Darm-Trakts oder einen anderen medizinischen Krankheitsfaktor
zurückgehen und nicht ausschließlich im Rahmen einer
Anorexia Nervosa oder Bulimia Nervosa auftreten. Wenn die Störung
ausschließlich im Verlauf einer anderen psychischen Störung
auftritt, muss sie schwer genug sein, um für sich allein
betrachtet
zu werden, dies gilt auch für Pica. Kinder, die an einer
Fütterstörung im Säuglings- oder Kleinkindalter
leiden, zeigen eine kontinuierliche mangelnde Nahrungsaufnahme ohne
deutliche Gewichtszunahme bzw. mit deutlichem Gewichtsverlust über
mindestens einen Monat. Es darf kein medizinischer Krankheitsfaktor
vorliegen, der schwer genug wäre, um für die Symptome
verantwortlich zu sein, die auch nicht durch eine andere psychische
Störung besser erklärt werden können. Der Beginn der
Störung muss vor dem sechsten Lebensjahr liegen.
Ticstörungen
Tics
Als Tics werden plötzliche, schnelle, sich wiederholende,
unrhythmische, stereotype motorische Bewegungen oder
Lautäußerungen bezeichnet, die als unvermeidbar wahrgenommen
werden. Tics können sich unter Stress und bei Tätigkeiten,
die eine erhöhte Aufmerksamkeit erfordern, abschwächen und
über verschieden lange Zeiträume unterdrückt werden.
Ticstörungen führen zu einer starken inneren
Anspannung und verursachen in bedeutsamer weise Beeinträchtigungen
in sozialen, beruflichen und anderen wichtigen Funktionsbereichen.
Klassifizierung von Tics
· Einfache motorische Tics (Blinzeln,
Kopfnicken, Schulterzucken, etc.)
· Einfache vokale Tics (Räuspern,
Grunzen, Quieken, Schnüffeln, etc.)
· Komplexe motorische Tics (Klatschen,
Berühren, Beriechen, Echokinese, etc.)
· Komplexe vokale Tics ( Koprolalie,
Palilalie, Echolalie, etc.)
307.23 (F95.2) Tourette-Störung
Diagnostische Merkmale
A. Multiple motorische Tics und mind. ein vokaler Tic
im Verlauf der Krankheit
B. Tics mehrmals täglich, fast jeden Tag, oder
intermittierend im Zeitraum von über einem Jahr, keine Ticfreie
Phase, die länger als drei aufeinanderfolgende Monate dauerte
C. Störung führt
zu einer starken inneren Anspannung oder verursacht in bedeutsamer
Weise Beeinträchtigung in sozialen, beruflichen oder anderen
wichtigen Funktionsbereichen
D. Beginn vor 18. Lebensjahr
E. Die Störung geht nicht auf direkte Wirkung
einer Substanz oder eines Krankheitsfaktors zurück
Zugehörige Merkmale und Störungen
Zwangsgedanken, Zwangshandlungen, Hyperaktivität, Ablenkbarkeit,
Schamgefühle, Niedergeschlagenheit, körperliche Schäden
Verlauf
Beginn: Kindheit, frühe Adoleszenz (Durchschnittsalter 7 Jahre).
Die Störung hält gewöhnlich das ganze Leben an, mit
Remissionsphasen von Wochen oder Jahren. Schweregrad, Häufigkeit
und Variabilität der Symptome nimmt mit dem Erwachsenenalter ab,
in manchen Fällen können sie vollständig verschwinden
307.22 (F95.1) Chronische Motorische oder
Vokale Ticstörung
Einzelne oder multiple motorische oder vokale Tics treten, jedoch nicht
gleichzeitig, zu irgendeinem Zeitpunkt im Verlauf der Krankheit auf.
Die Kriterien der Tourette-Störung waren zu keinem Zeitpunkt
erfüllt
307.21 (F95.0) Vorübergehende Ticstörung
Einzelne oder multiple motorische und/oder vokale Tics treten, jedoch
nicht gleichzeitig, zu irgendeinem Zeitpunkt im Verlauf der Krankheit
auf. Tics treten mind. vier Wochen lang fast jeden Tag mehrmals auf,
der Zeitraum insgesamt beträgt jedoch nicht länger als 12
aufeinanderfolgende Monate. Die Kriterien einer Tourette-Störung
waren zu keinem Zeitpunkt erfüllt
307.20 (F95.9) Nicht Näher Bezeichnete Ticstörung
Störungen, die durch Tics gekennzeichnet sind, die jedoch nicht
die Kriterien einer spezifischen Ticstörung erfüllen.
Beispiele hierfür sind Tics, die weniger als vier Monate andauern
oder Tics, die nach dem 18. Lebensjahr beginnen.
Störungen der Ausscheidung
Enkopresis (R15 oder F98.1)
Diagnostische Kriterien
A. Wiederholtes Entleeren des Fäzes an
ungeeigneten Stellen (z.B. Kleidung, Fußboden). Dies kann
unwillkürlich oder absichtlich geschehen
B. Das Verhalten tritt mindestens einmal im Monat im
Verlauf von mindestens drei Monaten auf
C. Das Alter des Kindes (bzw. das Entwicklungsalter)
beträgt mindestens vier Jahre
D. Das Verhalten geht nicht ausschließlich auf
direkte körperliche Wirkung einer Substanz (z.B.
Abführmittel) oder eines medizinischen Krankheitsfaktors
zurück, es sei denn, der Krankheitsmechanismus beinhaltet
Verstopfung
Codierung je nach Subtypus
787.6 (R15) Mit Verstopfung und
Überlaufinkontinenz
307.7 (F98.1) Ohne Verstopfung und Überlaufinkontinenz
Zugehörige Merkmale und Störungen
Schamgefühle, Vermeidung von Situationen, welche das Kind in
Verlegenheit bringen könnten (Zeltlager, Schule), bei
absichtlicher Inkontinenz Störung mit Oppositionellem
Trotzverhalten oder Störung des Sozialverhaltens, Enuresis
Verlauf
Enkopresis wird nicht vor dem 4. Lebensjahr diagnostiziert.
Unzulängliche und nachlässige Sauberkeitserziehung und
psychosoziale Belastungen können prädisponierende Faktoren
darstellen. Bei der primären Enkopresis konnte das Kind noch nie
den Stuhlgang kontrollieren, bei der sekundären Enkopresis tritt
die Störung nach einer Zeit auf, in der das Kind bereits „sauber“
war. Enkopresis kann mit zeitweiligen, periodischen Verschlimmerungen
über Jahre auftreten, wird jedoch selten chronisch.
307.6 (F98.0) Enuresis (nicht aufgrund eines medizinischen
Krankeitsfaktors)
Diagnostische Merkmale
A. Wiederholtes Entleeren von Urin in Bett oder
Kleidung (unwillkürlich oder absichtlich)
B. Das Verhalten ist klinisch bedeutsam und
manifestiert sich entweder durch die Häufigkeit des Auftretens
zweimal wöchentlich im Verlauf von drei aufeinanderfolgenden
Monaten oder durch das Auftreten von klinisch bedeutsamen Leiden oder
Beeinträchtigung in sozialen, schulischen (beruflichen) oder
anderen wichtigen Funktionsbereichen
C. Das Kind muss mindestens 5 Jahre alt sein (oder
ein entsprechendes Entwicklungsalter haben)
D. Das Verhalten geht nicht ausschließlich auf
die direkte körperliche Wirkung einer Substanz (z.B. Diuretikum)
oder eines medizinischen Krankheitsfaktors (z.B. Diabetes, Spina
bifida, ein Anfallsleiden) zurück
Codierung je nach Subtypus
Enuresis
Nocturna
(F98.00) nur nachts im Schlaf
Enuresis
Diurna
(F98.01) nur tagsüber
Enuresis Nocturna und Diurna (F98.02) nachts und tagsüber
Zugehörige Merkmale und Störungen
Erhöhte Prävalenz einer koexistierenden psychischen oder
anderen Entwicklungsstörung, Enkopresis, Schlafstörung mit
Schlafwandel und Pavor Nocturnus, Entzündungen der Harnwege
Verlauf
Bei der primären Enuresis konnte das Kind noch nie die Blase
kontrollieren, sie beginnt im Alter von 5
Jahren. Die sekundäre Enuresis setzt nach einer Zeit ein,
bei der das Kind nicht eingenässt hatte und beginnt in der
Regel zwischen dem 5. und 8. Lebensjahr. Bei nur ca. 1 % der
Betroffenen hält die Störung bis ins Erwachsenenalter an.
Andere Störungen im Kleinkindalter, in der Kindheit oder
Adoleszenz
309.21 (F93.0) Störungen mit Trennungsangst
Diagnostische Merkmale
A. Eine entwicklungsmäßig unangemessene
und übermäßige Angst vor der
Trennung von zu Hause oder von der Bezugsperson
B. Die Dauer der Störung beträgt mindestens
vier Wochen
C. Störungsbeginn vor
dem 18. Lebensjahr
D. Die Störung verursacht in klinisch
bedeutsamer Weise Leiden oder Beeinträchtigung in sozialen,
schulischen oder anderen wichtigen Funktionsbereichen
E. Die Störung tritt nicht ausschließlich
im Verlauf einer Tiefgreifenden Entwicklungsstörung, Schizophrenie
oder einer anderen psychotischen Störung auf und kann bei
Jugendlichen und Erwachsenen nicht durch die Panikstörung oder
Agoraphobie besser erklärt werden
Zugehörige Merkmale und Störungen
Sozialer Rückzug, Apathie, Trauer, Konzentrationsschwierigkeiten,
je nach Alter Angst vor Monstern, Tieren, Räubern, Einbrechern,
Kidnappern, Autounfällen, Sterben oder Tod etc.,
Schulschwierigkeiten, ungewöhnliche Wahrnehmungserlebnisse,
depressive Verstimmung, Dysthyme Störung oder Major Depression,
Entwicklung einer
Panikstörung oder Agoraphobie
Verlauf
Die Störung kann sich nach schwierigen Lebensereignissen
entwickeln und kann zwischen dem Vorschulalter bis hin zum 18.
Lebensjahr auftreten, selten beginnt die Störung erst mit der
Adoleszenz und kann jahrelang anhalten. Phasen der Remession und
Verschlimmerung sind charakteristisch.
313.23 (F94.0) Selektiver Mutismus
Diagnostische Merkmale
A. Andauernde Unfähigkeit, in bestimmten
Situationen zu sprechen (in denen das Sprechen erwartet wird z.B.
Schule), wobei in anderen Situationen normale Sprechfähigkeit
besteht
B. Die Störung behindert die schulischen oder
beruflichen Leistungen oder die soziale Kommunikation
C. Die Störung dauert
mindestens einen Monat (und ist nicht auf den ersten Monat nach
Schulbeginn beschränkt)
D. Die Unfähigkeit zu
sprechen ist nicht durch fehlende Kenntnisse der gesprochenen
Sprache bedingt, die in der sozialen Situation benötigt wird
oder dadurch, dass der Betroffene sich in dieser Sprache nicht
wohl fühlt
E. Die Störung kann nicht besser durch eine
Kommunikationsstörung (z.B. Stottern)
erklärt werden und tritt nicht ausschließlich im Verlauf
einer tiefgreifenden Entwicklungsstörung, Schizophrenie oder einer
anderen psychotischen Störung auf
Zugehörige Merkmale und Störungen
Übermäßige Schüchternheit, Angst vor Befangenheit
in sozialen Situationen, soziale Isolierung, sozialer Rückzug,
Anhänglichkeit, zwanghafte Verhaltensweisen, Negativismus,
Wutanfälle, kontrollierende und oppositionelle Verhaltensweisen,
Beeinträchtigung der sozialen Anpassung und der schulischen
Leistungsfähigkeit, begleitende Kommunikationsstörungen,
geistige Behinderung, Hospitalisierung, extreme psychosoziale
Belastungsfaktoren
Verlauf
Beginn meist vor dem 5. Lebensjahr, die Störung kann jedoch erst
bei der Einschulung klinisch relevant werden. Gewöhnliche Dauer
meist nur wenige Monate, jedoch auch länger oder über mehrere
Jahre.
313.89 (F94.1/F94.2) Reaktive Bindungsstörung im
Säuglingsalter oder in der frühen Kindheit
Diagnostische Merkmale
A. Eine deutlich gestörte und
entwicklungsmäßig inadäquate soziale Bindung, die in
den meisten Bereichen auftritt und vor dem 5. Lebensjahr beginnt. Die
Störung drückt sich in Punkt (1) oder (2) aus:
1. andauernde Unfähigkeit in
entwicklungsmäßig angemessener Weise auf zwischenmenschliche
Beziehungen zu reagieren/anzuknüpfen. Diese manifestiert sich
durch übermäßig gehemmte, wachsame oder stark
ambivalente, widersprüchliche Reaktionen.
2. diffuse Bindungen, die sich durch unkritische
Geselligkeit mit einer deutlichen Unfähigkeit, angemessene
selektive Bindungen zu zeigen, manifestieren.
B. Die im Kriterium A beschriebene Störung ist
nicht lediglich auf einen Entwicklungsrückstand
zurückzuführen. Sie erfüllt auch nicht die Kriterien
einer Tiefgreifenden Entwicklungsstörung.
C. Pathologische Fürsorgemerkmale, die durch
mindestens einen der folgenden Punkte deutlich werden:
· andauernde Missachtung der grundlegenden
emotionalen Bedürfnisse des Kindes nach Geborgenheit, Stimulation,
Zuneigung,
· andauernde Missachtung der grundlegenden
körperlichen Bedürfnisse des Kindes
· wiederholter Wechsel der wichtigsten
Pflegeperson des Kindes, was die Ausbildung stabiler Bindungen
verhindert
D. Es besteht die Vermutung, dass die in Kriterium C
genannten Fürsorgemerkmale für das unter A beschriebene
gestörte Verhalten verantwortlich sind.
Bestimmung des Typus
Gehemmter Typus (F94.1) Kriterium A1 im
klinischen Erscheinungsbild vorherrschend
Ungehemmter Typus (F94.2) Kriterium A2 im klinischen Erscheinungsbild
vorherrschend
Zugehörige Merkmale und Störungen
Grob pathologische Fürsorgemerkmale führen nicht immer zu
einer Reaktiven Bindungsstörung. Die reaktive Bindungsstörung
kann mit Fütterstörung im Säuglings- oder
Kleinkindalter, Pica, Ruminationsstörung verbunden
sein.
Verlauf
Beginn gewöhnlich in den ersten Lebensjahren, vor dem 5.
Lebensjahr. Verlauf variiert in Abhängigkeit
von individuellen Faktoren des Kindes und der Pflegepersonen,
Schweregrad und Dauer der begleitenden psychosozialen Deprivation und
Art der Intervention. Meist kontinuierlicher Verlauf, Verbesserung oder
Remission bei angemessen unterstützendem Umfeld.
307.3 (F98.4) Stereotype Bewegungsstörung
Diagnostische Merkmale
A. Repetitives, scheinbar getriebenes, nicht
funktionales motorisches Verhalten
B. Das Verhalten behindert
deutlich normale Aktivitäten und führt zu
selbstzugeführten körperlichen Verletzungen, die medizinische
Behandlung benötigen
C. Liegt geistige Behinderung vor, ist das
stereotype, selbstschädigende Verhalten schwer genug, um einen
Schwerpunkt der Behandlung zu bilden
D. Das Verhalten kann nicht durch einen Zwang, Tic,
Stereotypie als Teil einer Tiefgreifenden Entwicklungsstörung oder
durch Haareziehen besser erklärt werden
E. Das Verhalten geht nicht auf die direkte
körperliche Wirkung einer Substanz oder eines medizinischen
Krankheitsfaktors zurück
F. Das Verhalten dauert mindestens vier Wochen lang
Bestimme den Typus
Mit selbstschädigendem Verhalten (F98.41) Verhalten führt zu
körperlichen Verletzungen, die
spezifischer Behandlung benötigen
Zugehörige Merkmale und Störungen
Geistige Behinderung, sensorische Defizite, Schnitte, Kratzer, rektale
Fissuren, chronische Hautreizungen, Schwielen durch Beißen,
Quetschen, Kratzen oder Verschmieren von Speichel
Verlauf
Kein typisches Alter bei Beginn der Störung sowie kein typisches
Muster bei Störungsbeginn. Stereotype Bewegungen können in
der Adoleszenz gehäuft auftreten, danach langsam zurück
gehen. Bei Schwerer/Schwerster Geistiger Behinderung können die
Bewegungen jahrelang anhalten, die
betroffenen Verhaltensweisen wechseln häufig.
313.9 (F98.9) Nicht Näher Bezeichnete Störung im
Kleinkindalter, in der Kindheit oder Adoleszenz
Restkategorie für Störungen mit Beginn im Kleinkindalter, in
der Kindheit oder Adoleszenz, die nicht die Kriterien einer
spezifischen Störung dieser Klassifikation erfüllen.
Stephanie Leupold, Anja Weber
Delir,
Demenz, amnestische und andere kognitive Störungen
Delir
Def. nach Möller: "Delir ist eine Veränderung des Zentralnervensystems. Es ist charakterisiert durch einen akuten Beginn und Fluktuieren der Störungen der geistigen Fähigkeiten, der Psychomotorik, der Affektivität und der Bewußtseinslage. Es ist gewöhnlich vorübergehend und reversibel, wenn die Ursache beendet und behandelt ist."
- zu C. Fluktuation im Tagesablauf
z.B. morgens geordnet kooperativ, nachts
z.B. nicht davon abzubringen, nach Hause zu gehen zu den Eltern, die
bereits seit Jahren tot sind.
- zu D. Medizinischer
Krankheitsfaktor
Mögliche med. Ursachen für
Delir nachweisen werden: körperliche Untersuchungen (Tremor,
erweiterte Pupillen, abnormes EEG und Laborbefunde) ergeben Hinweise
auf:
Pharmakotherapie
Agitierte, unruhige oder furchtsame
Patienten werden häufig mit Haldol behandelt. Schlaflosigkeit wird
mit Distraneurin bekämpft.
Die Defizite müssen eine Verschlechterung gegenüber einem früheren Zustand darstellen (Abgrenzung zu geistiger Behinderung) und so schwer sein, daß sie eine Beeinträchtigung des beruflichen und sozialen Leistungsniveaus bedeuten.
Früher implizierte der Begriff Demenz eine fortlaufend sich verschlechternde Entwicklung. Im DSM-IV wird von einer Prognose abgesehen. Die Klassifikation wird deskriptiv anhand der auffallenden Symptome vorgenommen.
Demenz kann grundsätzlich in jedem Lebensalter auftreten (je nach Ursache - auch bei Kindern), die Prävalenz einer Demenz nimmt jedoch mit steigendem Alter zu, besonders nach dem 75. Lebensjahr. Eine Demenz ist jedoch nicht mit einem normalen Alterungsprozeß zu verwechseln. (Die Symptome einer Demenz gehen über den normalen kognitiven Abbau weit hinaus!)
Sprachfunktionen: ebenfalls mit Hilfe standardisierter Tests (z.B. des AAT - Aachener Aphasie Test, Huber et al. 1983) oder durch einfache Bitte um Benennen (z.B. von Dingen im Raum), Nachsprechen sowie dem Befolgen von Aufforderungen (Sprachverständnis).
Befolgen motorischer Aufgaben (z.B. so tun, als ob man die Haare kämmen würde) oder die Aufforderung zum Abzeichnen von Bildern - zur Diagnose einer Apraxie. Apraxietests verwenden häufig Bauklötze oder Streichhölzer, die der Patient in bestimmter Weise zusammenlegen soll. Agnostische Defizite zeigen sich beim Anschauen und Betasten von Alltagsgegenständen (z.B. Schlüsselbund, Stift etc.).
Exekutivfunktionen: verschiedene Aufgaben, die auch in Intelligenztests auftauchen (z.B. Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen Wörtern finden oder Subtraktionsaufgaben ausführen u.v.m.), Befragungen über Beeinträchtigungen im Alltag sind hier besonders wichtig.
Beispiel für standardisierte Tests (Diagnostik und Verlaufskontrolle): Mini Mental Status nach Folstein et al., ADL-(Activities of Daily Living-)Skala nach Katz, Barthel-Index.
Rückgang der Symptomatik: je nach Schädigung.
Aufzählung möglicher Med. Krankheitsfaktoren:
Kriterium C: Die Gedächtnisstörung tritt nicht ausschließlich im Verlauf eins Delirs oder einer Demenz auf und hält über die übliche Dauer einer Intoxikation oder eines Entzugs hinaus an.
Kriterium D: Es gibt Hinweise aus der Krankengeschichte, der körperlichen Untersuchung und aus Laboruntersuchungen, daß die Gedächtnisstörung in ätiologischem Zusammenhang mit den andauernden Folgen einer Substanz steht. "Persistierend" = über den Zeitraum der Substanzintoxikation hinaus
Die Umgebung so gestalten daß viele Orientierungshilfen vorhanden sind, z.B. große Uhren und Kalender - Fragen beantworten, Umgebungswechsel und Veränderung vermeiden.
Medikamentöse Behandlung
Korsakow-Syndrom aufgrund eines Thiaminmangels: Gabe von Vitamin B1
Unruhe (häufig als Begleitsymptom): sedierende Neuroleptika
Gedächtnisschulung ( z.B. Hilfestellung beim Abruf durch Priming) - Wirkung umstritten - prozedurale Gedächtnisinhalte leichter trainierbar
PSYCHISCHE STÖRUNGEN AUFGRUND EINES MEDIZINISCHEN KRANKHEITSFAKTORS
Hauptmerkmal: Vorhandensein von psychischen Symptomen, die im Unterschied zu primären psychischen und substanzinduzierten Störungen die direkte Folge eines medizinischen Krankheitsfaktors sind
WICHTIG: Störungen aufgrund eines medizinischen Krankheitsfaktors (=MKF) sind bei der Differentialdiagnose immer zu berücksichtigen, da sie oft sehr ähnliche Symptome hervorrufen, die irrtümlicherweise als Zeichen einer primären psychischen Störung interpretiert werden können.
Störungen, die aufgrund eines MKF verursacht werden können (deshalb Achtung bei der Differentialdiagnose!):
Diagnostische Kriterien:
I. Es gibt deutliche Hinweise aus Anamnese, körperliche Untersuchung oder Laborbefunden dafür, daß die Störung die direkte Folge eines MKF ist.
Zwei getrennte Beurteilungen notwendig:
Notwendig: Ausschließen von primären und substanzinduzierten psychischen Störungen. Problem: Oft kein direkter physiologischer Zusammenhang zwischen MKF und psychischer Störung, sondern zahlreiche andere mögliche Beziehungen (z.B. MKF führt zur Verschlimmerung der Symptomen oder kompliziert die Behandlung der psychischen Störung oder zufälliges beidseitiges Auftreten).Wenn z.B.Depression vorliegt wegen einer Krankheit, die starke psychosoziale Belastungen und beeinträchtigungen impliziert, aber nicht auf die direkte Wirkung des MKFs zurückgeht, dann sollte keine psychische Störung aufgrund eines MKF diagnostiziert werden
III. Die Störung tritt nicht ausschließlich im Verlauf eines Delirs auf
Wenn Symptome (z.B. psychotische, affektive, Angst-) nur im
Verlauf eines Delirs auftreten, werden diese als zugehörige
Merkmale des Delirs angesehen und rechtfertigen keine gesonderte
Diagnose.
Codierungsregeln
Sowohl die Art der psychischen Störung als auch der zugrundeliegende MKF ist auf Achse I zu codieren. (z.B. Affektive Störung aufgrund einer Hypothyreose, mit depressiven Merkmalen)
Gleichzeitige Codierung des MKF nach ICD-Code auf Achse III
Wenn kein physiologischer Zusammenhang zwischen MKF und psychischer
Störung: Codierung der psychischen Störung auf Achse I und
des MKF auf Achse III
Delir aufgrund eines medizinischen Krankheitsfaktors
Keine klaren Regeln, aber folgende Überlegungen sind hilfreich:
Systemische Infektionen, Stoffwechselerkrankungen (z.B. Hypoxie,
Hyperkapnie, Hypoglykämie), Flüssigkeits- oder
Elektrolytentgleisungen, Leber- oder Nierenerkrankungen, Thiaminmangel,
postoperative Störungen, Hypertensive Enzephalopathie,
postikterische Zustände und Folgen eines
Schädel-Hirn-Traumas, sowie spezifische fokale Läsionen des
rechten Parietallappens und der inferiomedialen Oberfläche des
Okzipitallappens.
Demenz aufgrund eines medizinischen Krankheitsfaktors
Diagnostische Kriterien für Demenz vom Alzheimer Typ:
A. Entwicklung multipler kognitiven Defizite, die sich zeigen in:
C. Schleichender Beginn und fortgesetzter kognitiver Abbau sind für den Verlauf charakteristisch
D. Auszuschließen sind: andere Erkrankungen des Zentralnervensystems (z.B. Parkinson, Chorea Huntington, Hirntumor usw.); systemische Erkrankungen (z.B. HIV, Hypothyreose, Vitamin B12-Mangel usw.)
E. Auftritt der Defizite nicht ausschließlich während eines Delirs
F. Die Störung kann nicht durch eine andere Störung auf Achse I (z.B. Major Depression) besser erklärt werden.
Subtypen:
1.) Mit frühem Beginn (vor dem 65. Lebensjahr): Mit Delir; Mit
Wahn; Mit Depressiver Verstimmung; Unkompliziert
2.) Mit spätem Beginn (nach dem 65.
Lebensjahr). Mit Delir; Mit Wahn; Mit Depressiver Verstimmung;
Unkompliziert
Mögliche Zusatzkodierung: Mit Verhaltensstörung
Prävalenz: 2 % bis 4% der Bevölkerung über 65 Jahren.
Zugehörige Beschreibungsmerkmale und psychische Störungen (im allgemeinen siehe die Merkmale von Demenz): Erhöhte Prävalenz bei Down-Syndrom und Schädel-Hirn Trauma in der Vorgeschichte
Zugehörige Laborbefunde: Bei der Mehrheit der Patienten: Hirnatrophie: kortikale Windungsfurchen abnorm weit und cerebrale Ventrikel abnorm breit. Nachweis durch CT oder Kernspintomographie. Nach dem Tod weisen mikroskopische Untersuchungen verschiedene weitere Anomalien nach.
Zugehörige körperliche Untersuchungsbefunde und MKFen: Im
ersten Jahr nur wenige motorische und sensorische Auffäligkeiten.
Im späteren Verlauf möglich: Myoclonus und
Gangstörungen. In 10 % der Fälle: Krampfanfälle.
Katatone Störung aufgrund einer hepatischen Enzephalopathie 293.89 (F06.1)
Der Krankheitsfaktor
Hepatische Enzephalopathie kommt vor bei Patienten mit schwerer Leberinsuffizienz (z.B. Hepatitis, Zirrhose, Leberkarzinom). Die toxischen Stoffe, die von der Leber nicht umgesetzt worden sind, gelangen in das Gehirn, wo sie neuronale Membranen und Synapsen zerstören.
Die Schwere und das Ausmaß der Symptome können stark schwanken, je nach Ausmaß der Leberinsuffizienz.
So können die Patienten folgende Symptome aufweisen: Stupor, Apathie, eindeutige Persönlichkeitsveränderung, unangemessenes Verhalten, Verwirrung oder massive Desorientiertheit.
Diagnostische Merkmale (Kriterium A)
Der Stupor ist ein Zustand von Bewegungs- und Regungslosigkeit, in dem der Kranke bei klarem Bewußtsein auf äußere Reize nicht reagiert, nicht spricht (Mutismus), nicht ißt, nicht trinkt und Aufforderungen nicht befolgt, obwohl er sieht, hört, versteht und alle Vorgänge der Umgebung registriert.
Ein im Stupor eingeschlossenes Verhalten ist der Negativismus. Der Negativismus ist ein Wiederstreben gegen jede äußere Einwirkung oder auch gegenüber den eigenen Intentionen.
Andere Symptome der Katatonie, die bei organischen Störungen nur selten vorkommen, sind: Katalepsie, wächserne Biegsamkeit und Haltungsstereotypien.
Therapie
Behandlung des Krankheitsfaktors ist entscheidend.
Es gibt auch eine Therapie des Stupors und der Erregungszustände unabhängig von der Differentialdiagnose.
Andere medizinische Krankheitsfaktoren
Tumoren, Schädel-Hirn-Traumen, Cerebrovaskuläre Erkrankungen, diabetische Ketoazidose, Hypercalcämie u.s.w.
Im Rahmen dieser Krankheiten können sich die katatonen
Störungen im Form von Stupor, in Erregungszuständen oder
wechselnd zwischen diesen beiden Zuständen äußern. Im
katatonen Erregungszustand haben die Kranken einen sinn- und zwecklosen
Bewegungsdrang, sind psychomotorisch und sprachlich unruhig,
sie heulen, schreien und schimpfen, zerreißen Kleidern
und Bettwäsche, begehen fremd- und autoaggressiven Handlungen.
Amnestische Störung aufgrund einer Herpesenzephalitis 294.0 (F04)
Der Krankheitsfaktor
Die Herpes-simplex-Virus-Enzephalitis kann ausgedehnte Läsionen verursachen. Die zur Amnesie führenden bilateralen Läsionen betreffen hauptsächlich die Strukturen des Hippocampus, Gyrus parahippocampalis, Corpus amygdaloideum, Fornix, Gyrus cinguli, Cortex frontalis medialis, Area septalis. Zusätzlich können auch Schädigungen des Thalamus und der Corpora mamillaria sowie neokortikaler Gebiete bestehen.
Symptome: Amnesie, Fieber, Kopfschmerzen, Sprachstörungen.
Diagnostische Merkmale (Kriterium A)
Das amnestische Syndrom nach Herpesenzephalitis ist meist durch das gleichzeitige Vorliegen einer schweren anterograden und ausgedehnten retrograden Gedächtnisstörung gekennzeichnet. Die anterograde Gedächtnisstörung ist bei diesen Patienten durch eine völlige Unfähigkeit zur längerfristigen Speicherung von Informationen gekennzeichnet, obwohl die Kapazität des Kurzzeitgedächtnisses für verbales Material normal ist. Die retrograde Amnesie besteht bei Herpesenzephalitis fast immer im Störungen des episodischen Altgedächtnisses. Manchmal kommt es vor, daß die Kranken sich zwar an physische und psychische Eigenschaften von berühmten Personen, von Freunden oder Bekannten erinnern, sie können aber diese Personen nicht in einem Kontext von Ereignissen einbetten.
Therapie
Behandlung der Herpesenzephalitis.
Die bisherigen Therapiemethoden verbessern nur die anterograde Amnesie.
Andere medizinische Krankheitsfaktoren
Penetrierende Schußverletzungen, chirurgische Eingriffe,
Hypoxie.
Persönlichkeitsveränderung aufgrund eines Schlaganfalls 310.1 (F07.0)
Der Krankheitsfaktor
Neglectphänomene treten besonders bei rechtshirnigen Läsionen auf, insbesondere nach einem Schlaganfall.
(Hirninfarkt, Hirnblutung ). Eine große Bedeutung kommt dabei einer Schädigung des Parietallappens in der Umgebung des Sulcus intraparietalis zu. Aber auch bei Schädigungen des Putamens, Nucleus caudatus, Thalamus und präfrontalen Kortex können Neglectphänomene auftreten.
Diagnostische Merkmale (Kriterium A)
Neglect ist eine Verhaltensstörung, die vor allem durch das Nichtbeachten von Reizen auf der zur Läsion kontralateralen Seite charakterisiert ist.
Störungen im visuellen, taktilen, auditiven und motorischen Bereich können auftreten.
Die Vernachlässigung ist häufig in mehreren Modalitäten gleichzeitig ausgeprägt.
Das Ausmaß der resultierenden Vernachlässigung von kontralateral lokalisierten Reizen variiert mit dem Schweregrad und dem Stadium der Symptomatik.
Therapie
Die therapeutischen Methoden basieren auf Übungen, die von Patienten eine vermehrte und aktive Hinwendung ihrer Aufmerksamkeit zur kontraläsionalen Seite verlangen.
Die akute Symptomatik des Neglects bildet sich über einige
Wochen deutlich zurück. Residualzustände eines Neglects
können jedoch selbst Monate oder Jahre nach einer
Hirnschädigung bestehen ( z.B. Extinktionphänomene ).
Schlafstörung aufgrund eines medizinischen Krankheitsfaktors 780.xx (G47.x)
Chorea Huntington
Unwillkürliche Bewegungen der Beine
können das Einschlafen verhindern oder - unter Umständen
sehr unangenehme - Weckreize darstellen. Das können stereotype,
nicht beherrschbare rhytmische oder periodische Zuckungen der
Beinmuskulatur sein (nächtliche Myoklonien), nächtliche
Krämpfe oder ein unangenehmes Kribbeln, das seinerseits
häufig mit Myoklonien verbunden ist. Als Folge kommt es zur
verlängerten Schlaftendenzen und erhöhter nächtlicher
Wachzeit.
Enzephalitis
Im akuten Stadium ist die zum Teil extreme Beeinträchtigung der
Schlaf-Wach-Regulation nicht nur eine Begleiterscheinung, sondern eines
der Hauptsymptome.
Für gewöhnlich geht die Schlafstörung mit der Gesundung
zurück, sie kann aber auch als Folge der Enzephalitis lange
persistieren. Symptome: schwere Insomnien nachts, Somnolenz und
Hypersomnie tagsüber bis zur vollständigen Umkehr des
Schlaf-Wach-Rhythmus.
Fibrositis -Syndrom (chronische Muskelschmerzen)
Patienten mit Fibrositis-Syndrom verbringen einen
außergewöhnlich hohen Anteil ihres NREM-Schlafes im
Alpha-Stadium, und zwar bis zu 50%. Sie sind also strenggenommen
kortikal wach. Sie klagen nicht über ungewöhnlich lange
Wachzeiten, sondern über Müdigkeit tagsüber.
Angststörungen aufgrund eines medizinischen Krankheitsfaktors 293.89 (F06.4)
Diagnostische Merkmale:
Kriterium A:
Ausgeprägte Angst, Panikattacken oder Zwangshandlungen, die im
Vordergrund des klin. Beschwerdebildes stehen.
Zusätzlich ist zu bestimmen, ob vorherrschen:
Endokrine Krankheiten (z.B. Hyper-/Hypothyreose, Phäochromozytom, Hypoglycämie, Nebennierenrindenüberfunktion), kardiovaskuläre Krankheiten (Herzfehler, Lungenembolie, Arhythmien), Atemwegserkankungen (Asthma, Lungenentzündung, Hyperventilation), Stoffwechselerkrankungen (B-12-Mangel, Porphyrie), neurologische Erkrankungen (Neoplasmen, vestibuläres Syndrom, Encephalitis).
Beispiel: Hyperthyreose
Symptomatik: Augensymptome (Exophtalmus), Struma, Tachycardie,
motorisch-psychische Unruhe, Tremor, Affektlabilität,
Schweißausbrüche, feucht-warme Hände, Durchfall,
Gewichtsabnahme, Schlaflosigkeit, dünnes Haar, Haarausfall.
Affektive Störungen aufgrund eines medizinischen Krankheitsfaktors 293.83 (F06.3x)
Diagnostische Merkmale:
Kriterium A: Es handelt sich um eine ausgeprägte, anhaltende Störung des Affekts, entweder als depressive Verstimmung, deutlich verminderte Freude an fast allen Aktivitäten, oder als gehobene, expansive, reizbare Stimmung.
Zusätzlich sind folgende Subtypen zu unterscheiden:
Degenerative neurologische Erkrankungen (M.Parkinson, C.Huntington), zerebrovaskuläre Erkrankungen (Apoplex), Stoffwechselerkrankungen (B-12-Mangel), endokrine Krankheiten (Hyper-/Hypothyreose, Nebennierenrindenunter-/überfunktion, s. M.Cushing), Autoimmunkrankheiten (system. Lupus erythematodes), Infektionskrankheiten (Hepatitis, AIDS), Karzinome (Pankreaskarzinom).
Beispiel: Morbus Cushing
Symptomatik: Schwäche, Adynamie, Stammfettsucht,
Vollmondgesicht, Hypertonie, Menstruationsstörungen, Impotenz,
Osteoporose, Aggression und/oder Depression, endokrines Psychosyndrom.
Persönlichkeitsveränderungen aufgrund eines medizinischen Krankheitsfaktors 310.1 (F07.0)
Diagnostische Merkmale:
Kriterium A: Die andauernde Persönlichkeitsstörung muß offensichtlich zurückzuführen sein auf die direkte körperliche Wirkung eines MKF und stellt eine Veränderung der vorher vorhandenen charakteristischen Persönlichkeitsmerkmalen dar. Bei Kindern ist dieses Kriterium auch dann erfüllt, wenn eine deutliche Abweichung von der normalen Entwicklung zu beobachten ist.
Obwohl Persönlichkeitsstörungen normalerweise auf Achse II zu codieren sind, sollen Persönlichkeitsstörungen aufgrund eines MKF wegen ihrer speziellen Ätiologie auf Achse I codiert werden.
Zusätzlich sind folgende Subtypen zu spezifizieren:
ZNS-Tumoren, SHT, zerebrovaskuläre Erkrankungen, C. Huntington, Epilepsie, Infektionskrankheiten mit ZNS-Beteiligung (AIDS, Lues), endokrine Krankheiten (Hyper-/Hypothyreose, Nebennierenrindenüber-/ unterfunktion), Autoimmunkrankheiten (system. Lupus erythematodes).
Beispiel: "Epileptische Wesensänderung"
Symptomatik: Verlangsamung, Affektivität, Reizbarkeit,
Schwerbesinnlichkeit, Neigung zu Perseverationen, Pedanterie,
Selbstgerechtigkeit, Sprache ist langsam und zögerlich.
Auftreten als: stunden- oder tagelange Verstimmung,
Dämmerzustände (meistens vor, aber auch nach den
Anfällen), epileptische Psychose ("schizophrenieartige"
Wahnbildungen und Sinnestäuschungen)
Literatur
Bleuler, (1983), Lehrbuch der Psychiatrie, Springer Verlag
Burchard, (1980), Lehrbuch der systemischen Psychopathologie,
Band II, Schattauer
Delank, H. (1991): Neurologie, 6.
Aufl., Stuttgart.
Dilling, H. (1995): Psychatrie und Psychotherapie, 2.Aufl.,
Berlin.
Hartje, Poeck, (1997), Klinische Neuropsychologie, Thieme
Huber, (1994), Psychiatrie, Schattauer
Knab, B. (1989), Schlafstörungen, Kohlammer
Prosiegel, M. (1991), Neuropsychologische Störungen,
Pflaum Verlag München
Pschyrembel (1990): klin.Wörterbuch, 256. Aufl., Berlin
Saß, Wittchen, Zaudig, (1991), Diagnostisches und
Statistisches Manual DSM-IV, Hogrefe
Siegenthaler, W. (1988): Differentialdiagnose innerer Krankheiten,
16.Aufl., Stuttgart.
Thews, G. (1991): Anatomie, Physiologie und Pathophysiologie des
Menschen, 4. Aufl., Stuttgart.
Störungen im Zusammenhang mit psychotropen Substanzen
Schizophrenie und andere psychotische Störungen
Schizophrenie
l. Allgemeines
Charakteristisch für die Schizophrenie ist das Auftreten psychotischer Symptome. Eine enge Definition von 'psychotisch' beschreibt die Symptome Wahnphänomene oder ausgeprägte Halluzinationen ohne Einsicht in ihren pathologischen Charakter. Dazu kann auch ein Verlust der Ich-Grenze sowie der Realitätskontrolle gehören.
Bei Personen, die an Schizophrenie erkrankt sind, scheint sich die Persönlichkeit aufzulösen. Die Wahrnehmung ist oft verzerrt (vgl. Wahnphänomene und Halluzinationen) und die Emotionen sind abgestumpft. Die Sprache ist oft fremdartig und die Gedanken sind bizarr.
Beim katatonen Typus wirken die Betroffenen körperlich wie erstarrt.
Allgemein kann man zwischen der Typ-1-Symptomatik und der Typ-2-Symptomatik unterscheiden.
Patienten mit der Typ-1-Symptomatik weisen sogenannte Positiv-Symptome auf (s.u.) mit plötzlichen, intensiven Krankheitszeichen; sie sprechen gut auf medikamentöse Behandlung an. Patienten mit der Typ-2-Symptomatik zeigen Negativ-Symptome (s.u.), der Verlauf ist schleichend und chronisch; sie sprechen nicht oder nur wenig auf antipsychotische Behandlung an.
Studien in Europa und Asien ergaben eine Prävalenz von 0,2 -1%.
Die Krankheit tritt bei Männern eher vor dem 25. Lebensjahr,
bei Frauen
typischerweise zwischen 25. und 45. Lebensjahr auf.
1.1 Die charakteristischen Symptome
Negativ-Symptome (Verhaltensdefizite)
l.) Willensschwäche
2.) Alogie (Spracharmut)
3.) Anhedonie (Lustlosigkeit)
4.) Flacher Affekt
Positiv-Symptome (Übermäßige Produktion)
l.) Wahnphänomene (Verzerrung des schlussfolgernden
Denkens)
2.) Halluzinationen
3.) Desorganisierte Sprachäußerungen
4.) Grob desorganisiertes oder katatones
Verhalten
1.2 Die Kriterien des DSM-IV
Die oben beschriebenen charakteristischen Symptome fasst das DSM-IV unter dem Kriterium A zusammen, wobei die positiven Symptome unter den Kriterien A1-A4 eingeordnet werden, die negativen unter dem Kriterium A5.
Das Kriterium B ist erfüllt, wenn der Patient eine deutliche berufliche und soziale Dysfunktion aufweist und sein Leistungsniveau unter dem liegt, was vor dem Beginn der Symptomatik erreicht wurde.
Bei schizophrenen Störungen im Kinder- und Jugendalter kann es eher zu einem Zurückbleiben hinter alterstypischen Entwicklungsschritten als zu einer Leistungsminderung kommen.
Unter dem Kriterium C in Verbindung mit Kriterium A wird definiert, wie lange die oben beschreibenen Symptome auftreten. Charakteristische Symptome müssen für mindestens einen Monat vorhanden sein, und einige Zeichen des Störungsbildes müssen für mindestens sechs Monate anhalten.
Zur Erfüllung der Kriterien D und E wird gefordert, dass das Störungsbild nicht besser durch die schizoaffektive oder eine affektive Störung mit psychotischen Merkmalen erklärt werden kann und nicht auf die direkte körperliche Wirkung einer Substanz oder eines medizinischen Krankheitsfaktors zurückgeht.
Wurde bei einer Person früher eine autistische oder andere
tiefgreifende Entwicklungsstörungen diagnostiziert, so ist die
zusätzliche Diagnose Schizophrenie nur bei ausgeprägten
Wahnphänomenen oder Halluzinationen während mindestens einem
Monat gerechtfertigt (Kriterium F).
2. Subtypen
Paranoider Typus
Menschen, die am paranoiden Typus der Schizophrenie erkrankt sind,
weisen meist ausgeprägte Wahnphänomene oder akustische
Halluzinationen bei weitgehendem Erhalt der Affektivität und der
kognitiven Funktionen auf.
Der Wahn konzentriert sich meist auf Verfolgungsthemen oder Grandiosität, teilweise auch auf beides. Die Störung beginnt im Vergleich zu anderen Schizophrenietypen meist später und die charakteristischen Merkmale können auf lange Sicht stabiler sein. Dafür ist die Prognose im Hinblick auf die berufliche Leistungsfähigkeit und die Fähigkeit zur selbständigen Lebensführung meist günstiger.
Kriterien:
A: Starke Beschäftigung mit einem oder mehreren
Wahnphänomenen oder häufige akustische Halluzinationen
B: Keines der folgenden Merkmale steht im Vordergrund:
desorganisierte Sprechweise, desorganisiertes oder katatones Verhalten
oder verflachter oder inadäquater Affekt
Desorganisierter Typus
A. Vorherrschend sind desorganisierte Sprechweise, desorganisiertes
Verhalten und verflachter oder inadäquater Affekt
B. Kriterien für den Katatonen Typus sind nicht erfüllt
Katatoner Typus
Mind. 2 der folgenden Kriterien müssen erfüllt sein:
(1) motorische Unbeweglichkeit, die sich in Katalepsie oder Stupor zeigt
(2) übermäßige motorische Aktivität
(3) extremer Negativismus oder Mutismus
(4) merkwürdige Willkürbewegungen, die sich als
Haltungsstereotypien, stereotype Bewegungsabläufe,
ausgeprägte Manierismen oder ausgeprägtes Grimassieren
äußern
(5) Echolalie oder Echopraxie
Undifferenzierter Typus
Kriterium A für Schizophrenie ist erfüllt, ohne dass
Kriterien für den paranoiden, desorganisierten oder katatonen
Typus erfüllt sind.
Residualer Typus
A: Fehlen von ausgeprägten Wahnphänomenen, Halluzinationen,
desorganisierter Sprechweise und von grob
desorganisiertem oder katatonem Verhalten
B: Fortbestehende Hinweise auf das Störungsbild, die sich im
Vorhandensein von Negativsymptomen zeigen oder von zwei oder mehr
Symptomen in abgemilderter Form, wie sie im
Kriterium A für Schizophrenie aufgelistet sind.
Andere psychotische Störungen
1. Schizophreniforme Störung (295.40)
Kriterien:
A: Kriterien A, D und E für Schizophrenie sind
erfüllt.
B: Dauer: mindestens 1 Monat, höchstens 6 Monate (eventuell
Zusatz: "vorläufig", wenn 6 Monate noch nicht vorbei!)
Zusätzlich ist zu bestimmen, ob günstige prognostische
Merkmale vorliegen (z:B. gute prämorbide soziale und berufliche
Leistungsfähigkeit, kein abgeflachter Affekt etc.).
2. Kurze psychotische Störung (298.8)
Kriterien:
A: mindestens ein Symptom der folgenden:
1. Wahn
2. Halluzinationen
3. Desorganisierte Sprache
4. Grob desorganisiertes oder katatones Verhalten
B: Dauer: 1 Tag - 1 Monat
C: Das Störungsbild kann nicht besser durch eine affektive
oder eine andere psychotische
Störung erklärt werden.
Das prämorbide Leistungsniveau wird nach Remission wieder voll
erreicht, die Störung kann aber schwere Beeinträchtigungen
beinhalten, evtl. ist Aufsicht nötig (Suizidgefahr!).
3. Schizoaffektive Störung (295.70)
Kriterien:
A: Ununterbrochene Episode mit mindestens 1 Monat Kriterium A
für Schizophrenie und gleichzeitig mindestens 2 Wochen Major
Depression oder 1 Woche Manie oder bipolare Episode
B: Direkt vor oder nach der Periode mit psychotischen und
affektiven Symptomen eine mindestens 2-wöchige Phase mit
ausschließlich Wahn oder Halluzinationen
C: Erheblicher Anteil der Phase mit psychotischen und affektiven
Symptomen an der Gesamtdauer
der Störung.
4. Wahnhafte Störung (297.1)
Kriterien:
A: Nicht-bizarre Wahnphänomene für mind. 1 Monat
B: Kriterium A für Schizophrenie war nie erfüllt
C: Abgesehen von den Folgen des Wahns ist die
Leistungsfähigkeit nicht wesentlich beeinträchtigt
D: Wenn affektive Symptome vorkommen, ist ihr Anteil an der
Gesamtdauer gering
E: Störung geht nicht direkt
auf eine Substanz oder ein medizinisches Krankheitsbild zurück.
Subtypen:
Verfolgungswahn, Liebeswahn, Größenwahn, religiöser
Wahn, Eifersuchtswahn
5. Gemeinsame psychotische Störung (297.3)
Kriterien:
A: Ein Wahn entwickelt sich bei einer Person, die eine enge
Beziehung zu einer Person hat, die schon vorher einen Wahn hat
B: Die Wahninhalte sind bei beiden Personen die gleichen
C: Die Störung kann nicht besser durch eine affektive oder
eine andere psychotische Störung erklärt werden; kaum andere
Symptome!
6. Psychotische Störung aufgrund eines medizinischen Krankheitsfaktors (293.xx)
Kriterien:
A: Ausgeprägte Halluzinationen oder Wahnsymptome
B: Befunde, die eindeutig auf die
medizinische Ursache schließen lassen (Anamnese, körperliche
Befunde, Laborbefunde)
C: Die Störung ist nicht besser durch eine andere
psychotische Störung erklärbar
D: Die Störung ist nicht ausschließlich auf ein
Delir, eine Alzheimer oder veskuläre Demenz
zurückzuführen
Mögliche medizinische Ursachen:
Trauma, Tumor, Epilepsie, Hyperthyreose, Entzündungen des ZNS
etc.
7. Substanzinduzierte psychotische Störung (Code je nach Substanz)
Kriterien:
A: Ausgeprägte Wahnsymptome oder Halluzinationen,
außer wenn der Betroffene einsieht, daß die Halluzination
auf die Substanz oder deren Entzug zurückzuführen ist
B: Hinweise (Anamnese, körperliche oder Laborbefunde) auf 1
oder 2
1. Symptome entwickelten sich während eines Monats mit
Substanzintoxikation oder Entzug
2. Medikamenteneinnahme ist Ursache für Störung
C: Störung kann nicht besser
durch andere psychotische Störung erklärt werden
D: Störung nicht ausschließlich wegen Delir
8. Nicht näher beschriebene psychotische Störung (298.9)
Symptome:
Wahn, Halluzinationen, desorganisierte Sprache oder Verhalten, katatone Symptome. Die Kriterien für eine spezifische psychotische Störung sind nicht erfüllt.
Beispiele:
- Post-Partum-Psychose.
- Anhaltende akustische Halluzinationen ohne andere psychotische
Symptome, wenn unklar bleibt, ob Störung primär psychotisch,
substanzinduziert oder durch einen medizinischen Krankheitsfaktor
verursacht ist.
Ätiologie
Nach der WHO-Studie von
Jablensky, Sartorius,
Ernberg et al, 1992 liegen die Inzidenzraten 10/100 000 bei enger
Schizophreniedefinition.
Dabei zeigte sich eine hohe Konstanz über verschiedene Regionen
und
Zeitperioden.
Grundsätzlich hat Geschlecht
keinen Einfluß auf die Inzidenz, jedoch beginnt die Erkrankung
bei Frauen später als bei Männern (Häfner, 1995). Dies
kann so interpretiert werden, daß weder ökonomische,
kulturelle noch ethnische Faktoren einen Einfluß auf das
Krankheitsrisiko haben. Dies verweist auf eine starke Bedeutung
biologischer, vor allem genetischer Faktoren bei der Entstehung der
Schizophrenie.
a) Genetik:
Maßgeblich waren
Untersuchungen über Verwandtschaftsgrad und
Erkrankungshäufigkeit, Zwillingsstudien und
Adoptionsuntersuchungen. Es wurde bei den biologischen Verwandten von
Schizophrenen ein erhöhtes und nach dem Verwandtschaftsgrad
abgestuftes Morbiditätsrisiko gefungen. Als
Lebenszeitmorbiditätsrisiko ausgedrückt haben demnach
eineiige Zwillingspartner eines schizophrenen Patienten und die Kinder
zweier schizophrener Elternteile das höchste Risiko (48% bzw.
46%), die Kinder eines Elternteiles noch ein Risiko von 13 % (McGue
& Gottesmann, 1989).
b) Biologische Faktoren:
Eine Reihe von Befunden belegt,
daß mit den Akutsymptomen wie Halluzinationen und Wahnideen eine gesteigerte
Aktivität dopaminerger Neurone einhergeht. Evidenz dafür
liefert die Wirkungsweise anitpsychotischer neuroleptischer
Medikamente, die postsynaptische Dopaminrezeptoren blockieren, dadurch
die Rate der Neurotransmission an den Synapsen absenken und das
Abklingen akuter Symptome bewirken. Umgekehrt können Substanzen
wie Amphetamin, die die dopaminerge Aktivität erhöhen, zu
Akutsymptomen führen. Außerdem wurde eine erhöhte
Konzentration an Homovanillinsäure (Dopaminmetabolit) im Liquor
gefunden. Allerdings ist dieses Transmittersystem komplex und die Art
und Weise wie sich die Symptome der Schizophrenie dadurch bedingen, im
Einzelnen nicht geklärt (Liebermann & Koreen, 1993).
Hirnorganisch konnte die
Vergrößerung der Seitenventrikel diagnostiziert werden.
Bei 1/3 der Personengruppe liegen hirnorganische Veränderungen
vor, aber die bisherigen Untersuchungen lassen keinen eindeutigen
Schluß zu (Übersicht von Cannon & Marco, 1994).
c) neurokognitive Defizite:
Schizophrene Patienten zeigen Beeinträchtigungen
bei der selektiven Aufmerksamkeit (Cornblatt & Keillp, 1994).
In zahlreichen
Assoziationsuntersuchungen nannten schizophrene Probanden im Vergleich
zu Gesunden seltener das übliche Wort, wenn ihnen ein Reizwort
genannt wurde. Im Rahmen von Netzwerkansätzen werden diese Befunde
als Hinweis auf das Fehlen hemmender Einflüsse auf die
Assoziationsbildung interpretiert (Spitzer, 1993).
Von Cohen & Servan-Schreiber
(1992) wurden diese Befunde zu andersartigen Aktivierungs- und
Hemmungsprozessen auf Störungen der
dopaminergen Modulation neuronaler Netzwerke im Frontallappen
zurückgeführt. Entsprechend der erweiterten Dopaminhypothese
nehmen sie eine verminderte Dopaminfreisetzung im frontalen Cortex
an.
d) Psychosoziale Faktoren
prämorbide
Sozialisationsbedingungen
Faris und Dunham (1939) fanden
die höchsten
Prävalenzraten für Schizophrenie in Wohngebieten der
Innenstadt
Chicagos, die vorwiegend von Unterschichtsangehörigen bewohnt
wurden
und somit einen Zusammenhang zwischen sozioökonomischen Status und
der
Schizophrenieerkrankung vermuten ließ. Als Erklärungsansatz
wurde
dazu angeführt, dass das Leben unter psychosozial schwierigen
Bedingungen
für die erhöhte Schizophrenierate verantwortlich sei.
Besser belegt ist der Zusammenhang
zwischen lebensverändernde Ereignissen und einem "Rückfall",
d.h. dem erneuten Auftreten akuter Symptome nach der Ersterkrankung.
Die rückfälligen Patienten hatten im Monat vor der
Wiederaufnahme mehr Belastungen erlebt als in den Monaten zuvor und
mehr als die nicht rückfälligen Patienten in den
Vergleichsmonaten (Ventura, Nuechterlein et al., 1989).
Fazit:
Es besteht ein komplexes
Faktorengefüge mit verschiedenen Risikofaktoren, das die Vielfalt
möglicher Interaktionen zwischen den Risikofaktoren wie auch
unterschiedliche Krankeitsbilder, prämorbide Auffälligkeiten
und längerfristige Verläufe bestimmt.
Therapiemöglichkeiten
Alle Behandlungsformen für die Schizophrenie sind in erster Linie nur Symptombehandlung, denn die Ursachen sind immer noch weitgehend unbekannt. Eine Symptombehandlung ist jedoch nie so wirkungsvoll wie eine unmittelbare Ursachenbeseitigung. Daher sollte die Therapie von schizophrenen Patienten immer auch Rehabilitation und Prävention umfassen. In der akuten Phase ist eine medikamentöse Behandlung mit Neuroleptika unumgänglich. Verlaufsuntersuchungen an Patienten belegen jedoch, dass das Rückfallrisiko bei Patienten am geringsten ist, die eine Kombination aus medikamentöser Behandlung und psychotherapeutischer und/oder sozio-therapeutischer Behandlung erfahren haben.
Medikamentöse Behandlung
mit Neuroleptika:
Diese
lassen sich in die Gruppen der Phenothiazine bzw. der Butyrophenone und
deren Derivate und in das Clozapin einteilen.
Neuroleptika wirken dämpfend
auf die vorwiegend akute Symptomatik wie Denkstörungen,
Halluzinationen, psychotisches Wahndenken, schizophrene
Ich-Störungen, katatone Verhaltensstörungen, affektive
Spannungen, aggressives Verhalten und psychomotorische
Erregungszustände.
Apathie, Antriebslosigkeit,
Affektverflachung oder soziale Zurückgezogenheit kann dagegen
durch Neuroleptika kaum beeinflusst werden.
Nebenwirkungen von Neuroleptika
sind: Akathisien (hoher Grad motorischer Unruhe), Parkinsonismus und
Dyskinesien. Außerdem kann es durch eine Verminderung der
Adrenalinausschüttung zu einer Beeinflussung des autonomen
Nervensystems kommen, dies führt zu Herzrhythmusstörungen und
zu Blutdruckabfall.
Psychotherapeutische Behandlung:
Verhaltenstherapie
Diese
läßt sich nach Curran et al (1985) in drei Gruppen
einteilen:
Familientherapie
Ungefähr zwischen 25 und 40%
der nichthospitalisierten schizophrenen Patienten leben während
der Genesung bei ihren Familien. Ein Zusammenleben bringt besondere
Belastungen, sowohl für die Familie als auch für die
Angehörigen mit sich. Genesende schizophrene Patienten werden
stark beeinflußt von dem Verhalten und den Reaktionen der
Angehörigen. Die Angehörigen werden ihrerseits oft vom
Verhalten eines schizophrenen Familienmitgliedes in Mitleidenschaft
gezogen. Um die Chancen auf Gesundung zu erhöhen und die Probleme
innerhalb der Familie zu lösen werden deshalb die
Familienmitglieder in die Therapie miteinbezogen. Die Familientherapie
bietet den Angehörigen Anleitung, praktischen Rat, Aufklärung
über Schizophrenie (Psychoedukation), sowie emotionale
Unterstützung und Empathie. Den schizophrenen Patienten wird
geholfen die Belastungen des Familienlebens zu bewältigen,
familiäre Hilfsquellen besser zu nutzen und problematische
Interaktionen zu vermeiden. Mit diesem Ansatz gelingt es oft die
Kommunikation in der Familie zu
verbessern und Spannungen zu verringern und somit die
Rückfallquote zu senken.
Gemeindenahe Psychiatrie
Entstanden in den USA, führte
zu einer Deinstitutionalisierung, d.h. die Regierung ordnete an, die
Patienten aus der stationären Behandlung der
Landeskrankenhäuser zu entlassen und in den Gemeinden zu versorgen.
Zu den zentralen Bestandteilen einer
leistungsfähigen gemeindepsychatrischen Versorgung gehören
die Koordination der Dienste durch ein kommunales psychatrisches
Behandlungszentrum, kurzzeitige Hospitalisierung gefolgt von Nachsorge,
Tageskliniken, Übergangsheimen und berufliche Rehabilitation.
Leider erhält auch heute nur die Hälfte aller schizophrener
Patienten wirksame gemeindepsychatrische Dienstleistungen. Dies liegt
zum einen an der schlechten Koordination der Dienst und zum anderen an
der Knappheit der Mittel. Trotzdem ist diese Art Versorgung zur
Haupttherapieform genesender schizophrener Menschen in Ländern auf
der ganzen Welt geworden und die erzielten Erfolge sollten zu weiteren
Anstrengungen auf diesem Gebiet ermutigen.
Literatur
Hans Reinecker. (1994). Lehrbuch
der Klinischen Psychologie. Göttingen: Hogrefe Verlag für
Psychologie
Ronald J. Comer (1995). Klinische
Psychologie. Heidelberg: Spektrum Akademischer Verlag
Urs Baumann und Meinrad Perrez.
(1998). Lehrbuch klinische Psychologie – Psychotherapie. Bern: Verlag
Hans Huber.
AFFEKTIVE STÖRUNGEN
Major Depression
1) Diagnostische Verschlüsselung:
Die ersten drei Ziffern lauten 296. Eine
MD kann entweder aus einer einzelnen Episode (diagnostische
Verschlüsselung 2 an vierter Stelle also 296.2) oder aus
zwei oder mehreren Episoden einer Major Depression bestehen (=
rezidivierend; diagnostische Verschlüsselung 3 an vierter Stelle).
Episoden können für sich allein nicht codiert werden.
Episoden werden dann als getrennt gewertet, wenn in einem mindestens
zweimonatigen Intervall die Kriterien für eine Episode einer MD
nicht erfüllt sind. Die fünfte Ziffer kodiert die
Ausprägung, also den Schweregrad: 1 = leicht, 2 = mittelschwer, 3 =
schwer ohne psychotische Merkmale, 4 = schwer, mit psychotischen Merkmalen, 5 = teilremittiert (Symptome
erfüllen Kriterien nicht mehr, oder Zweimonatszeitraum ist noch
nicht vorbei), 6 = vollremittiert, 0 = unspezifisch
Beispiel: 296. 23 ist Major Depression mit einmaliger Episode, Schwer;
2) Kriterien:
Hauptmerkmal ist ein klinischer Verlauf mit einer oder mehreren
Episoden der MD und keine Manischen, Hypomanen oder Gemischten Episoden
in der Vorgeschichte.
Kriterien für eine Episode der Major Depression:
Mindestens fünf der folgenden Symptome bestehen während
derselben Zwei-Wochen-Periode; mindestens eines der Symptome ist
entweder (1) Depressive Verstimmung oder (2) Verlust an Interesse oder
Freude.
1. Depressive Verstimmung
2. Verlust an Interesse oder Freude
3. Deutlicher Gewichtsverlust ohne Diät oder Gewichtszunahme
4. Vermehrter Schlaf oder Schlaflosigkeit
5. Psychomotorische Unruhe oder Verlangsamung
6. Übermäßige, unangemessene Schuldgefühle oder
Gefühle von Wertlosigkeit an
fast allen Tagen
7. Subjektive oder beobachtbare verminderte Denk- und
Entscheidungsfähigkeit
8. Müdigkeit und Energieverlust
9. Suizidale Gedanken und/oder Handlungen
Die Symptome verursachen in klinisch bedeutsamer Weise Leiden oder
Beeinträchtigungen;
Die Symptome können nicht besser durch einfache Trauer
erklärt werden;
3) Zugehörige Merkmale:
Neigung zum Weinen, Reizbarkeit, Schwermut, zwanghaftes Grübeln,
Angst, Phobien, übertriebene Besorgnis um körperliche
Gesundheit, Schwierigkeiten im sozialen Umgang, sexuelle Probleme,
Substanzmissbrauch, versuchter oder vollendeter Suizid (15%);
Frauen erkranken zweimal häufiger als Männer. Die
Erkrankungsrate ist bei den 25-44jährigen am höchsten und bei
den 65jährigen am niedrigsten.
Meist entwickeln sich die Symptome einer
MD über einige Tage oder Wochen. Die Dauer einer unbehandelten
Episode beträgt normalerweise 6 Monate oder länger. Bei ca.
50-60% der Patienten mit einer einzelnen Episode ist mit dem Auftreten
einer weiteren zu rechnen; bei zwei abgeschlossenen Episoden steigt die
Wahrscheinlichkeit auf 70%, bei drei Episoden auf 90%. Etwa 2/3 der
Episoden einer MD remittieren vollständig, 1/3 remittiert
teilweise bis gar nicht.
4) Differentialdiagnose der Major Depression:
Eine Manische, Gemischte oder Hypomane Episode in der Anamnese
schließt die Diagnose MD aus!
Abgrenzung zur Dysthymen Störung: Unterscheidung bezüglich
Schweregrad, Chronizität und Dauer.
Abgrenzung zur Schizoaffektiven Störung: Auftreten von
Wahnphänomenen oder Halluzinationen über zwei Wochen, ohne
deutliche affektive Symptome; depressive Symptome sind hier
Begleitsymptome.
Abgrenzung zur Demenz: v.a. kognitive Symptome; bei Demenz eher
kontinuierliche Abnahme der Leistungsfähigkeit, bei MD abrupte
Abnahme mit Beginn der Episode;
Dysthyme Störung
1) Diagnostische Verschlüsselung:
Der Code für die ‚Dysthyme Störung‘ ist 300.4
2) Kriterien:
A) Hauptmerkmal ist eine chronisch, depressive Verstimmung mit
trauriger oder niedergeschlagener Stimmung, über 2 Jahre hinweg
die meiste Zeit des Tages (bei Kindern und Jugendlichen über 1
Jahr).
B) Dabei müssen mindestens zwei der folgenden Symptome vorliegen:
1. Reduzierter oder gesteigerter Appetit
2. Reduziertes oder übermäßiges Schlafbedürfnis
3. Energielosigkeit
4. Geringes Selbstwertgefühl
5. Konzentrationsstörungen oder Entscheidungserschwernis
6. Gefühl der Hoffnungslosigkeit
In diesen 2 Jahren darf keine Episode einer MD auftreten und kein
symptomfreier Zeitraum über 2 Monate vorliegen. Es sind keine
Manischen, Hypomanen oder Gemischten Episoden in der Anamnese
aufgetreten, auch die Kriterien für eine Zyklothyme Störung
waren nie erfüllt. Die affektiven Symptome der Dysthymen
Störung verursachen in klinisch bedeutsamer Weise Leiden oder
Beeinträchtigung.
3) Zugehörige Beschreibungsmerkmale:
Minderwertigkeitsgefühle, allgemeiner Verlust von Interesse oder
Freude, sozialer Rückzug,
Schuldgefühle, subjektive Gefühle von Gereiztheit, reduzierte
Aktivität.
Bei Frauen ist die Dysthyme Störung
zwei bis drei mal so häufig wie bei Männern.
Lebenszeitprävalenz beträgt ca. 6%. Die Dysthyme Störung
zeigt oft einen frühen und schleichenden Beginn (Kindheit,
Adoleszenz, frühes Erwachsenenalter) und hat zumeist einen
chronischen Verlauf.
4) Differentialdiagnose zur Dysthymen Störung:
Abgrenzung zur Major Depression: Dysthyme Störung ist zumeist
chronisch, länger andauernd und
weniger stark ausgeprägt als MD.
Eventuell gleichzeitig bestehende Persönlichkeitsstörungen
werden parallel diagnostiziert.
Depressive Symptome bei chronisch psychotischen Erkrankungen werden
nicht zusätzlich als Dysthyme Störung diagnostiziert.
Erklärungsansätze der unipolaren Depression
Reaktive Depressionen folgen auf klar umrissene auslösende
Ereignisse.
Endogene Depressionen werden anscheinend ohne Vorbedingungen von
inneren Faktoren verursacht. Modernes Erklärungsmodell
berücksichtigt umweltbedingte, biologische und psychologische
Faktoren.
· Soziokulturelles Modell: Stressoren/
Mangelnde soziale Unterstützung als Ursache.
· Biologische Sicht: Mangel
an Noradrenalin und Serotonin bzw. Störung des hormonellen
Systems (abnormer Kortisol- oder Melantoninspiegel)
· Kognitiv-verhaltenstherapeutisches Modell:
Mangelnde positive Verstärkung
· Theorie der gelernten Hilflosigkeit:
Kontrollverlust wird internal, stabil und global attribuiert
· Becks Modell: Negatives Denken: Ihre Umwelt,
sich selbst und ihre Zukunft interpretieren Betroffene negativ aufgrund
logischer Denkfehler wie z.B. Willkürliches
Schlussfolgern oder Übergeneralisierungen.
Dimensionale Diagnoseverfahren:
z.B. Beck-Depressionsinventar (BDI), Hamilton Depression Scale (HamD).
Therapie
· Antidepressiva: MAO-Hemmer, Tri- und
Tetrazyklische Antidepressiva, SSRI, SNRI (selektive Serotonin- oder
Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer)
· Kognitiv-verhaltenstherapeutische
Ansätze: Einstellungsänderung; Häufig Kombination
von beidem
· Familientherapie
· Schlafentzug
· Lichttherapie
· EKT: Elektrokrampftherapie
Bipolar I Störung
1) Diagnostische Verschlüsselung:
Die Kodierung an den ersten drei Stellen, sowie an der fünften
Stelle ist analog zur Kodierung der MD. Die vierte Ziffer bezeichnet
die Art der Episode: 0 = einzelne Episode; 4 = Hypomane oder Manische
Episode, 5 = Episode einer MD, 6 = Gemischte Episode; 7 = Unspezifische
Episode.
Beispiel: 296.03: Bipolar Störung, einzelne Episode, schwer ohne
psychotische Merkmale
2) Kriterien:
Hauptmerkmal sind eine oder mehrere Manische oder Gemischte Episoden,
die gewöhnlich mit Episoden
einer MD einhergehen.
Kriterien für eine Manische Episode (Manie griechisch:
Raserei, Wahnsinn):
A) Für den Zeitraum von mindestens einer Woche (bei
Hospitalisierung auch kürzer) liegt eine abnorm und anhaltend
gehobene, expansive oder reizbare Stimmung vor.
B) Während der Periode der Stimmungsveränderung bestehen mindestens
drei (bei nur reizbarer Verstimmung mindestens vier) der folgenden
Symptome in einem deutlichen Ausmaß:
1. Übersteigertes Selbstwertgefühl oder
Größenideen
2. Vermindertes Schlafbedürfnis
3. Rededrang
4. Subjektives Gefühl des Gedankenrasens oder Ideenflucht
5. Erhöhte Ablenkbarkeit
6. Übermäßiger Tatendrang oder psychomotorische Unruhe
7. Übermäßige Beschäftigung mit angenehmen
Aktivitäten, die mit hoher Wahrscheinlichkeit unangenehme
Konsequenzen nach sich ziehen
Kriterien für eine Gemischte Episode:
A) Für die Zeitspanne von mindestens einer Woche sind die
Kriterien für eine Manische Episode und auch die Kriterien
für eine Episode einer MD beinahe täglich erfüllt.
Stimmung wechselt rasch zwischen Traurigkeit, Reizbarkeit und Euphorie.
Die häufigsten Symptome sind psychomotorische Unruhe,
Schlaflosigkeit, Appetitveränderungen, psychotische Merkmale und
Suizidgedanken.
Beachte: Sowohl bei der Manischen als auch bei der Gemischten Episode ist die Störung schwer genug, um eine deutliche Beeinträchtigung in beruflichen, sozialen oder anderen wichtigen Funktionsbereichen zu verursachen oder eine Hospitalisierung wegen Fremd- oder Selbstgefährdung erforderlich zu machen oder es sind psychotische Symptome vorhanden.
Eine Bipolar I Störung liegt vor, wenn eine einzelne Manische
oder Gemischte Episode vorkommt oder wenn es sich um einen
rezidivierenden Verlauf handelt. Rezidivierender Verlauf bedeutet:
a) zwischen zwei Manischen Episoden bzw.
Gemischten Episoden liegt ein mindestens zweimonatiges
Intervall ohne manische bzw. gemischte Symptomatik.
b) ein Polaritätswechsel findet statt (z.B. Übergang von
einer Episode einer MD in eine Manische oder Gemischte Episode).
3) Zugehörige Beschreibungsmerkmale:
In Manischen Episoden oft keine Krankheitseinsicht, starke
Veränderung des Erscheinungsbildes, desorganisiertes oder bizarres
Verhalten, antisoziales Verhalten, Fremdaggression, Suizidalität
(15%). Begleitende psychische Störungen sind Anorexia Nervosa,
Bulimia Nervosa, Panikstörung, Soziale Phobie.
Durchschnittliches Ersterkrankungsalter für Bipolar I
Störungen liegt um die 20 Jahre. Häufig tritt die Manische
Episode nach psychosozialen Belastungsfaktoren auf. Die Symptome
eskalieren schnell, dauern wenige Wochen bis
Monate an (kürzer als Episoden einer MD) und enden abrupt. Mehr
als 90% der Patienten erleben weitere Episoden. 60 – 70% der
Manischen Episoden treten unmittelbar vor oder nach einer Episode
einer Major Depression auf. Bei ungefähr 5-15% der Bipolar
Störungen treten im Laufe 1 Jahres vier oder mehr affektive
Episoden
auf (Zusatzcodierung: Rapid Cycling).
4) Differentialdiagnose zur Bipolar I Störung:
Abgrenzung zur Major Depression, Dysthymen Störung, Bipolar II
Störung und Zyklothymen Störung: durch das Auftreten
mindestens einer Manischen oder Gemischten Episode.
Abgrenzung zu Psychotischen Störungen: Die manischen oder
depressiven Symptome die während einer Psychotischen Störung
auftreten können, erfüllen nur selten nach Zahl, Dauer und
Intensität die Kriterien einer Manischen oder Depressiven Episode.
Bipolar II Störung
1) Diagnostische Verschlüsselung:
Der Code für die ‚Bipolar II Störung‘ ist 296.89
2) Kriterien:
Hauptmerkmal sind eine oder mehrere Episoden einer MD und mindestens
eine Hypomane Episode.
Beachte: Hypomane Episode darf nicht mit
dem postremissiven Normalbefinden nach einer Episode der
MD verwechselt werden, daher spielt bei der Diagnose die Fremdanamnese
eine große Rolle.
Kriterien für eine Hypomane Episode:
Die Symptome der Hypomanen Episode unterscheiden sich von denen der
Manischen Episode nur durch Ihre Ausprägung. Bei der Hypomanen
Episode liegt keine deutliche Beeinträchtigung der sozialen und
beruflichen Funktionsfähigkeit vor oder die Erfordernis einer
Hospitalisierung.
3) Zugehörige Beschreibungsmerkmale:
Neben der Borderline-Persönlichkeitsstörung können
weitere Komplikationen, die unter den zugehörigen
Beschreibungsmerkmalen der Bipolar I Störung aufgelistet sind,
auftreten.
Die Lebenszeitprävalenz liegt bei 0,5%. Etwa 60-70% der Hypomanen
Episoden treten unmittelbar vor
oder nach einer Episode einer MD auf. Sie beginnen meist
plötzlich, eskalieren schnell innerhalb ein oder zwei Tagen und
können einige Wochen bis Monate andauern. Bei 5 bis 15% der
Betroffenen mit Hypomanie tritt im späteren Verlauf eine Manische
Episode auf.
4) Differentialdiagnose zur Bipolar II Störung:
Abgrenzung zur MD und Dysthymen Störung: Durch das Vorhandensein
mindestens einer Hypomanen Episode in der Anamnese;
Abgrenzung zur Bipolar I Störung: Durch das Fehlen jeglicher
Manischer oder Gemischter Episoden in der Anamnese.
Abgrenzung zu Psychotischen Störungen: Diese sind gekennzeichnet
durch Episoden mit psychotischer Symptomatik ohne ausgeprägte
affektive Symptome.
Zyklothyme Störung
1) Diagnostische Verschlüsselung:
Der Code für ‚Zyklothyme Störung‘ ist 301.13
2) Kriterien:
Hauptmerkmal ist eine chronisch, fluktuierende Affektive Störung,
die sich aus Perioden mit manischen und Perioden mit depressiven
Symptomen zusammensetzt. Diese
Symptome reichen aber von Anzahl, Schwere, Intensität und
Dauer nicht aus um eine Episode einer MD oder eine Manische Episode zu
diagnostizieren. Innerhalb eines Zweijahreszeitraums (1 Jahr
bei Kindern und Heranwachsenden) gibt es weder ein symptomfreies
Intervall von mehr als zwei Monaten, noch tritt eine Episode einer
MD oder eine Manische Episode auf.
3) Zugehörige Beschreibungsmerkmale:
Störungen im Zusammenhang mit Psychotropen Substanzen und
Schlafstörungen können vorliegen. Die Zyklothyme Störung
beginnt oft im Jugend- oder frühen Erwachsenenalter, zeigt einen
schleichenden Beginn und einen chronischen Verlauf. Das Risiko eine
Bipolar I oder Bipolar II Störung zu entwickeln liegt bei 15-50%
4) Differentialdiagnose:
Abgrenzung zur Bipolar I und Bipolar II Störung (mit Rapid
Cycling): Die Symptome der Zyklothymen Störung erfüllen nicht
die vollen Kriterien für eine Manische, Gemischte oder Depressive
Episode.
Abgrenzung zur Borderline Persönlichkeitsstörung:
Ähnlich ausgeprägte Stimmungsschwankungen können
vorliegen. Es können auch beide Störungen gleichzeitig
diagnostiziert werden.
Nicht Näher Bezeichnete Bipolare Störung
Code: 296.80. Störungen mit bipolaren Merkmalen, die nicht die
Kriterien für eine spezifische Bipolare Störung
erfüllen. Z.B.:
- rascher Wechsel zwischen manischen und depressiven
Symptomen, die nicht die Zeitkriterien einer
Manischen Episode oder einer Episode einer Major Depression
erfüllen
- rezidivierende Hypomane Episoden ohne dazwischenliegende depressive
Symptomatik
- Manische oder Gemischte Episoden, die eine Wahnhafte Störung,
ein schizophrenes Residuum oder
eine Nicht Näher Bezeichnete Psychotische Störung
überlagern usw.
Affektive Störung Aufgrund eines Medizinischen
Krankheitsfaktors
Code: 293.83
Diagnostische Merkmale:
Das Hauptmerkmal ist eine ausgeprägte und anhaltende
Stimmungsveränderung, die auf die direkte körperliche Wirkung
eines medizinischen Krankheitsfaktors zurückgeführt wird
(depressive Verstimmung oder gehobene, expansive oder reizbare
Verstimmung). Die Störung wird als direkte Folge eines
medizinischen Krankheitsfaktors belegt. Die Störung tritt
nicht ausschließlich im Verlauf eines Delirs auf.
Prävalenz:
Bei 25-40% bestimmter neurologischer Erkrankungen kommt es zu einer
ausgeprägten depressiven Störung. Wenn ZNS nicht betroffen
ist variiert die Prävalenz zwischen 8-60%.
Die Diagnose ist unzulässig:
- beim Auftreten der Affektiven Störungen ausschließlich im
Verlauf eines Delirs
- oder im Verlauf einer Demenz vom Alzheimer Typ oder einer
Vaskulären Demenz
- bei einer aktuellen oder chronischen Substanzeinnahme
Substanzinduzierte Affektive Störung
Diagnostische Merkmale:
Das Hauptmerkmal ist eine ausgeprägte und anhaltende affektive
Veränderung die als direkte körperliche Folge einer Substanz
angesehen wird (depressive Verstimmung oder gehobene, expansive oder
reizbare Verstimmung). Die Störung darf nicht besser durch eine
andere, nicht-substanzinduzierte Affektive Störung erklärt
werden. Die Diagnose wird nicht gestellt, wenn die Affektive
Störung
ausschließlich im Verlauf eines Delirs auftritt. Die Diagnose
sollte den Diagnosen: Substanzintoxikation und Substanzentzug nur dann
vorgezogen werden, wenn die affektive Symptomatik über ein bei
Intoxikation oder Entzug von der jeweiligen Substanzen übliches
Maß deutlich hinausgeht.
Nicht Näher Bezeichnete Affektive Störung
Code: 296.90
Wird diagnostiziert wenn die Kriterien für eine
spezifische Affektive Störung, eine Nicht Näher Bezeichnete
Depressive Störung und eine Nicht Näher Bezeichnete Bipolare
Störung nicht erfüllt sind.
Erklärungsmodelle zu bipolaren Störungen
Permissive Theorie: - niedrige Serotoninaktivität
begleitet von niedriger oder normaler Noradrenalinaktivität
führt zu Depression
- niedrige Serotoninaktivität begleitet von hoher
Noradrenalinaktivität führt zu Manie
Natriumionenaktivität: - ein gestörter Transport von
Natriumionen durch die Nervenzellmembran im Gehirn führt zur
Änderung der Weiterleitung der Impulse zu anderen Zellen:
- Neuronen feuern leicht => Manie
- Neuronen feuern erschwert => Depression
Genetische Prädisposition – unterschiedliche
Untersuchungsergebnisse
Therapie
- genaue Aufklärung
- vorbeugende Maßnahmen: - Stressreduzierende
Verhaltensweisen
- regelmäßiger Schlaf
- Vermeidung von Substanzmißbrauch
- Lithium-Prophylaxe
- Mono- oder Kombinationstherapie von: - Stimmungsstabilisatoren
- Neuroleptika
- Antidepressiva
Angst ist ein normales menschliches
Phänomen, eine aus evolutionärer Sicht entwickelte
Schutzfunktion, die das Überleben des Organismus sichert. Erst
unangepaßte, übertriebene, der Situation nicht angemessene
Angstreaktionen kann man als Störung bezeichnen.
Formen von Angststörugen:
Panikattacke: (Pan = gr. Mythologie Hirtengott, soll die Perser bei der Schlacht bei Marathon in Angst und Schrecken, "Panik" versetzt haben)
Merkmale:
Agoraphobie: (agora = gr.: offener Platz)
Merkmale:
Ausschlußkriterien:
Es ergibt sich eine Schwierigkeit der Abgrenzung zu Sozialer Phobie, Spezifischer Phobie und Trennungsangst, da diese alle durch Vermeidung charakteristischer Situationen gekennzeichnet sind.
Weitere Ausschlußkriterien sind: Zwangsstörung (z.B. zwanghafte Vermeidung von Schmutz), Posttraumatische Belastungsstörung.
Erklärungsansatz des Konditionierungsmodells (Lerntheorie):
Es tritt z.B. eine Panikattacke während der Fahrt mit der U-Bahn auf. Nach der klassischen Konditionierung wird nun das U-Bahnfahren (neutraler Reiz) mit der Panikattacke (unkonditionierter Reiz) verknüpft und zum konditionierten Reiz. In der Folge wird nun das U-Bahnfahren vermieden. Dieses Verhalten wird dadurch negativ verstärkt, daß keine Panikattacken auftreten, wenn der unangenehme Reiz vermieden wird. Durch die negative Verstärkung lernt die Person Situationen zu vermeiden, die Panikattacken auslösen könnten.
Ein möglicher Therapieansatz wäre hier eine
verhaltenstherapeutische Intervention durch systematische
Desensibilisierung oder Konfrontation mit der angstauslösenden
Situation.
Diagnostische Merkmale der Panikstörung:
Zugehörige Merkmale:
2. Agoraphobie ohne Panikstörung
Die Kriterien für eine Agoraphobie sind erfüllt, aber die Kriterien für eine Panikstörung fehlen bzw. die Symptomatik ist unvollständig.
Prävalenz:
In klinischen Einrichtungen weisen fast alle Personen mit Agoraphobie auch eine Panikstörung auf, in epidemiologischen Studien dagegen kommt Agoraphobie ohne Panikstörung häufiger vor. Dafür könnten aber auch Probleme bei der Erhebung verantwortlich sein, da bei einer jüngst wiederholten Untersuchung, bei einer Mehrzahl der Personen anstatt einer Agoraphobie Spezifische Phobien diagnostiziert wurden.
Diagnostische Merkmale:
Subtypen:
Die meisten dieser spezifischen Ängste beginnen im Kindesalter. Prädisponierende Faktoren können traumatische Erlebnisse sein (z.B. von einem Tier angegriffen werden), oder auch wiederholte Warnungen vor bestimmten Situationen oder Objekten durch Eltern oder Medien (z.B. Flugzeugunfälle). Phobien, die bis ins Erwachsenenalter anhalten remittieren nur selten.
Prävalenz:
Spezifische Phobien kommen sehr häufig vor, führen aber
selten zu hoher Beeinträchtigung; die Diagnose hängt also
davon ab welche Schwelle für die Bestimmung der
Beeinträchtigung festgelegt wird: Bevölkerungsstichprobe ca.
9%
4. Soziale Phobie
Diagnostische Merkmale:
Generalisiert: wenn die Ängste viele verschiedene
soziale Situationen
betreffen, z.B. Gespräch beginnen und aufrechterhalten, Teilnahme
an
Gruppen, Verabredungen, Sprechen mit Autoritätspersonen, Parties
und
öffentliche Leistungssituationen.
Zugehörige Merkmale:
Prävalenz:
Da Prüfungsangst, Lampenfieber und Schüchternheit in
sozialen Situationen mit fremden Personen weit verbreitet sind, ist es
schwierig zu bestimmen wo die Schwelle für Belastung und
Beeinträchtigung festgelegt wird. Je nach der Schwelle der
Bestimmung liegt sie bei 3 bis 13%. Eine Studie hat ergeben, daß
20% der Befragten ausgesprochene Ängste bei öffentlichem
Sprechen haben davon aber nur 2% hinreichende Beeinträchtigungen
haben, die eine Diagnose einer sozialen Phobie rechtfertigen
würden.
5. Zwangsstörung (OCD)
Zwangsgedanken:
Anhaltende Ideen, Gedanken oder Vorstellungen die als aufdringlich oder unangemessen empfunden werden und ausgeprägte Angst oder Leiden verursachen. Die Person empfindet den Inhalt der Gedanken als fremd und nicht der Kontrolle unterliegend (ich-dyston). Die Person kann jedoch erkennen, daß die Zwangsgedanken Produkt des eigenen Geistes sind und nicht von außen auferlegt sind.
Häufiger Inhalt der Zwangsgedanken sind wiederkehrende Gedanken verschmutzt oder infiziert zu werden (z.B. beim Händeschütteln) oder Zweifel darüber ob man z.B. die Tür abgeschlossen oder den Ofen ausgemacht hat oder aggressive Impulse z.B. sein Kind zu verletzen oder Obszönitäten in der Kirche auszurufen, oder wiederkehrende pornographische Vorstellungen.
Zwangsgedanken sind nicht durch
ausgeprägte Sorgen über reale Lebensprobleme definiert.
Person versucht Gedanken zu ignorieren, zu unterdrücken oder mit
anderen Gedanken oder Handlungen zu neutralisieren. (z.B. immer wieder
überprüfen ob der Ofen aus ist)
Zwangshandlungen:
Sich wiederholende Verhaltensweisen (z.B. Hände waschen) oder auch geistige Handlungen (z.B. Zählen, Wörter wiederholen), um Angst oder Unwohlsein zu verhindern. Die häufigsten Zwangshandlungen sind: Waschen, Putzen, Zählen, Nachprüfen, Ordnen.
Die Person fühlt sich gezwungen Zwangshandlungen auszuführen, um Unwohlsein oder Angst zu reduzieren oder befürchtete Ereignisse zu verhindern.
Wenn die Person versucht den Zwangshandlungen zu widerstehen, entwickelt sich ein Gefühl wachsender Angst oder Anspannung, die abnimmt, wenn die Zwangshandlung ausgeführt wird.
Die Zwangsgedanken oder Zwangshandlungen müssen erhebliche Belastung, hohen Zeitaufwand hervorrufen (mehr als 1 Stunde täglich) oder die normale Tagesroutine deutlich beeinträchtigen, um diagnostiziert zu werden.
Zwangsstörung wird nicht
diagnostiziert, wenn der Inhalt der Gedanken ausschließlich mit
anderen psychischen Störungen zusammenhängt, wie bei
Körperdysmorphen Störung, Spezifischer oder Sozialer Phobie,
Major Depression, Generalisierter Angststörung, Hypochondrie,
Schizophrenie, Tic-Störung, Eßstörung.
Zugehörige Merkmale:
Häufig werden Situationen
vermieden, die den Inhalt der Zwangsgedanken betreffen, wie z.B.
Schmutz. Oft hypochondrische Sorgen mit häufigen Arztbesuchen oder
Schuldgefühle oder ein pathologisches Gefühl von
Verantwortung, Schlafstörungen. Die Ausübung der
Zwangshandlung kann zum hauptsächlichen Lebensinhalt werden, was
zu schweren Beeinträchtigung der Ehe, des Berufs und des
Soziallebens führen kann.
Die Zwangsstörung kann gemeinsam mit Major Depression oder Angststörungen auftreten
Prävalenz und Verlauf:
Lebenszeitprävalenz ca. 2,5%,
Beginn ist üblicherweise in der Adoleszenz oder frühem
Erwachsenenalter, kann aber auch in der Kindheit beginnen. Meist
chronischer Verlauf mit Symptomverschlechterung.
5. Posttraumatische Belastungsstörung (PTSD)
Bei der posttraumatischen Belastungsstörung entwickeln sich charakteristische Symptome nach dem Erleben oder auch durch das Beobachten eines extrem traumatischen Ereignisses, das mit Androhung des Todes, schweren Verletzungen oder Bedrohung der körperlichen Unversehrtheit einhergeht. (z.B. Krieg, Folterung, Konzentrationslager, Vergewaltigung, sexueller Mißbrauch im Kindesalter, Raubüberfall, Entführung, Geiselnahme, schwere Unfälle). Je intensiver und direkter der Belastungsfaktor erlebt wurde, desto wahrscheinlicher scheint die Ausbildung der Störung zu sein.
Man unterteilt die traumatischen Erfahrungen in zwei Typen:
(hier wird im Gegensatz zu den meisten anderen psychischen Störungen auch die Entstehung, d.h. das traumatische Ereignis, in die Definition miteinbezogen)
Wiedererleben des traumatischen Ereignisses
Vermeidung von Reizen, die mit Trauma verbunden sind
Symptome erhöhten Arousals (Erregtheit)
Man unterscheidet zwischen:
Zugehörige Merkmale:
Es können qualvolle Schuldgefühle auftreten (z.B. überlebt zu haben, während andere nicht überlebt haben). Das phobische Vermeiden bestimmter Hinweisreize auf das Trauma kann zu Konflikten in zwischenmenschlichen Beziehungen oder am Arbeitsplatz führen. Weitere Merkmale sind Gefühle der Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung, ständiges Gefühl des Bedrohtseins, selbstschädigendes Verhalten.
Differentialdiagnose:
Verlauf:
Posttraumatische
Belastungsstörungen können in jedem Alter auftreten
(einschließlich der Kindheit). Normalerweise treten die Symptome
innerhalb der ersten 3 Monate nach dem Ereignis auf, sie können
aber auch um Monate und Jahre verzögert sein. Es gibt Hinweise,
dass soziale Unterstützung, Kindheitserfahrungen,
Persönlichkeitsvariablen die Ausbildung einer PTSD beeinflussen
können.
Prävalenz:
In der Allgemeinbevölkerung
1-14%, je nach Erfassungsmethode und untersuchter Stichprobe. Studien
an Risikopopulationen (z.B. Kriegsveteranen, Opfer krimineller Gewalt)
ergaben Raten zw. 3-58%.
7. Akute Belastungsstörung (ABS)
Man spricht von Akuter
Belastungsstörung, wenn die charakteristischen Symptome nach einem
traumatischen Ereignis innerhalb eines Monats nach dem traumatischen
Erlebnis auftauchen, das Störungsbild mindestens 2 Tage
anhält und nicht länger als 4 Wochen nach dem Erlebnis
anhält.
8. Generalisierte Angststörung
Diagnostische Merkmale:
Differentialdiagnose:
Panikstörung, Soziale
Phobie, Zwangsstörung,
Somatisierungstörungen, PTSD oder substanzinduzierte Störungen
Zugehörige Merkmale und Störungen:
Zittern, wacklige Gefühle, Verspannungen, kalte, feuchte Hände, Übelkeit, Schwitzen, Gefühl einen Kloß im Hals zu haben, depressive Symptome
Die generalisierte
Angststörung tritt häufig gemeinsam mit einer Affektiven
Störung oder anderen Angststörungen auf.
Prävalenz und Verlauf:
Lebenszeitprävalenz liegt
bei 5%.
Oft haben sich die Personen ihr ganzes Leben lang ängstlich und
nervös
gefühlt. Die Hälfte der Personen berichtet den Beginn im
Kindes-
oder Adoleszenzalter, aber auch der Beginn nach dem 20. Lebensjahr
kommt
häufig vor.
9. Angststörung aufgrund eines medizinischen Krankheitsfaktors
ausgeprägte Angst, Panikattacken, Zwangsgedanken/Handlungen, aufgrund eines medizinischen Krankheitsfaktors. Dazu gehören endokrinologische Krankheitsfaktoren, (z.B. Schilddrüsenüberfunktion/-Unterfunktion, Nebennierenrindenüberfunktion), kardiovaskuläre Krankheitsfaktoren (z.B. Herzfehler), Atemwegserkrankungen, Stoffwechselerkrankungen, neurologische Krankheitsfaktoren
Ausgeschlossen werden
Angststörung aufgrund eines Delirs und substanzinduzierte
Angststörung
10. Substanzinduzierte Angststörung
ausgeprägte Angstsymptome,
Panikattacken, Zwangsgedanken, aufgrund einer Substanz (z.B. Droge,
Medikament), die sowohl während der Intoxikation als auch beim
Entzug der Substanz auftreten können (ausgeschlossen Delir).
11. Nicht näher bezeichnete Angststörung
Darunter fallen ausgeprägte Angst oder phobische Vermeidung, die nicht die Kriterien für irgendeine Angststörung, Anpassungsstörung oder Affektive Störung erfüllen.
Dimensionale Diagnoseverfahren zur
liegen vor als:
Selbstbeurteilungsverfahren, z.B. STAI (State-Trait-Anxiety Inventory), SAS (Self-Rating Anxiety Scale) und
Fremdbeurteilungsverfahren, z.B. HamA (Hamilton Anxiety Scale), ASI (Anxiety Status Inventory).
liegen vor als Selbstbeurteilungsverfahren, z.B. PDS (Posttraumatic Diagnostic Scale), IES-R (Impact of Event Scale-Revised).
Monika Kaesberg, Sabine Steffen
Somatoforme Störungen
Die Erkenntnis des Zusammenhangs psychischer Prozesse und körperlicher Beschwerden geht bis ins frühe Altertum zurück. So wurde angenommen, daß ein unerfüllter Kinderwunsch bei Frauen zu Bewegungen in der Gebärmutter führt, verbunden mit Unterleibsschmerzen (griech. hystera = Gebärmutter). Die Bezeichnung "Hysterie" wurde in der psychiatrischen Diagnostik lange für vielfältige, psychische Erlebens- und Verhaltensstörungen verwendet: Bereiche wie gestörte Persönlichkeitsentwicklung, Konversionsstörungen und dissoziative Störungen. Man unterstellte einen gemeinsamen Verursachungs- und Verarbeitungsmodus. Doch wegen der Vielgestaltigkeit des Begriffs Hysterie und wegen einer heterogenen Sicht der Ätiologie wurden die Begriffe "Hysterie", "hysterische Neurose" und "hysterische Persönlichkeit" seit dem DSM-III (1980) und dem ICD-10 (1991) abgeschafft.
Das DSM-IV faßt die somatoformen Störungen in 7 Untergruppen zusammen, dies geschah aufgrund der klinischen Nützlichkeit, weniger aufgrund von Annahmen bezüglich einer gemeinsamen Ätiologie oder gemeinsamer Mechanismen.
Gemeinsame Merkmale dieser Gruppe:
- körperliche Symptome, die einen medizinische Krankheitsfaktor
nahelegen, dadurch aber nicht vollständig erklärbar sind
- verursachen in klinisch bedeutsamer Weise
Leiden/Beeinträchtigungen in sozialen, beruflichen oder anderen
wichtigen Bereichen
- körperliche Symptome sind nicht willentlich erzeugt
- kognitiv: Aufmerksamkeitsfokus auf körperliche Prozesse
- affektiv: Niedergeschlagenheit, Hilflosigkeit bis hin zur Depression
- verhaltensbezogen: Schonverhalten, sozialer Rückzug, "checking
behaviour"
Daneben gewann der Begriff "Psychosomatik" in letzter Zeit an Bedeutung, worunter man körperliche Krankheiten versteht, bei denen psychische Prozesse in der Ätiologie zumindest bei einem Teil der Patienten eine Rolle spielt. Sie werden primär unter organischen Krankheiten diagnostiziert. Sind jedoch psychische Prozesse bei Entstehung und Aufrechterhaltung dieser Krankheiten besonders hervorstechend, kann als psychische Zusatzdiagnose nach dem DSM-IV die Nummer 316 (spezifische Faktoren, die eine körperliche Krankheit beeinflussen) verwendet werden. Doch bei der Unterscheidung von psychosomatischen Krankheiten und somatoformen Störungen gibt es einen großen Überlappungsbereich und einige Krankheitsbilder sind schwerlich einer der beiden Gruppen zuzuordnen (z.B. unklare Magen- und Darmbeschwerden, chronisches Erschöpfungssyndrom).
2. Somatoforme Störungen
2.1 Somatisierungsstörung 300.81 (F45.0)
Hauptmerkmal ist ein Muster von rezidivierenden, multiplen, klinisch
bedeutsamen somatischen Beschwerden bei fehlenden Laborbefunden, die
die subjektiven Beschwerden erklären könnten.
Zugehörige Merkmale und Störungen:
"Doktorshopping", kann zu gewagten Kombinationen von
Behandlungsmaßnahmen führen. Weitere Symptome:
ausgeprägte Angstsymptome, depressive Stimmungen, impulsives und
antisoziales Verhalten, Suiziddrohungen und -versuche sowie
Eheschwierigkeiten. Häufig auch Major Depression,
Panikstörungen oder Störungen in Zusammenhang mit Pychotropen
Substanzen, Histrionische, Antisoziale und Borderline
Persönlichkeitsstörungen.
Besondere kulturelle und Geschlechtsmerkmale:
In Afrika und Südasien häufiger pseudoneurologische Symptome,
wie Brennen in den Händen, Würmer im Kopf oder Krabbeln von
Ameisen unter der Haut. Bei Männern in den USA nur selten, eine
höhere Häufigkeit ist bei griechischen und puertoricanischen
Männern zu beobachten.
Prävalenz: Bei Frauen zwischen 0,2-2%, bei Männern unter 0,2 %.
Verlauf:
Die Somatisierungsstörung remittiert selten vollständig. Die
diagnostischen Kriterien werden typischerweise bis zum 25. Lebensjahr
erreicht, die ersten Symptome
können jedoch schon während der Adoleszenz vorhanden
sein, bei Frauen können Menstruationsprobleme auftreten. Oftmals
besteht eine Beziehung zwischen sexuellen Symptomen und
ehelicher Unzufriedenheit.
Familiäres Verteilungsmuster:
10-20 % der weiblichen biologischen Verwandten 1. Grades von erkrankten
Frauen weisen ebenfalls eine Somatisierungsstörung auf.
Männliche Verwandte: zeigen eine erhöhte Risikobereitschaft
für die Antisoziale Persönlichkeitsstörung
und für Störungen im Zusammenhang mit Psychotropen
Substanzen. Kinder aus betroffenen Adoptivfamilien sind ebenso
häufiger betroffen.
Differentialdiagnose:
Es gibt drei Merkmale, die eher die Diagnose einer
Somatisierungsstörung nahelegen als die eines
medizinischen Krankheitsfaktors:
2.2 Undifferenzierte Somatoforme Störung 300.81
(F45.1)
Ähnlich der Somatoformen Störung
Diagnostische
Kriterien:
A: ein oder mehrere körperliche Beschwerden
B: Symptome nicht vollständig durch einen medizinisch bekannten Krankheitsfaktor erklärbar
C: Symptome verursachen Beeinträchtigung in wichtigen Funktionsbereichen
D: Symptome dauern sechs Monate oder länger
E: Diagnose wird nicht gestellt, wenn Symptome besser
durch andere psychische Störung erklärt werden können
F: Symptome nicht absichtlich erzeugt oder vorgetäuscht
Differentialdiagnose:
Es gelten die gleichen Kriterien für die Abgrenzung zu anderen
Krankheitsbildern wie bei der Somatoformen Störung. Bestehen die
körperlichen Beschwerden weniger als sechs Monate, sollte die
Diagnose der Nicht Näher Bezeichneten Somatoformen Störung
gestellt werden.
2.3 Konversionsstörung 300.11 (F44.xx)
Konversionssymptome betreffen die willkürlichen motorischen oder
sensorischen Funktionen.
Aufgrund der dargebotenen Symptome oder Defizite werden folgende Subtypen
beschrieben:
Diagnostische Kriterien:
A: Ein oder mehrere Symptome oder Ausfälle, die einen Kranheitsfaktor nahe legen
B: Annahme eines Zusammenhangs zwischen psychischen Faktoren oder
Ausfall, Konflikte/Belastungsfaktoren gehen Beginn oder Exazerbation
voraus
C: nicht absichtlich erzeugt oder vorgetäuscht.
D: durch med. Kh.-Faktor oder Substanzwirkung oder kulturelle Verhaltensform nicht (vollständig) erklärbar
E: Symptom oder Anfall verursacht in klinisch bedeutsamer Weise Leiden
oder Beeinträchtigung in sozialen, beruflichen oder anderen
wichtigen Funktionen.
F: Symptom ist nicht auf Schmerz o. sexuelle Funktionsstörung
begrenzt, tritt nicht ausschließlich im Verlauf einer
Somatisierungsstörung auf u. kann nicht besser durch eine andere
psychische Störung erklärt werden.
Prävalenz:
Die Angaben schwanken sehr stark und liegen zwischen 11/100.000 und
300/100.000.
Verlauf:
Beginn üblicherweise zwischen der späten Kindheit und dem
frühen Erwachsenenalter, bei akuter
Symptomatik von nur kurzer Dauer. Bei stationärer Behandlung
Remission innerhalb von zwei Wochen. Häufiges Wiederauftreten, bei
einem Fünftel bis Viertel der Betroffenen innerhalb eines
Jahres.
Familiäres Verteilungsmuster:
Erhöhtes Risiko bei Verwandten von Konversionsstörungen.
Differentialdiagnose:
Ausschluß verborgener neurologischer oder anderer medizinischer
Krankheitsfaktoren sowie substanz- einschließlich medikamenten-
induzierter Ätiologien. Abgrenzung zur Schmerzstörung,
Hypochondrie, Körperdysmorpher Störung, Sexueller
Funktionsstörung, Somatisierungsstörung, anderer
Psychischer-, Psychotischer- oder Affektiver Störungen. Die
Zuordnung von Halluzinationen zur Konversionsstörung ist
umstritten, da hier Krankheitseinsicht vorhanden und häufig mehr
als eine Sinnesmodalität betroffen (z.B. optische und akustische
Halluzinationen) ist.
2.4 Schmerzstörung
Diagnostische Kriterien:307.80 (F 45.4) Schmerzstörung in Verbindung mit
Psychischen Faktoren.
Bestimme ob: Akut: Dauer weniger als sechs Monate; chronisch: Dauer
sechs Monate oder länger
307.89 (F45.4) Schmerzstörung in Verbindung mit sowohl
Psychischen Faktoren wie einem Medizinischen Krankheitsfaktor
Bestimme ob: Akut: s.o., oder chronisch:
s.o.
Zugehörige Merkmale und Störungen:
Abhängigkeit von Opiaten und Benzodiazepinen, Depressionen bei
chronische Schmerzen, akute Zustände
stehen häufig mit Angststörungen in Verbindung.
Störungen des Bewegungsapparates, Neuropathien und Malignome sind
häufige Krankheitsfaktoren. Die Behandlung der Schmerzen
kann zu zusätzlichen Problemen und Schmerzen (z.B.
gastrointestinale Beschwerden) führen.
Kulturelle, Alters- und Geschlechtsmerkmale
Unterschiede bestehen in der Reaktion auf einen schmerzhaften Reiz und
wie dieser ausgedrückt wird. Die Schmerzstörung kann in jedem
Alter auftreten, bei Frauen sind häufiger Kopf- und
Bewegungsapparatschmerzen als bei Männern zu beobachten.
Prävalenz und familiäres Verteilungsmuster:
Relativ häufig, 10-15% der Erwachsenen sind alleine wegen
Rückenschmerzen in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt.
Verwandte 1. Grades sind bzgl. chronischer Schmerzen häufiger
betroffen.
Verlauf:
Akute Schmerzen remittieren nach relativ
kurzer Zeit. Chronisch erkrankte Patienten kommen erst nach
vielen Jahren erfolgloser Behandlungen in psychiatrische Einrichtungen.
Die Aufrechterhaltung planmäßiger Aktivitäten spielt
bei der Gesundung eine große Rolle.
Differentialdiagnose:
Schmerzstörung in Verbindung mit Medizinischen Krankheitsfaktoren.
Der diagnostische Code wird aufgrund des zugrundeliegenden
medizinischen Krankheitsfaktors oder auf Grund der anatomischen
Lokalisation der Schmerzen ausgewählt. Beispiel: Lumbago (724.2)
Weitere Kennzeichen:
- ausführliche Schilderung körperlicher Anamnese
- häufige Arztbesuche ("doctor-shopping") und Verschlechterung der
Arzt-Patient-Beziehung
- soziale Beziehungen werden belastet
- Beeinträchtigung der Leistung am Arbeitsplatz
- ernsthafte Erkrankungen in der Kindheit oder Tod naher Personen
können Auslöser sein
Prävalenz: in Allgemeinpraxen ca. 4 - 9 %
Verlauf: Beginn: meist frühes Erwachsenenalter; Verlauf gewöhnlich chronisch, jedoch kommt es manchmal zur vollständigen Remission;
Differentialdiagnose:
- medizinischer Krankheitsfaktor
- körperliche Symptome bei Kindern
- Gesundheitssorgen im hohen Alter
- Abgrenzen zu Körperdysmorphe Störung oder Spezifische
(Krankheits-) Phobie
2.6 Körperdysmorphe Störung (300.7; F45.2)
Sie ist gekennzeichnet durch die übermäßige
Beschäftigung mit einem eingebildeten oder überbewerteten
Mangel oder einer Entstellung des körperlichen Aussehens.
Diagnostische Kriterien:
A: Es besteht eine übermäßige Beschäftigung
mit einem eingebildeten Mangel oder einer Entstellung in der
äußeren Erscheinung. Bei einer eventuell vorhandenen
leichten körperlichen Anomalie ist die Besorgnis stark
übertrieben.
B: Die übermäßige Beschäftigung verursacht in
klinisch bedeutsamer Weise Leidenszustände oder
Beeinträchtigungen in sozialen, beruflichen oder anderen wichtigen
Funktionsbereichen.
C: Die übermäßige Beschäftigung wird nicht
durch eine andere psychische Störung (z.B. Unzufriedenheit mit dem
Körper bei Anorexia Nervosa) besser erklärt.
Zugehörige Merkmale und Störungen
- Überprüfung der "Entstellung" im Spiegel bei bestimmter
Beleuchtung und durch Vergrößerungsgläser
- oder Vermeiden von Spiegeln
- beruhigende Rückversicherung Dritter
- "Schönheitsfehler" überdecken
- Vermeidung gewohnten Aktivitäten => soziale Isolation
- wiederholte Krankenhausaufenthalte, suizidale Gedanken
Prävalenz: kommt häufiger vor als früher angenommen, konkrete Zahlen fehlen;
Verlauf:
Beginnt im frühen Erwachsenenalter,
doch erst später diagnostiziert; Beginn graduell oder
abrupt; oft kontinuierlicher Verlauf mit wenig symptomfreien
Intervallen;
Differentialdiagnose
Nicht diagnostizieren, wenn
- übermäßiges Beschäftigen besser durch eine
andere psychische Störung erklärt werden kann
- bei Anorexia Nervosa bei Sorgen um "Dicksein"
- Störungen der Geschlechtsidentität
- während einer Episode einer Major
Depression
2.7 Nicht näher bezeichnete somatoforme Störung
(300.81; F45.9)
Hier werden Störungen mit Somatoformen Symptomen
zusammengefasst, die nicht die Kriterien für eine spezifische
Somatoforme Störung erfüllen, z. B. Scheinschwangerschaft.
3. Erklärungsansätze und Therapie Somatoformer
Störungen
3.1 Erklärungsansätze
a) Genetischer Aspekt
Stabiles Persönlichkeitsmerkmal, körperliche Sensationen
verstärkt zu beachten u. fehlzuinterpretieren
3.2 Dimensionale Diagnoseverfahren
zur (allgemeinen) Symptombelastung und Veränderungsmessung liegen vor als Selbstbeurteilungsverfahren, z.B.
3.3 Therapie
Therapeutische Ansätze gründen auf Befunde zur Entstehung und Aufrechterhaltung der Störung.
Somatoforme Störungen: psychotherapeutischen Ansatz, z.B. stationäre verhaltensmedizinische Behandlung, Chronifizierungsprozesse verhindern.
Hypochondrie: kognitive Verhaltenstherapie, wo irrationale Annahmen der Patienten erarbeitet werden, verbunden mit Verhaltensexperimenten und Stressmanagement, das auf die Bewältigung von möglichen Auslösesituationen abzielt, Gruppentherapeutischer Ansatz, Familientherapie.
Konversionsstörungen: Bearbeitung traumatischer Vorerfahrungen, Interventionsansätze, die für die Posttraumatische Belastungsstörung von Relevanz sind.
Medikamentöse Behandlung:
Vorgetäuschte Störungen
1. Diagnostische Kriterien:
A: absichtliches Erzeugen oder Vortäuschen körperlicher oder
psychischer Symptome
B: Motivation für Verhalten liegt in Einnahme der Krankenrolle (=
psychisches Bedürfnis)
C: es gibt keine äußeren Anreize für Verhalten (meist
offensichtlich) wie:
- ökonomischer Nutzen
- Vermeidung von legaler Verantwortung
- Verbesserung des körperlichen Wohlbefindens
Hierin liegt der Unterschied zur Simulation!!! Vorgetäuschte
Störungen beinhalten immer psychopathologische Erscheinungen.
Im Unterschied dazu kann die Simulation als Anpassung gesehen werden!!!
2. Prinzipielle geäußerte/ beobachtbare Symptome und
Differentialdiagnose als Kombination der aufgezeigten Einzelsymptome:
Vier verschiedene Möglichkeiten grundsätzlich:
ganz erfunden
selbst erzeugt und real vorhanden
Übertreibung oder Verschlimmerung eines bestehenden medizinischen
KHF (Krankheitsfaktors)
Kombination oder Variation der 3 vorher genannten Symptome
- Vortrag der Krankengeschichte mit großem dramatischen
Geschick
- befragt nach Einzelheiten geben Patienten nur vage und unbestimmte
Äußerungen von sich
- pathologische Lügen (Pseudologia phantastica)
- häufig haben diese Patienten ausgezeichnete Kenntnisse bzgl.
medizinischer Termini und Klinikroutinen
- häufiges Klagen über Schmerzen und Forderung nach
Analgetika
- Unterstützung der Symptomerzeugung evtl. durch Einnahmen von:
Stimulantien -> Ruhe- und Schlaflosigkeit
Halluzinogenen -> veränderter Wahrnehmungszustand
Analgetika -> Euphorie
Hypnotika -> Lethargie
- bei Klinikaufenthalt oft destruktives Verhalten auf der Station
(Diskussion/ Regelverstöße)
- z.T. Verhaltensweisen nur, wenn sich Patient beobachtet fühlt
- näherungsweise richtiges Fragenbeantworten (z.B. 8x8=65)
- wechselhafter klinischer Verlauf mit Komplikationen/ neuen
pathologischen Erscheinungen)
- konsequent vielfältige invasive Untersuchungen/ Operationen;
hier mögliches auffälliges Indiz: "Grillrost-Unterbauch"!!!
Ziel der Patienten:
- intensive Behandlung und damit Aufmerksamkeit zu erhalten
- wenn keine Änderung der Hauptbeschwerden erfolgt, werden weitere
Symptome erzeugt; hier gute Überführungsmöglichkeit!
Verhalten der Patienten bei Konfrontation mit
"Vortäuschungs-Vermutung":
- extreme Abwehr und fluchtartiges Verlassen der Klinik (auch gegen
ärztlichen Rat)
- meist kurze Zeit später Einweisung in die nächste Klinik
- dies führt oft zu iatrogen verursachten KHF hier gute
Diagnosemöglichkeit!!! ("Münchhausen-Syndrom")
Auffälligkeiten im sozialen Kontext:
- Verhinderung stabiler Arbeitssituationen
- Verhinderung stabiler familiärer Bindungen und Beziehungen
mögliche prädisponierende Faktoren:
- psychische Störung/ medizinischer
KHF in Kindheit/ Adoleszenz, die zu intensiven Behandlungen/
Klinikaufenthalten führten
- Groll gegen Mediziner oder sehr wichtige Beziehung zu einem/r
Arzt/Ärztin in der Vergangenheit
- Beschäftigung im medizinischen Bereich
- Vorliegen einer Persönlichkeitsstörung
3. Subtypen:
300.16 (F 68.1) Vorgetäuschte Störung mit vorwiegend
psychischen Zeichen und Symptomen
- Vortäuschung psychischer/ psychotischer Störungen
- Ziel: Einnehmen der Krankenrolle
- häufig keine Übereinstimmung
mit typischem Syndrom der entsprechenden Krankheit
- ungewöhnlicher Verlauf
- unübliches Ansprechen auf Behandlung oder Verschlechterung der
Symptomatik (wenn Person sich beobachtet fühlt)
- "Symptomdarbietung" erfolgt entsprechend der Vorstellung des
Betroffenen von psychischen Störungen (d.h., sie muss nicht
mit der diagnostischen Kategorie übereinstimmen)
- Verhalten des Patienten kann wie folgt
gekennzeichnet sein:
äußerst suggestibel
Bestätigung vieler Sympome
negativistisch unkooperativ; Beispiele: Angabe von Depressionen/
suizidalen Gedanken nach angeblichem Tod des Ehepartners (Befragung von
Familienmitgliedern bestätigen die Aussage über Tod nicht)
Amnesie bzgl. zurückliegender Ereignisse
Halluzinationen dissoziative Symptome
300.19 (F 68.1) Vorgetäuschte Störung mit vorwiegend
körperlichen Zeichen und Symptomen
Symptome entsprechen scheinbarem medizinischen KHF
mögliche Substanzabhängigkeit aufgrund Sedativa/ Analgetika
"Münchhausen-Syndrom" (Kliniktourismus)
häufige klinische Bilder:
- heftige Schmerzen im rechten unteren Quadranten des Bauches mit
Erbrechen und Übelkeit
- Benommenheit und Ohnmacht
- massive Hämoptyse
- generalisierte Hautausschläge und
Abszesse
- Fieber unbestimmter Genese
- Blutungen nach Einnahme von Antikoagulantien und "lupusähnliche"
Syndrome
- prinzipiell alle Organsysteme für
"Symptomauswahl" möglich (entsprechend den medizinischen
Kenntnissen/ Vorstellungskraft und Spitzfindigkeit des Betroffenen)
300.19 (F 68.1) Vorgetäuschte Störung mit sowohl psychischen wie körperlichen Zeichen und Symptomen
Symptome beider o.g. Diagnosen treten gemischt auf
4. Prävalenz:
einerseits sehr selten diagnostiziert (evtl. nicht erkannt)
andererseits als chronische Form überschätzt (häufige
Arztbesuche/ in wechselnden Kliniken unter
jeweils anderem Namen)
Vermutung, dass mehr Männer als Frauen betroffen sind
Literatur:
ICD-10 Fallbuch Psychiatrie, 1993, Verlag Hans Huber, Bern
Diagnostische Kriterien und Differentialdiagnosen des Diagnostischen
und Statistischen Manuals Psychischer Störungen DSM-III-R, 1989,
Beltz-Verlag, Weinheim
Diagnostisches und Statistisches Manual DSM-IV, 1991, Hogrefe,
Göttingen
Dissoziative Störungen
Wortbetrachtung:
Dissoziation (lat. dissociare = verunreinigen, trennen): Zerteilung,
Trennung, Auflösung
z.B. das Zerfallen von assoziativen Vorstellungsverbindungen unter
dem Einfluss neuer Eindrücke
Hauptmerkmale der Dissoziativen Störungen sind Funktionsunterbrechungen in den Bereichen:
Diagnostische Merkmale:
lokalisierte Amnesie:
Ein umschriebener Zeitabschnitt nach einem traumatischen Ereignis
(meist die ersten Stunden danach) wird nicht erinnert.
selektive Amnesie:
Einige, aber nicht alle Ereignisse in einem umschriebenen Zeitabschnitt
werden erinnert.
generalisierte Amnesie:
Die Amnesie erstreckt sich auf das gesamte Leben
kontinuierliche Amnesie:
Fehlende Erinnerung von einem bestimmten
Zeitpunkt bis in die Gegenwart zeichnet diese Form aus.
systematisierte Amnesie:
Dies bedeutet einen Verlust von bestimmten Kategorien von
Informationen, z.B. über eine Person.
Die letzten drei Formen deuten auf eine umfassendere dissoziative Störung, z.B. der Dissoziativen Identitätsstörung hin.
Zusatzinfos:
Alle Altersklassen, aber bei Kindern schwer diagnostizierbar, da
Erinnerung vor dem fünften Lebensjahr sowieso schwer ist.
Im Rahmen des spätentdeckten Kindesmissbrauchs heiß
diskutiert: Verdrängte Kindheitserinnerungen versus Syndrom der
falschen Erinnerung.
Prävalenz: Vermehrte Diagnosen werden kontrovers diskutiert: höhere Identifikationsmöglichkeiten versus überdiagnostiziert bei Personen mit hoher Suggestibilität.
Abzugrenzen von:
Amnestische Störung aufgrund eines Medizinischen
Krankheitsfaktors:
z.B. Schädeltrauma oder Epilepsie (Vorgeschichte,
Laboruntersuchung, körperliche Untersuchung)
Amnestische Störung aufgrund einer Hirnverletzung:
(häufig retrograd, umfasst Zeitabschnitt vor Trauma), falls
nicht eindeutig: Hypnose
Anfallsleiden:
(Gedächtnisstörung setzt plötzlich ein, motorische
Auffälligkeiten, EEG)
Delir, Demenz:
(Gedächtnisverlust geht weit über die autobiographischen
Informationen hinaus und betrifft auch die kognitiven Fähigkeiten
im allgemeinen)
Persistierende Substanzinduzierte Amnestische Störung:
(Kurzzeitgedächtnis gestört)
Substanzintoxikation:
(Amnesie gewöhnlich nicht reversibel, Zusammenhang mit Drogen)
Posttraumatische Belastungsstörung, Akute
Belastungsstörung, Somatisierungsstörung:
(Amnesie, die ausschließlich im Verlauf dieser Störungen
auftritt, führt nicht zur Diagnose Dissoziative Amnesie)
Simulation:
(schwer feststellbar, Hypnotisierbarkeit, dissoziative
Fähigkeiten, potentieller sekundärer Gewinn, bei rechtlichen
oder finanziellen Problemen)
Altersbedingter Kognitiver Abbau
Nicht pathologische Formen der Amnesie
Dissoziative Fugue:
Diagnostische Merkmale:
Weggehen variiert: kurze Zeiträume (Stunden/Tage) oder lange
Perioden (Wochen/Monaten) bzw. unauffällige Wanderungen oder
Überschreitung nationaler Grenzen, manchmal Tausende von
Kilometern.
In der Regel während einer Fugue psychopathologisch
unauffällig, nur Amnesie bzw. Mangel an Bewusstheit für
die eigene Identität ist auffällig. Meist keine Herausbildung
einer neuen Identität. Wenn dann meist gesellig und gut
integriert, was Störung nicht vermuten ließe. Meist bei
Erwachsenen. Prävalenzrate: 0,2% (in
Kriegszeiten oder bei Naturkatastrophen höher).
Fugue endet meist abrupt. Teilweise kommt die Erinnerung spontan
zurück, manchmal wird Hilfestellung benötigt. Interessant
ist, dass viele Betroffene den Zeitraum der Fugue vergessen, wenn
sie sich wieder an die Erlebnisse erinnern.
Abzugrenzen von:
direkte körperliche Folgeerscheinung eines bestimmten
medizinischen Krankheitsfaktors:
(siehe Dissoziative Amnesie)
Anfallsleiden:
(siehe Dissoziative Amnesie)
direkte körperliche Wirkung einer Substanz:
(siehe Dissoziative Amnesie)
Umherwandern im Rahmen einer manischen Episode:
(Größenideen, andere manische
Symptome, erregen durch unangemessenes Verhalten Aufmerksamkeit,
keine wechselnde Identität)
Schizophrenie:
(Wahn, Negativsymptomatik)
Simulation:
(Gewinn)
(vormals Multiple Persönlichkeitsstörung)
Diagnostische Kriterien:
Die Dissoziative Identitätsstörung ist abzugrenzen von:
Diagnostische Kriterien:
Die Depersonalisationsstörung ist abzugrenzen von:
In diese Kategorie fallen Störungen, die zwar durch ein dissoziatives Symptom gekennzeichnet sind, jedoch nicht die Kriterien für eine spezifische dissoziative Störung erfüllen.
Beispiele:
Erklärungen für dissoziative Störungen:
Saß, Wittchen, Zaudig, Diagnostisches & Statistisches
Manual Psychischer Störungen DSM-IV
R.J. Comer, Klinische Psychologie, Heidelberg, Berlin, Oxford, 1995
Spitzer, Gibbon, Skodol, Williams, First, DSM-III-R Falldarstellungen,
Weinheim und Basel, 1991
Sexuelle und
Geschlechtsidentitätsstörungen
Sexuelle Funktionsstörungen
Störung im Ablauf des sexuellen Reaktionszyklus oder Schmerzen im Zusammenhang mit Geschlechtsverkehr.
Phasen des sexuellen Reaktionszyklus: Appetenz - Erregung - Orgasmus - Entspannung
Störung der verminderten Appetenz (302.71)
Kriterium A
Anhaltender oder wiederkehrender Mangel an (oder Fehlen von) sexuellen Phantasien und des Verlangens nach sexueller Aktivität. Der Untersucher beurteilt den Mangel oder das Fehlen unter Berücksichtigung von Faktoren, die die sexuelle Funktionsfähigkeit beeinflussen, wie Lebensalter und Lebensumstände der Person.
Zugehörige Merkmale und Störungen
Geringes sexuelles Interesse ist häufig verbunden mit Schwierigkeiten der sexuellen Erregung und des Orgasmus. Mögliche medizinische Krankheitsfaktoren sind Schwäche, Schwierigkeiten mit der eigenen Körperlichkeit, Schmerzen, depressive Störungen.
Verlauf
Die lebenslange Form beginnt in der Pubertät. Häufiger sind Störungen im Erwachsenenalter nach psychischen Leiden, kritischen Lebensereignissen oder zwischenmenschlichen Schwierigkeiten.
Störung mit sexueller Aversion (302.79)
Kriterium A
Anhaltende oder wiederkehrende extreme Aversion gegenüber und Vermeidung von jeglichem (oder fast jeglichem) genitalen Kontakt mit einem Sexualpartner.
Zugehörige Merkmale und Störungen
Wenn Personen mit sexuellen Situationen konfrontiert werden, sind Panikattacken mit extremer Angst, Gefühlen des Schreckens, der Ohnmacht, Übelkeit, Herzklopfen, Schwindel und Atembeschwerden möglich. Deswegen werden sexuelle Situationen oft vermieden.
Störung der sexuellen Erregung bei der Frau (302.72)
Kriterium A
Anhaltende oder wiederkehrende Unfähigkeit, Lubrikation und Anschwellung der äußeren Genitale als Zeichen genitaler Erregung zu erlangen oder bis zur Beendigung der sexuellen Aktivität aufrecht zu erhalten.
Zugehörige Merkmale und Störungen
Die Störung der sexuellen Erregung bei der Frau ist häufig begleitet von Störungen der sexuellen Appetenz und weiblicher Orgasmusstörung. Sie kann zu geringem oder gar keinem subjektiven Empfinden von sexueller Erregung führen.
Differentialdiagnose
Tritt auf bei Reduktion des Östrogenspiegels in der Menopause oder Postmenopause, bei Strahlentherapie im Becken etc.
Erektionsstörung beim Mann (302.72)
Kriterium A
Anhaltende oder wiederkehrende Unfähigkeit, eine adäquate Erektion zu erlangen oder bis zur Beendigung der sexuellen Aktivität aufrecht zu erhalten.
Zugehörige Merkmale und Störungen
Ursachen sind sexuelle Angst, Versagensangst, Sorgen hinsichtlich der sexuellen Interaktion etc. Oft sind Scheitern von ehelichen oder sexuellen Beziehungen oder Nicht-Vollzug der Ehe die Auswirkungen.
Verlauf
Das Alter variiert deutlich beim Beginn der Störung. Er ist auch abhängig vom Partnertyp oder der Intensität oder der Qualität der Beziehung.
Differentialdiagnose
Bei Multipler Sklerose, Nierenversagen, peripheren Gefäßerkrankungen, Rückenmarksverletzungen etc. als vorliegende Krankheitsfaktoren. Substanzinduzierte sexuelle Funktionsstörung z.B. durch Antidepressiva, Neuroleptika, Drogen etc. Ältere Männer benötigen möglicherweise stärkere Stimulierung und mehr Zeit zur Erektion; dabei spricht man aber nicht von einer Erektionsstörung.
Weibliche Orgasmusstörung (302.73)
Kriterium A
Eine anhaltende oder wiederkehrende Verzögerung oder ein Fehlen des Orgasmus nach einer normalen sexuellen Erregungsphase. Frauen zeigen eine große Variabilität hinsichtlich Art oder Intensität der Stimulation, die zum Orgasmus führt.
Zugehörige Merkmale und Störungen
Chronische medizinische Krankheitsfaktoren wie Diabetes oder Krebserkrankungen im Beckenraum beeinträchtigen die Erregungsphase, aber die Orgasmusfähigkeit bleibt relativ intakt. Die Orgasmusfähigkeit korreliert nicht mit der Scheidengröße oder der Stärke der Beckenmuskulatur.
Verlauf
Die Orgasmusfähigkeit steigt mit dem Alter. Deshalb sind auch Störungen häufiger bei jungen Frauen zu beobachten, meistens lebenslange Störungen, z.B. erworben durch Vergewaltigung.
Männliche Orgasmusstörung ( 302.74)
Kriterium A
Hauptmerkmal: anhaltende oder wiederkehrende Verzögerung oder das Fehlen des Orgasmus nach normaler sexueller Erregungsphase. Bei der Einschätzung, ob der Orgasmus verzögert auftritt, wird das Alter; die Intensität, die Dauer und die Art der sexuellen Stimulierung berücksichtigt.
Differentialdiagnose:
Unterscheidung von Sexuellen Funktionsstörungen aufgrund eines medizinischen Krankheitsfaktors
Ejaculatio Praecox 302.75
Kriterium A
Anhaltendes oder wiederkehrendes Auftreten einer Ejakulation bei minimaler sexueller Stimulation vor, bei oder kurz nach der Penetration und bevor die Person es wünscht.
Häufigkeit: 10-38% (!);
Die Zahlenangaben schwanken, da auch die Definition des Problems schwankt, d. h. wie kurz darf es denn dauern, um überhaupt von Ejaculatio Praecox sprechen zu können.
Betrachtet man die tatsächliche Dauer des Verkehrs, so stellte der Kinsey-Report fest, dass bei vielleicht drei Vierteln aller Männer der Orgasmus innerhalb von zwei Minuten erreicht ist (Kinsey et al. 1948, S. 580).
Die Studie von Morton Hunt im Jahre 1974 jedoch ergab, dass sich in den vergangenen 26 Jahren die Dauer des Verkehrs "dramatisch" auf 10 - 14 Minuten gesteigert hatte.
Hauptsächlich betroffen: Männer unter 30 Jahre
Therapie: fast 100%iger Erfolg durch direktes, verhaltenstherapeutisches Training der Kontrollfähigkeit über die Ejakulation.
Dyspareunie (302.76)
Kriterium A
Wiederkehrende oder anhaltende genitale Schmerzen in Verbindung mit dem Geschlechtsverkehr, entweder bei Mann oder Frau
Therapie: Es gibt keine spezifische Therapie, da diese Störung im Grunde mangelnde Erregung ist.
Daher: Allgemeine sexualtherapeutische Verfahren und spezifische Techniken zur Förderung von Erregung und Orgasmus bei der Frau.
Vaginismus ( 302.76)
Kriterium A
Wiederkehrende oder anhaltende unwillkürliche Spasmen der Muskulatur im äußerenDrittel der Vagina. Therapie: Übungen mit Anspannen und Lockern der Beckenbodenmuskulatur, bis die Vaginalmuskeln willentlich kontrolliert werden können.
Überwindung der Angst vor der Penetration durch Einführen eines Sortiments immer dickerer Dilatatoren
Sexuelle Funktionsstörung aufgrund eines medizinischen Krankheitsfaktors
Kriterium A
Klinisch bedeutsame sexuelle Funktionsstörung, die zu deutlichem Leiden oder zwischenmenschlichen Schwierigkeiten führt.
Substanzinduzierte Sexuelle Funktionsstörung
Kriterium A
Klinisch bedeutsame sexuelle Funktionsstörung, die zu deutlichem Leiden oder zwischenmenschlichen Schwierigkeiten führt
Achtung:
Diese Diagnose nur dann anstelle der Diagnose einer Substanzinduzierten Störung stellen, wenn die sexuelle Funktionsstörung deutlich über diejenigen Symptome hinausgeht, die üblicherweise mit dem Intoxikationssyndrom verbunden sind und wenn die Funktionsstörung schwer genug ist, um für sich allein genommen klinische Betrachtung zu rechtfertigen.
Nicht näher bezeichnete sexuelle Funktionsstörung ( 302.70)
Störungen, die nicht die Kriterien für Spezifische Funktionsstörungen erfüllen; z. B.
Paraphilien
Verhaltensweisen, die von der Form der von einer bestimmten Gesellschaft als normal angesehenen sexuellen Beziehung oder Betätigung abweichen (Def. lt. Duden)
Diagnostische Merkmale
Die Hauptmerkmale einer Paraphilie sind wiederkehrende intensive sexuell erregende Phantasien, sexuell dranghafte Bedürfnisse oder Verhaltensweisen, die sich in allgemeinen auf
1. nichtmenschliche Objekte,
2. das Leiden oder die
Demütigung von sich selbst oder seines Partners oder
3. Kinder oder andere nicht
einwilligende oder nicht einwilligungsfähige Personen beziehen
und die über einen Zeitraum von mindestens 6 Monaten auftreten (Kriterium A).
Das Verhalten, die sexuell dranghaften Bedürfnisse oder Phantasien führen in klinisch bedeutsamer Weise zu Leiden oder Beeinträchtigung in sozialen, beruflichen oder anderen wichtigen Funktionsbereichen (Kriterium B).
Paraphile Vorstellungen können mit einem nicht einwilligenden oder nicht einwilligungsfähigen Partner in einer Weise ausagiert werden, die diesen schädigen können.
Codierungsregeln
Die jeweiligen Paraphilien werden nach dem jeweils charakteristischen paraphilen Hauptinteresse differenziert.
Sofern allerdings die sexuellen
Neigungen einer Person die diagnostischen Kriterien für mehr als
eine Paraphilie erfüllen, sollten alle diagnostiziert werden.
302.4 (F65.2) Exhibitionismus
A: Ober einen Zeitraum von mindestens 6 Monaten wiederkehrende intensive sexuell erregende Phantasien, sexuell dranghafte Bedürfnisse oder Verhaltensweisen, die das ZurSchau-Stellen der eigenen Genitalien gegenüber einem nichtsahnenden Fremden beinhalten.
B: dto = Kriterium B der Einleitung
302.81 (F65.0) Fetischismus
A: Ober einen Zeitraum von mindestens 6 Monaten wiederkehrende intensive sexuell erregende Phantasien, sexuell dranghafte Bedürfnisse oder Verhaltensweisen, die den Gebrauch von unbelebten Objekten (z.B. weibliche Unterwäsche) beinhalten.
B: dto
C: Die fetischistischen Objekte beschränken sich nicht auf Teile der weiblichen Kleidung, die zum Tragen der Kleidung des anderen Geschlechts verwendet werden (wie beim Transvestitischen Fetischismus) oder auf Geräte, die zum Zwecke der genitalen Stimulation hergestellt wurden (z.B. ein Vibrator).
302.89 (F65.8) Frotteurismus
A: Ober einen Zeitraum von mindestens 6 Monaten wiederkehrende intensive sexuell erregende Phantasien, sexuell dranghafte Bedürfnisse oder Verhaltensweisen, die das Berühren und Sich-Reiben an einer nicht einwilligenden Person beinhalten.
B: dto
302.2 (F65.4) Pädophilie
A: Ober einen Zeitraum von mindestens 6 Monaten wiederkehrende intensive sexuell erregende Phantasien, sexuell dranghafte Bedürfnisse oder Verhaltensweisen, die sexuelle Handlungen mit einem präpubertären Kind oder Kindern (in der Regel 13 Jahre und jünger) beinhalten.
B: dto
C: Die Person ist mindestens 5 Jahre älter als das Kind oder die Kinder nach Kriterium A.
Bestimme, ob: - Beschränkt auf Inzest
Bestimme den Typus: - Ausschliesslicher Typus (nur auf Kinder orientiert)
- Nicht Ausschliesslicher Typus
302.84 (F65.5) Sexueller Sadismus
A: Ober einen Zeitraum von mindestens 6 Monaten wiederkehrende intensive sexuell erregende Phantasien, sexuell dranghafte Bedürfnisse oder Verhaltensweisen, weiche (reale, nicht simulierte) Handlungen beinhalten, in denen das psychische oder physische Leiden (einschl. Demütigung) des Opfers für die Person sexuell erregend ist.
B: dto
302.3 (F65.1) Transvestitischer Fetischismus
A: Über einen Zeitraum von mindestens 6 Monaten wiederkehrende intensive sexuell erregende Phantasien, sexuell dranghafte Bedürfnisse oder Verhaltensweisen, welche das Tragen der Kleidung des anderen Geschlechts beinhalten.
B: dto
Bestimme, ob: - Mit Geschlechtsdysphorie
302.82(F65.3) Voyeurismus
A: Ober einen Zeitraum von mindestens 6 Monaten wiederkehrende intensive sexuell erregende Phantasien, sexuell dranghafte Bedürfnisse oder Verhaltensweisen, welche die Beobachtung einer nichtsahnenden Person, die nackt ist, sich gerade entkleidet oder sexuelle Handlungen ausführt, beinhalten.
B: dto
Geschlechtsidentitätsstörungen
Diagnostische Merkmale
A: Ein starkes und andauerndes Zugehörigkeitsgefühl zum anderen Geschlecht (d.h. nicht lediglich das Verlangen nach irgendwelchen kulturellen Vorteilen, die als mit der Zugehörigkeit zum anderen Geschlecht verbunden werden).
B: Anhaltendes Unbehagen im Geburtsgeschlecht oder Gefühl der Person, dass die Geschlechtsrolle des eigenen Geschlechts für sie nicht die richtige ist.
C: Das Störungsbild ist nicht von einem somatischen Intersex - Syndrom begleitet.
D: Das Störungsbild verursacht in klinisch bedeutsamer Weise Leiden oder Beeinträchtigungen in sozialen, beruflichen oder anderen wichtigen Funktionsbereichen.
Codierungsregeln basierend auf dem aktuellen Alter:
302.6 (F64.2) Geschlechtsidentitätsstörungen bei Kindern
302.85 (F64.0) Geschlechtsidentitätsstörungen bei Jugendlichen oder Erwachsenen
302.6 (F64.9) Nicht Näher Bezeichnete Geschlechtsidentitätsstörung
302.9 (F52.9) Nicht Näher Bezeichnete Sexuelle Störung
Literaturverzeichnis
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Lehrbuch der klinischen Psychologie. Göttingen: Hogrefe.
Saß H./ Wittchen H.U./ Zaudig
M./ Houben 1. (Dt.Bearb.).(1998). DSM-IV. Göttingen: Hogrefe.
Bettina Böhm, Sonja Einödshofer,
Heidemarie Schaer
Essstörungen
Essen und Trinken als wesentliche Determinanten für die
Aufrechterhaltung aller Lebensfunktionen beherrschen einen großen
Teil unserer täglichen Aktivitäten. “Normales
Essverhalten” lässt sich dennoch nur schwer
charakterisieren. Versteht man Normalität im statistisch
deskriptiven Sinne - normal ist, was die Mehrheit tut - so können
die normalen Essgewohnheiten bestimmter Gruppen Verhaltensweisen
mit einschließen, die nach physiologischen Standards unangemessen
sind.
ANOREXIA NERVOSA 307.1 (ICD 10: F50.00; F50.01) - Magersucht
Anorexie bedeutet eigentlich Appetitmangel, was im Fall dieser Störungsbezeichnung falsch ist, da die Betroffenen andauernd Hunger haben, sich das Essen eben aber nicht oder nur sehr eingeschränkt erlauben.
Allgemein:
- Körpergewicht der Person weniger als 85 % des für Alter und
Größe als normal geltend (BMI von unter 17)
- 90 - 95 % aller Betroffenen sind weiblich
- Verhältnis Mann/Frau 1:20 bei einem steigenden männlichen
Anteil
- Störungsbeginn meist zwischen 14 und 18 Jahren
- Mortalitätsrate: 5 - 18 %
Ausgangssituation:
- meist eine Diät; bei Männern, weil sie tatsächlich
leicht übergewichtig sind, bei Frauen, weil sie sich zu dick
fühlen
Diagnostische Merkmale:
Subtypen:
Das beständige Abnehmen scheint für die Betroffenen, neben
dem “Schrei nach Hilfe und nach altersentsprechender Zuwendung auch ein
Mittel zu sein, Macht auf ihre Umwelt auszuüben. Anorektiker
weigern sich, erwachsen zu werden, und sich von den Eltern in
entwicklungsimmanenter Form abzugrenzen. Meist sind es Menschen, die
als Kinder völlig “unproblematisch” erschienen, und gute
schulische Leistungen erbrachten. Sie empfinden ihr Abnehmen als
Überwindung der körperlichen Bedürfnisse, die sie
alsbald nur noch gestört wahrnehmen, und fühlen sich als
“Frau” bzw. “Herr” über den Hunger, was sie mit erheblichem Stolz
und dem Gefühl der Unabhängigkeit erfüllt. Dieses
Gefühl gepaart mit dem zwanghaften Essverhalten und enormer
sportlicher Betätigung entwickelt als Sucht sehr bald ein
Eigenleben, das nicht mehr vom Individuum kontrolliert werden
kann. Die Sucht wird Herr über das Individuum: Magersucht.
BULIMIA NERVOSA 307.51 (ICD-10: F50.2)
Diagnostische Kriterien:
A. Wiederholte Episoden von “Fressattacken”.
Eine “Fressattacken”-Episode ist gekennzeichnet durch beide der
folgenden Merkmale:
(1) Verzehr einer Nahrungsmenge in einem
bestimmten Zeitraum (z. B. innerhalb eines Zeitraums von 2
Stunden), wobei diese Nahrungsmenge erheblich größer ist,
als die Menge, die die meisten Menschen in einem vergleichbaren
Zeitraum und unter vergleichbaren Bedingungen essen würden.
(2) Das Gefühl, während der Episode die Kontrolle über
das Essverhalten zu verlieren (z. B. das Gefühl, weder mit
dem Essen aufhören zu können, noch Kontrolle über Art
und Menge der Nahrung zu haben).
B. Wiederholte Anwendung von unangemessenen, einer Gewichtszunahme gegensteuernden Maßnahmen, wie z. B. selbstinduziertes Erbrechen, Missbrauch von Laxantien, Diuretika, Klistieren oder anderen Arzneimitteln, Fasten oder übermäßige körperliche Betätigung.
C. Die “Fressattacken” und das unangemessene Kompensationsverhalten kommen drei Monate lang im Durchschnitt mindestens zweimal pro Woche vor.
D. Figur und Körpergewicht haben einen übermäßigen Einfluss auf die Selbstbewertung.
E. Die Störung tritt nicht ausschließlich im Verlauf von Episoden einer Anorexia Nervosa auf (bulimische Anorektiker).
“Purging”-Typus ("nasse Bulimie"):
Die Person induziert während der aktuellen Episode der Bulimia
Nervosa regelmäßig Erbrechen oder missbraucht
Laxantien, Diuretika oder Klistiere. Dies führt zur sofortigen
Erleichterung des
körperlichen Unbehagens und Reduktion der Angst vor
Gewichtszunahme
“Nicht-Purging”- oder restriktiver Typus ("trockene
Bulimie"):
Die Person hat während der aktuellen Episode der Bulimia Nervosa
andere unangemessene, einer Gewichtszunahme gegensteuernde
Maßnahmen gezeigt wie beispielsweise Fasten oder
übermäßige körperliche Betätigung, hat aber
nicht regelmäßig Erbrechen induziert oder Laxantien,
Diuretika oder Klistiere missbraucht. Orientierung am
gängigen Schlankheitsideal mit der Angst dick zu werden. Figur und
Körpergewicht
erhalten eine übermäßige Bedeutung.
“Fressattacken” finden
heimlich statt, meist ausgelöst durch strenge Diät,
Stimmungsschwankungen oder zwischenmenschliche Belastungssituationen.
Es werden große Mengen an Nahrungsmitteln gegessen, bevorzugt
werden meist süße, hochkalorische Nahrungsmittel oder
kohlehydratreiche Nahrungsmittel. Nach dem Fressanfall: Scham,
depressive Stimmung, Kontrollverlustgefühle.Versuch die Symptome
zu verbergen. Oft Ablösung
von anderen Suchten oder in Verbindung mit Alkohol und Drogen.
Prävalenz: 1-3 % bzw. 2-4 %, davon 90-95 % Frauen
Verlauf: Beginn meist in der späten Adoleszenz ( Anorexie, Pubertät), oft während oder nach einer Diät
Körperliche Folgen: Zahnschäden, vergrößerte Speicheldrüsen, Narben und Schwielen auf dem Handrücken bzw. den Fingern, Herz-/Kreislaufprobleme, Herzrhythmusstörungen bis zum Herzstillstand (Kaliummangel), Störungen im Flüssigkeits- und Elekrolythaushalt, Nierenversagen, etc.
Differentialdiagnose:
Dimensionale Diagnoseverfahren
zur Symptombelastung, Diagnostik des
Körpererlebens und zur Veränderungsmessung liegen vor als
Selbstbeurteilungsverfahren, z.B.
Erklärungsansätze für Essstörungen
Psychodymanischer Ansatz:
a) ältere Erklärung: ungelöste orale Konflikte:
Ablösung von der Mutter kann nicht zum angemessenen Zeitpunkt
erfolgen. Fixierung auf das orale Stadium verursacht Anorexie.
b) moderne Erklärung: mangelhaftes Selbstgefühl,
Beziehungsprobleme
Multidimensionaler Risikoansatz:
Wichtige Faktoren dabei sind:
1. Soziokulturelle Belastungen
2. Familiäres Milieu
3. Ich-Schwäche und kognitive Störungen
4. Biologische Faktoren
5. Affektive Störungen
Literatur:
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Anwendungsgebiete, Walther de Gruyter & Co.
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Petersen Henriette, 1998, Die Anorexia nervosa im Lichte des
klientenzentrierten Krankheitskonzeptes - ein Fallbeispiel,
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Reinecker Hans (Hrsg.), 1994, Lehrbuch der Klinischen Psychologie,
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ICD-10 Fallbuch Psychiatrie, 1993, Verlag Hans Huber, Bern
Diagnostische Kriterien und Differentialdiagnosen des Diagnostischen
und Statistischen Manuals Psychischer Störungen DSM-III-R, 1989,
Beltz-Verlag, Weinheim
Diagnostisches und Statistisches Manual DSM-IV, 1991, Hogrefe,
Göttingen
Schlafstörungen
I. Primäre Schlafstörungen: Dyssomnien, Parasomnien
II. Schlafstörung in Zusammenhang mit einer Anderen Psychischen
Störung
III. Andere Schlafstörungen
IV. Therapieformen
Differentialdiagnose:
Gilt für alle hier aufgeführten Schlafstörungen:
Unterscheidung von psychischen Störungen, die die jeweilige
Schlafstörung als Haupt- oder Nebenmerkmale einschließen.
Keine Diagnose bei Auftreten ausschließlich im Verlauf einer
anderen psych. Störung.
I. Primäre Schlafstörungen
1. Dyssomnien
Dyssomnien sind primäre Ein- und Durchschlafstörungen oder
eine ausgeprägte Müdigkeit, die durch Veränderungen in
Dauer, Qualität und zeitlicher Abfolge des Schlafs charakterisiert
sind.
1.1 Primäre Insomnie; 307.42 (F51.0)
Diagnostische Kriterien: DSM-IV, S. 634
Hauptmerkmal:
Klagen über Ein- bzw. Durchschlafschwierigkeiten oder über
nicht erholsamen Schlaf mit einer Dauer von mindestens 1 Monat.
Mögliche Folgen: Verschlechterung von Stimmung und Motivation,
Herabsetzung v. Aufmerksamkeit, Antrieb und Konzentration, Zunahme v.
Müdigkeit und Unbehagen. Gefahr des Missbrauchs bzw. einer
Abhängigkeit durch unangemessenem Gebrauch von Medikamenten.
Besondere
Alters- und Geschlechtsmerkmale:
Beschwerden über Insomnie häufiger mit zunehmendem Alter und
bei Frauen.
Verlauf:
Unterschiedlich. Typisch: Anfangsphase mit fortschreitender
Verschlechterung über Wochen bis Monate, gefolgt von chron. Phase
anhaltender Schlafschwierigkeiten.
1.2 Primäre Hypersomnie; 307.44 (F.51.1)
Diagnostische Kriterien: S. 639
Hauptmerkmal:
übermäßige Schläfrigkeit seit mind. 1 Monat, die
entweder durch verlängerte Schlafepisoden oder fast tägl.
auftretende Episoden von Tagesschlaf charakterisiert ist. Auftreten
üblicherweise bei Unterstimulation und Situationen mit geringer
Aktivität.
Zusatzcodierungen:
Aufwachschwierigkeiten mit Schlaftrunkenheit am Morgen trotz guter
Schlafeffizienz. Häufig automatisierte Handlungsabläufe ohne
nachfolgendes Erinnern.
Verlauf:
Beginn üblicherweise zw. dem 15. und 30. Lebensjahr mit
allmählicher Progredienz über Wochen bis Monate. Bei
Nichtbehandlung weiterer Verlauf meist chronisch und stabil.
1. 3 Narkolepsie; 347 (G47.4)
Diagnostische Kriterien: S. 639
Hauptmerkmal:
wiederholte unwiderstehbare Anfälle von
erholsamem Schlaf,
Kataplexie und wiederkehrende Einstreuungen von Elementen des Rapid Eye
Movement
(REM)-Schlafs in die Übergangsperiode vom Schlaf zum Wachsein
über
einen Zeitraum von mindestens 3 Monaten täglich.
Verlauf: Allgemein: Klinische Auffälligkeit in der Adoleszenz. Zeitlich stabiler Verlauf der übermäßigen Schläfrigkeit. Auftreten d. Kataplexie meist erst nach Monaten, Jahren oder Jahrzehnten.
Familiäres Verteilungsmuster: Hinweis auf genetische Faktoren.
1.4 Atmungsgebundene Schlafstörung; 780.59 (G47.3)
Diagnostische Kriterien: S. 652
Hauptmerkmal:
Unterbrechung des Schlafs, führt zu
übermäßiger Schläfrigkeit oder Insomnie,
Abnormitäten der Atmung während des Schlafs. Unfähigkeit
zur Kontrolle der Schläfrigkeit. Abweichende Atmungsereignisse
während des Schlafs:
3 Arten:
Zugehörige
Merkmale und Störungen:
Nächtl. thorakale Beschwerden, Erstickungs- und
Erdrosselungsgefühle, Entwicklungsverzögerungen bei Kindern
mit Lernschwierigkeiten.
Besondere
Alters- und Geschlechtsmerkmale:
Verhältnis zw. Männern und Frauen beim obstrukt.
Schlafapnoesyndrom ca. 8:1.
Verlauf:
Schleichender Beginn der Atmungsgebundenen Schlafstörung,
graduelles Fortschreiten und chronischer, üblicherweise jedoch
progredienter Verlauf.
1.5 Schlafstörung mit Störung des Zirkardianen Rhythmus
(vormals Störung des Schlaf-Wach-Rhytmus) 307.45 (F51.2)
Diagnostische Kriterien: S. 658
Hauptmerkmal:
beständiges oder wiederkehrendes Muster von Schlafunterbrechungen,
Diskrepanz zwischen dem endogenen zirkadianen Schlaf-Wach-System einer
Person und den exogenen
Anforderungen bzgl. Zeitpunkt und Dauer des Schlafs.
3 Typen:
Besondere Alters- und Geschlechtsmerkmale: Zunahme des vorverlagerten Schlafphasen-Musters mit dem Alter.
Verlauf:
Typus mit Verzögerter
Schlafphase: üblicherweise über
Jahre oder Jahrzehnte hinweg.
Schichtarbeits-Typus: einhergehend
mit der Dauer des jeweiligen Schichtplans.
1.6 Nicht Näher bezeichnete Dyssomnie; 307.47 (F51.9)
Diese Kategorie gilt für Insomnien, Hypersomnien oder Störungen des Zirkadianen Rhytmus, die die Kriterien für keine spezifische Dyssomnie erfüllen.
Beispiele:
2. Parasomnien
Parasomnien sind Störungen, die durch abweichende Verhaltens- oder physiologische Ereignisse gekennzeichnet sind, die im Zusammenhang mit Schlaf, bestimmte Schlafstadien oder dem Übergang vom Schlaf zum Wachsein auftreten.
2.1 Schlafstörung mit Alpträumen; 307.47 (F51.5)
Zentrale
diagnostische Merkmale: S. 662/663
A: Wiederholtes Auftreten furchterregender Träume, die zum
Aufwachen aus dem Schlaf führen.
B: Nach dem Erwachen ist der Betroffene rasch orientiert und wach.
Alptraum:
2.2 Pavor Nocturnus (“Nachtangst”, “Inkubus”); 307.46
(F51.4)
Zentrale
diagnostische Merkmale (S. 667):
A: Wiederholte Episoden von plötzlichem Hochschrecken aus dem
Schlaf, die gewöhnlich mit einem panischen Schrei beginnen.
B: Starke Angst und Anzeichen vegetativer Arousals wie Tachykardie,
schnelles Atmen und Schwitzen während jeder Episode.
C: Fast keine Reaktion auf die Bemühungen anderer, den Betroffenen
während der Episode zu beruhigen.
D: Es wird kein detaillierter Traum erinnert, und es besteht eine
Amnesie für die Episode.
- Üblicherweise pro Nacht nur eine Episode; Dauer 1-10 Minuten
- Beginn bei Kindern gewöhnlich zwischen dem 4. und dem 12.
Lebensjahr, spontane Remission während der Adoleszenz; Kinder mit
Pavor Nocturnus haben keine höhere Inzidenz anderer psychischer
oder seelischer Störungen als die Allgemeinbevölkerung.
- Bei Beginn im Erwachsenenalter häufig chronischer Verlauf,
zugleich häufiger psychopathologische Veränderungen z.B.
Persönlichkeitsstörungen
Familäres Verteilungsmuster: Positive Familienanamnese; Genetische Übertragung wahrscheinlich.
2.3 Schlafstörung mit Schlafwandeln; 307.46 (F51.3)
Zentrale
diagnostische Merkmale (S. 672):
A: Wiederholte Episoden von Aufstehen aus dem Bett und Umhergehen im
Schlaf
B: Während des Schlafwandelns ausdrucksloses, starres Gesicht;
Kaum Reaktionen; Kann nur mit größter Schwierigkeit geweckt
werden.
C: Beim Aufwachen Amnesie für die Episode
D: Nach dem Aufwachen aus einer Schlafwandel-Episode besteht keine
Beeinträchtigung der geistigen Funktionen oder des Verhaltens.
- Auftretende Verhaltensweisen meist routinemäßiger Art
und wenig komplex.
- In der Kindheit relativ häufig Ende meist in der frühen
Adoleszenz.
- Im Erwachsenenalter selten, wenn dann häufig chronisch bei
gleichzeitig auftretenden Persönlichkeitsstörungen,
Affektiven Störungen oder Angststörungen.
Familäres Verteilungsmuster: Positive Familienanamnese; Genetische Übertragung wahrscheinlich.
2.4 Nicht näher bezeichnete Parasomnien; 307.47 (F51.8)
Störungsbilder mit abweichenden Verhaltens- oder physiologischen
Ereignissen, die jedoch nicht die Kriterien einer spezifischen
Parasomnie erfüllen.
1. REM-Schlaf-Verhaltensstörung
2. Schlafparalyse
3. Parasomnien, bei denen es unklar ist,
ob primär oder im Zusammenhang mit einem medizinischen
Krankheitsfaktor oder einer induzierten Substanz stehend.
II. Schlafstörungen in Zusammenhang mit einer Anderen Psychischen
Störung
1. Insomnie in Zusammenhang mit einer Anderen
Psychischen Störung; 307.42(F51.0)
2. Hypersomnie in Zusammenhang mit einer Anderen
Psych. Störung; 307.44(F51.1)
Zentrale diagnostische Merkmale: S. 678/679
A: Hauptmerkmal: Vorkommen einer Insomnie oder einer Hypersomnie,
die als
zeitlich oder kausal mit einer anderen psychischen Störung
zusammenhängend beurteilt wird.
B: Die Schlafstörung ist schwer genug, um für sich allein
genommen klinische Beachtung zu recht fertigen.
Eine Schlafstörung ist häufig eines der frühesten Symptome einer späteren psychischen Störung (Schlafprobleme bei allen Arten von psychischen Störungen).
Codierungsregeln:
III. Andere Schlafstörungen
1. Schlafstörung Aufgrund eines
Medizinischen Krankheitsfaktors;
780.xx (G47.x)
Zentrale
diagnostische Merkmale: S. 682/683
A: Vorherrschende Beeinträchtigung des Schlafes, die für
sich allein genommen schwer genug ist, um klinische Beachtung zu
rechtfertigen.
B: Rückführbarkeit auf einen medizinischen Krankheitsfaktor
Subtypen:
Codierungsregeln:
2. Substanzinduzierte Schlafstörung
Zentrale
diagnostische Merkmale: S. 688/689
A: Ausgeprägtes Störungsbild des Schlafes, das schwer
genug ist,
um für sich allein genommen klinische Beachtung zu rechtfertigen.
B: Als Folge der direkten körperlichen Wirkung einer Substanz
bewertet.
Substanzinduzierte Schlafstörung nur in Verbindung mit
Intoxikations- oder Entzugszuständen.
Codierungsregeln:
IV. Therapieformen
Nicht-medikamentöse Therapieformen am
Beispiel der Primären Insomnie
Rosina Maria Gasteiger, Konrad Gorck, Andreas
Will und
Katrin Landstorfer
Störungen der Impulskontrolle, Nicht Andernorts Klassifiziert
Hauptmerkmal:
Versagen, dem Impuls, Trieb oder der
Versuchung zu widerstehen, eine
Handlung auszuführen, die für die Person selbst oder
für andere schädlich ist
bei den meisten Störungen:
vor Durchführung der Handlung:
zunehmende Spannung oder Erregung
während Durchführung:
Vergnügen, Befriedigung oder Gefühl der Entspannung
nach der Handlung: evtl. Reue,
Selbstvorwürfe oder Schuldgefühle
PYROMANIE 312.33 (F63.1)
A. Kurzer Überblick über Bedeutung und Historie der Pyromanie aus psychiatrischer Sicht
1. Was versteht man unter Pyromanie
pyr(o) (gr.) = Feuer ; - manie = Wahn, Affektstörung
Pathologische Brandstiftung, die wiederholt und ohne erkennbares Motiv begangen wird, und aus einem zwanghaften Impuls oder Trieb, Feuer zu legen, resultiert, dem der Pyromane nicht widerstehen kann.
2. Pyromanie als nicht andernorts klassifizierte Störung der Impulskontrolle
Impulsivität ist als Symptom Bestandteil zahlreicher psychischer Störungen. Deshalb ist Brandstiftung ein Bestandteil des Krankheitsbildes vieler psychischer Störungen. Bei der Pyromanie ist die Impulsivität das zentrale beeinträchtigende Merkmal und muss darum differentialdiagnostisch von allen Störungsbildern mit evtl. vorkommender Brandstiftung abgegrenzt werden.
3. Geschichte der Pyromanie in der Psychatrie
- Anfang des 19. Jahrhunderts
wird die
"Feuergierde" als Krankheit entdeckt (Osiander).
- Die
instinktive Monomanielehre aus Frankreich (Esquirol) postuliert
die Existenz isolierter Einzelwahne ohne sonstige Wahnerscheinungen
und prägt neben anderen Monomanien den Begriff der Pyromanie.
- Noch in der 1.Hälfte des 19.
Jahrhunderts kommt Kritik am Konzept der Pyromanie auf (Pyromanie als
Aberglaube).
- Die
Existenz von Pyromanie wird heute immer mehr angezweifelt.
4. Wie erlebt der Pyromane seine Krankheit
- Der Impuls ist so mächtig, dass nicht über die Konsequenzen nachgedacht wird.
- Pyromanie als Sucht besonderer Art
Allerdings : 10-jährige Studie des IFT (Institut für Therapieforschung) in München behauptet, Pyromanie, Kleptomanie und exzessives Spielen sind keine Süchte.
- Der Prozess, innerhalb
dessen dem Feuerimpuls nachgegeben wird, durchläuft typischerweise
folgende Stadien: starke Anspannung, Kurzschlusshandlung
(=Feuerlegen), Entspannung und evtl. Schuldgefühle danach.
B. Diagnostische Kriterien
Kriterium A :
Gewolltes und absichtsvolles Feuerlegen bei mehr als einer Gelegenheit.
Kriterium B :
Spannungsgefühl oder affektive Erregung vor der Handlung.
Kriterium C :
Faszination, Interesse, Neugier und Anziehung in Hinblick auf Feuer und damit zusammenhängende Situationen (z.B. entsprechende Utensilien, Gebräuche, Folgen).
Kriterium D :
Vergnügen, Befriedigung oder Entspannung beim Feuerlegen, beim Zuschauen oder beim Beteiligtsein an den Folgen.
Kriterium E :
Das Feuerlegen geschieht nicht wegen des finanziellen Profits, als Ausdruck einer soziopolitischen Ideologie, zum Verdecken einer Straftat, um Wut oder Rache auszudrücken, um die Lebensumstände zu verbessern, als Reaktion auf Wahnphänomene oder Halluzinationen oder infolge verminderter Urteilsfähigkeit (z.B. bei Demenz, Geistiger Behinderung oder Substanzin-toxikation).
Kriterium F :
Das Feuerlegen kann nicht besser
durch eine Störung des Sozialverhaltens, eine Manische Episode
oder eine Antisoziale Persönlichkeitsstörung erklärt
werden.
C. Differentialdiagnose
Pyromanie ist abzugrenzen von:
- vorsätzlicher
Brandstiftung mit
offensichtlichem Motiv ohne deutliche psychische Störung
- Brandstiftung im Rahmen einer
Störung des Sozialverhaltens
- Brandstiftung im Rahmen einer
Antisozialen Persönlichkeitsstörung
- Brandstiftung bei Schizophrenie
- Brandstiftung bei organisch
bedingten psychiatrischen Störungen
- Brandstiftung unter
Alkohol-,Drogen- oder Medikamenteneinfluss
- Brandstiftung bei Oligophrenie
oder Demenz
- Brandstiftung bei Psychopathie
- kommunikativer Brandstiftung
D. Kritik am Konzept der Pyromanie
Die instinktive Monomanielehre
gilt als überholt. Störungen wie Pyromanie sind
wissenschaftlich unhaltbar geworden.
E. Psychoanalytische Sichtweise der Pyromanie
Tiefenpsychologische Hypothesen:
Brandstiftungen sind versteckte
sexuelle Akte oder sexuelle Ersatzhandlungen. Es bestehen
psychodynamische Verbindungen zu Urethralerotik, Enuresis und
Harninkontinenz.
F. Verlauf
Typisch ist der
rückfällige Wiederholungstäter. Über den
Langzeitverlauf ist nichts bekannt.
G. Prävalenz
Pyromanie kommt offentsichtlich
selten vor.
H. Besondere Alters- und Geschlechtsmerkmale
1. viel häufiger bei
Männern als bei Frauen
2. allgemein hängen wohl eine
Menge von Faktoren zusammen:
- schlechte elterliche Beziehungen
- individuelles Temperament
- mangelhafte soziale Fertigkeiten
- mögl. neuro-chemische
Prädispositionen
I. Forensischer Aspekt
In foro haben es Psychologen und Psychiater häufig mit Fällen von Brandstiftung zu tun. Krankheitsbilder von forensischer Bedeutung bei Brandstiftung sind hauptsächlich Schizophrenie und Oligophrenie.
Bei der Diskussion um die
Schuldfähigkeit eines Delinquenten muss der
Sachverständige bei Berufung auf eine Pyromanie als
Schuldminderungsgrund besonders auf der Hut sein, da nicht selten eine
Pyromanie simuliert wird, um
strafrechtlichen Konsequenzen zu entkommen.
Intermittierende explosible Störung 312.34 (F63.9)
Diagnostische Kriterien:
- mehrere umschriebene Episoden
des Versagens, aggressiven Impulsen zu widerstehen, die zu schweren
Gewalttätigkeiten oder zu Zerstörung von Eigentum führen
- Das
Ausmaß der gezeigten Aggressivität steht in grobem
Missverhältnis zu irgendeinem auslösenden psychosozialen
Belastungsfaktor
- Die
aggressiven Episoden können nicht besser durch eine
andere psychische Störung erklärt werden und gehen
nicht auf die direkte körperliche Wirkung einer Substanz oder
eines medizin. Krankheitsfaktor zurück
Prävalenz: sehr selten; häufiger bei Männern
Verlauf: Beginn zwischen der
späten Adoleszenz und drittem Lebensjahrzehnt
Nicht Näher Bezeichnete Störung der Impulskontrolle 312.30 (F63.9)
Diese Kategorie ist für
Störungen der Impulskontrolle vorgesehen, die weder die Kriterien
irgendeiner spezifischen Störung der Impulskontrolle
erfüllen, noch die einer anderen psychischen Störung, die
Merkmale einer Störung der Impulskontrolle aufweist und andernorts
im DSM IV beschrieben ist. (Z.B. Substanzabhängigkeit, eine
Paraphilie).
Pathologisches Spielen ("Spielsucht") 312.31 (F63.0)
Exzessivem Spielen manischer Patienten
Spielen bei Personen mit soziopatischer bzw. dissozialer Persönlichkeit: diese Menschen weisen eine weitreichende und dauernde Störung des Sozialverhaltens auf, die sich in aggresiven Handlungen oder einem fehlenden Gefühl für das Wohlergehen und Gefühle anderer Menschen äußert.
Trichotillomanie 312.39 (F63.3)
Diagnostische Kriterien für Tichotillomanie
Literatur:
Füchtenschnieder Ilona, Petry Jörg: "Glücksspielsucht: Gesellschaftliche und therapeutische Aspekte"; Profil Verlag Gmbh München Wien; Auflage 1998; ISBN 3-89019-444-3.
Kleptomanie (Pathologisches Stehlen) 312.32
(F63.2)
Der Begriff Kleptomanie geht auf die Monomanielehre des französischen Psychiaters Esquirol im 19. Jh. zurück.
Diagnostische Kriterien:
Zunehmendes Gefühl von Spannung unmittelbar vor Begehen des Diebstahls.
Vergnügen, Befriedigung oder Entspannung beim Begehen des Diebstahls.
Das Stehlen wird nicht begangen, um Wut oder Rache auszudrücken und erfolgt nicht als Reaktion auf Wahnphänomene oder Halluzinationen.
Das Stehlen kann nicht besser durch eine Störung des Sozialverhaltens, eine Manische Episode oder eine Antisoziale Persönlichkeitsstörung erklärt werden.
Äußerst seltene Störung - bei weniger als 5 % aller aufgedeckten Diebstahlsdelikte. Häufiger bei Frauen als bei Männern anzutreffen.
Verlauf:
dazu nur wenig systematische Information, dennoch kann man drei typische Verläufe unterscheiden:
sporadisch mit kurzen Episoden und langen Zeitspannen der Remission;
episodisch mit langandauernden Perioden des Stehlens und Perioden der
Remission;
chronisch mit einem gewissen Maß an Fluktuation (trotz
wiederholter Verurteilung wegen Diebstahls kann Störung jahrelang
fortdauern);
Differentialdiagnose:
Das pathologische Stehlen ist abgrenzen von:
Sowohl im DSM-IV, als auch in der ICD-10 erscheint Kleptomanie gemeinsam mit pathologischem Spielen, Pyromanie, Trichotillomanie (krankhaftes Haareausreissen) und anderen abnormen Gewohnheiten. Für die Zusammenfassung, dieser in ihrer Verursachung nicht aufgeklärten Störungen unter dem Bereich Störungen der Impulskontrolle - nicht andernorts klassifiziert, werden gewisse Ähnlichkeiten in der Beschreibung geltend gemacht, vor allem weil bei all diesen Störungen wiederholt Handlungen ohne vernünftige Motivation auftreten, die im allgemeinen die Interessen der betroffenen Person oder anderer Menschen schädigen.
Das Hauptmerkmal von Störungen der Impulskontrolle ist das Versagen, dem Impuls, Trieb oder der Versuchung zu widerstehen (dies wird oft als unwiderstehlicher Zwang erlebt) eine derartige, für die Person selbst oder für andere, schädliche Handlung auszuführen. Charakteristisch ist ein zunehmendes Spannungsgefühl oder Erregung, bevor die Handlung durchgeführt wird, dem folgt das Erleben von Vergnügen, Befriedigung oder Entspannung während der Handlung. Nach der Handlung können - jedoch nicht zwingend - Selbstvorwürfe, Reue-, oder Schuldgefühle auftreten.
Angelika Loenicker, Sabine Sauer
Anpassungsstörungen
Diagnostische Kriterien:
Kriterium A (Hauptmerkmal einer Anpassungsstörung):
Entwicklung von klinisch bedeutsamen emotionalen oder
verhaltensmäßigen Symptomen als Reaktion
auf einen oder mehrere identifizierbare psychosoziale
Belastungsfaktoren. Die Symptome müssen sich innerhalb von 3
Monaten nach Beginn der Belastung(en) entwickeln.
Kriterium B:
Diese Symptome oder Verhaltensweisen sind insofern klinisch bedeutsam,
als sie
(1) zu deutlichem Leiden führen, welches über das hinausgeht,
was man bei Konfrontation mit diesem Belastungsfaktor erwarten
würde.
(2) zu bedeutsamen Beeinträchtigungen in sozialen oder beruflichen
(schulischen) Funktionsbereichen führen.
Kriterium C:
Das belastungsabhängige Störungsbild erfüllt nicht die
Kriterien für eine andere spezifische Störung auf Achse I und
stellt nicht nur eine Verschlechterung einer vorbestehenden
Störung auf Achse I oder Achse II
dar.
Kriterium D:
Die Symptome sind nicht Ausdruck einer einfachen Trauer
Kriterium E:
Wenn die Belastung (oder deren Folgen) beendet ist, dann dauern die
Symptome nicht länger als weitere
6 Monate an.
Bestimme, ob: Akut:
Wenn die Störung weniger als 6 Monate anhält
oder Chronisch:
Wenn die Störung länger als 6 Monate andauert (Reaktion auf
eine chronische Belastung: z.B.ein
chronischer, behindernder medizinischer Krankheitsfaktor oder
Reaktion auf eine Belastung mit langanhaltenden Folgen: z.B.
finanzielle und emotionale Schwierigkeiten, die sich aus einer
Scheidung ergeben).
Belastungsfaktoren:
Bei dem Belastungsfaktor kann es sich um ein einzelnes Ereignis handeln (z.B. Beendigung einer Liebesbeziehung), oder es können mehrere Belastungsfaktoren vorliegen (z.B. erhebliche Schwierigkeiten am Arbeitsplatz und in der Ehe). Die Belastungen können wiederkehrend (z.B. verbunden mit saisonalen Geschäftskrisen) oder kontinuierlich sein (z.B. Leben in einer kriminellen Umgebung). Die Belastungsfaktoren können eine einzige Person betreffen, eine ganze Familie oder eine größere Gruppe oder Gemeinde (wie z.B. bei Naturkatastrophen). Einige Belastungen können im Zusammmenhang mit spezifischen Lebensphasen stehen (z.B. Schulbeginn, Verlassen des Elternhauses, Heirat, Elternschaft, Nichterreichen beruflicher Ziele, Rente / Pensionierung)
Subtypen und Zusatzcodierungen:
Anpassungsstörungen werden entsprechend dem Subtypus codiert,
der das vorherrschende Symptombild am besten charakterisiert:
309.0 (F43.20) Mit depressiver Stimmung.
Dieser Subtypus sollte verwendet werden,
wenn die vorherrschenden Symptome depressive Stimmung, Weinerlichkeit,
oder Gefühle von Hoffnungslosigkeit sind.
309.24 (F43.22) Mit Angst.
Dieser Subtypus sollte verwendet werden,
wenn die vorherrschenden Symptome Nervosität, Sorgen
oder Ängstlichkeit oder bei Kindern Trennungsangst von
einer wesentlichen Bezugsperson sind.
309.28 (F43.22) Mit Angst und Depressiver Stimmung, Gemischt.
Die Kombination von Angst und Depression
steht im Vordergrund.
309.3 (F43.24) Mit Störungen des Sozialverhaltens.
Vorherrschende Symptomatik stellt eine Störung des
Sozialverhaltens dar, bei der es zur Verletzung von Rechten anderer
kommt oder von wesentlichen altersgemäßen Normen und Regeln
(z.B. Schuleschwänzen, Vandalismus, rücksichtsloses Fahren,
Schlägereien, Missachtung von rechtlichen Verpflichtungen).
309.4 (F43.25) Mit Emotionalen Störungen und Störungen des
Sozialverhaltens, Gemischt.
Verwendung findet dieser Subtypus, wenn sowohl emotionale Symptome
(z.B. Deprssion, Angst) als auch Störungen des Sozialverhaltens
(s.o.) vorliegen.
309.9 (F43.9) Unspezifisch.
Dieser Subtypus findet Verwendung bei unangepassten Reaktionen
(z.B. körperliche Beschwerden, sozialer Rückzug oder
Störungen im Arbeits- oder Schulbereich) auf psychosoziale
Belastungsfaktoren, die sich nicht als eine der spezifischen
Subtypen der Anpassungsstörung klassifizieren lassen.
Codierungsregeln:
Die vorherrschenden Symptome einer Anpassungssörung sollten dadurch kenntlich gemacht werden, dass aus der obigen Liste der Begriff und die Codierung gewählt werden, gefolgt, falls gewünscht, von der Zusatzcodierung Akut oder Chronisch.
Zum Beispiel: 309.0 (F43.20) Anpassungsstörung mit Depressiver
Stimmung, Akut.
Bei einer Multiaxialen Diagnostik kann die Art der Belastung auf Achse
IV kenntlich gemacht werden:
Beispiel
Achse I: 309.0 Anpassungsstörung mit depressiver Stimmung
Achse II: 301.00 Paranoide Persönlichkeitsstörung
Achse III: Keine Diagnose
Achse IV: Scheidung
Achse V: GAF = 65 (zur Zeit)
Zugehörige Merkmale und Störungen:
Mit Anpassungsstörungen verbundene subjektive Leiden oder Beeinträchtigungen in verschiedenen Funktionsbereichen drücken sich häufig aus in einer verminderten Leistung bei der Arbeit oder in der Schule und in vorübergehenden Veränderungen in sozialen Beziehungen. Anpassungsstörungen gehen mit einem erhöhten Risiko von Suizidversuchen und Suiziden einher. Ferner können sie zu Verlaufskomplikationen eines medizinischen Krankheitsfaktors führen (z.B. durch mangelnde Compliance mit den empfohlenen medizinischen Maßnahmen oder verlängerte Aufenthaltsdauer im Krankenhaus).
Besondere kulturelle, Alters- und Geschlechtsmerkmale:
Bei der klinischen Beurteilung, ob die Reaktion der Person auf die Belastung unangepasst ist, muss der kulturelle Kontext der Person berücksichtigt werden Anpassungsstörungen können in jeder Altersgruppe auftreten. Männer und Frauen sind gleich häufig betroffen.
Prävalenz:
Anpassungstörungen kommen häufig vor. Von den Patienten, die sich in psychotherapeutischer/psychiatrischer Behandlung befinden, haben etwa 5-20% als Hauptdiagnose eine Anpassungstörung. Personen, die sich in ungünstigen Lebensumständen befinden, erleben mehr Belastungsfaktoren und haben möglicherweise ein höheres Risiko für diese Störung.
Verlauf und Prognose:
Definitionsgemäß beginnt eine Anpassungsstörung innerhalb von 3 Monaten nach Beginn der Belastung und dauert nicht länger als 6 Monate, nachdem die Belastung oder deren Folgen beendet sind. Wenn der Belastungsfaktor in einem akuten Ereignis besteht (z.B. Kündigung des Arbeitsplatzes), beginnt die Störung normalerweise sofort (oder innerhalb weniger Tage) und die Dauer ist relativ kurz (z.B. nicht mehr als wenige Monate). Dauern die Belastung oder deren Folgen an, kann auch die Anpassungsstörung bestehen bleiben. Bei einer über fünf Jahre durchgeführten Untersuchung bei 100 Patienten mit dieser Diagnose wurde festgestellt,dass 79% bei der Nachuntersuchung gesund waren. Die übrigen 21% hatten zum Zeitpunkt der Untersuchung eine psychische Störung (z.B. Schizoaffektive Störung, Major Depression, Alkoholismus).
Klinische Behandlung:
Eine Individuelle Psychotherapie, die dem Patienten eine Möglichkeit gibt, die Bedeutung und den Stellenwert des psychosozialen Belastungsfaktors zu erkennen, ist oft nützlich, um dem Patienten dabei zu helfen, sich an die Belastung anzupassen, wenn sie weiter besteht, oder sie zu verstehen, wenn die Belastung vorbei ist. Gruppentherapeutische Ansätze können bei Patienten hilfreich sein, die ähnliche Belastungen erlebt haben, wie z.B bei Patienten, die als HIV-positiv diagnostiziert wurden. In der Gruppe kann die unterstützende Atmosphäre, die von den Personen kommt, die früher oder jetzt die gleiche Belastung erlebt haben, für das Individuum sehr wirkungsvoll bei der Anpassung sein. Pharmakologische Interventionen können nützlich sein, besonders wenn somatische Symptome im Vordergrund stehen.Ein Patient mit einer Anpassungsstörung nit depressiver Verstimmung, der eine Einschlafstörung hat, kann von einem Hypnotikum zur Schlafenszeit über einige Tage hinweg profitieren.
Differentialdiagnose:
Die Anpassungsstörung ist eine Restkategorie, die verwendet
wird, um klinische Bilder zu beschreiben, die eine Reaktion auf einen
identifizierbaren Belastungsfaktor darstellen und die nicht die
Kriterien für eine andere spezifische Störung auf Achse I
erfüllen. Zeigt z.B. eine Person als Reaktion auf eine Belastung
Symptome, die die Kriterien einer Major Depression erfüllen, kann
die Diagnose einer Anpassungsstörung nicht angewendet werden.
Eine Anpassungsstörung kann nur dann zusätzlich zu einer
anderen Störung auf Achse I diagnostiziert
werden, wenn letztere die spezifischen Symptome, die als Reaktion
auf die Belastung aufgetreten sind, nicht erklärt.
Anpassungsstörung, Posttraumatische Belastungsstörung und
Akute Belastungsstörung erfordern alle das Vorhandensein eines
psychosozialen Belastungsfaktors. Die Posttraumatische und die akute
Belastungsstörung sind
charakterisiert durch das Vorhandensein einer extremen Belastung (z.B.
Kriegserlebnisse, Vergewaltigung) und einer spezifischen Konstellation
von Symptomen (Wiedererleben des Traumas, Vermeidung von Reizen, die
mit dem Trauma verbunden sind, Chronische Übererregung). Im
Gegensatz
dazu kann eine Anpassungsstörung durch einen Belastungsfaktor
jedweder Schwere ausgelöst werden und kann vielfältige
Symptome
beeinhalten.
Einfache Trauer wird grundsätzlich anstelle einer
Anpassungsstörung diagnostiziert, wenn die Reaktion eine zu
erwartende Antwort auf den Tod einer geliebten Person
darstellt. Die Diagnose einer Anpassungsstörung kann jedoch
angemessen sein , wenn die Reaktion über das hinausgeht, was man
erwarten würde, oder wenn sie länger als üblich
andauert.
Persönlichkeitsstörungen blühen ebenfalls häufig
unter Belastungen auf. Sind die Symptome, die auf die Belastung
auftreten, nicht typisch für die Persönlichkeitsstörung
(z.B. depressive Verstimmung nach Arbeitsplatzverlust bei paranoider
Persönlichkeitsstörung), so kann die zusätzliche
Diagnose einer Anpassungsstörung angemessen sein.
Literatur:
Diagnostisches und Statistisches Manual Psychischer Störungen
DSM-IV, 1996, Hogrefe, Göttingen Diagnostisches und Statistisches
Manual Psychischer Störungen DSM-III-R, 1991, Beltz-Verlag
Andreasen Black, Lehrbuch Psychiatrie, 1993, Beltz-Verlag
Nicole Liwon-Wöllenstein, Anita Regenberg
Persönlichkeitsstörungen
Persönlichkeit: Stabiles Muster der Wahrnehmung, der inneren Erfahrung und des Verhaltens, das jedem Menschen eigen ist. Individuum handelt konsistent zu unterschiedlichen Zeitpunkten in unterschiedlichen Situationen mit unterschiedlichen Menschen. Verhalten ist relativ vorhersagbar. Bei Umgebungsveränderungen zeigt sich eine gewisse Anpassungsfähigkeit und Flexibilität in Reaktionen. Individuen mit Persönlichkeitsstörungen sind dazu nicht in der Lage.
Persönlichkeitsstörungen: Umfassendes, überdauerndes, unflexibles Erlebens- und Verhaltensmuster, das von Erwartungen der Kultur abweicht. Störung belastet Betroffene oft weniger stark als die Menschen, die täglich mit ihnen Kontakt haben.
Persönlichkeitsstörungen gelten als schwer behandelbar.
Beginn: erkennbar im frühen Erwachsenenalter
Prävalenz: 4 - 15%
Krankheitserklärung: Psychodynamische Theorie: frühe Interaktionen mit fordernden und ablehnenden Eltern. Erleben als Kind Zurückweisung oder Liebesmangel. Das Fehlen von verlässlicher elterlicher Liebe und wiederholte Misshandlung im Säuglings- und Kleinkindzeit bewirke, dass manche Personen übermäßig wachsam nach Gefahr und negativen Reaktionen von anderen Ausschau halten, was in ein breites Misstrauen gegenüber anderen mündet oder Minderwertigkeitsgefühlr hervorruft (aus Comer).
Wenn wir nun die Persönlichkeitsstörungen betrachten, sollten wir nicht dem Fehler verfallen, irgendwelche Kategorien zu sehr auf uns selbst oder den Bekanntenkreis zu ziehen. Nur zu leicht findet man sich in den Beschreibungen wieder. Wir alle zeigen Persönlichkeitszüge, das gehört zum Menschsein. Und viele dieser Züge ähneln unweigerlich denjenigen, die charakteristisch sind für Persönlichkeitsstörungen. Nur selten sind sie so unflexibel, fehlangepasst und belastend, dass sie als Störung gelten können (aus Comer).
Persönlichkeitsstörungen sind Achse II-Störungen. Andes als bei den Achse I Störungen gibt es bei den Persönlichkeitsstörungen keine Remissionsphasen.
Es ist allerdings nicht ungewöhnlich, dass Achse I + II nebeneinander stehen,
z.B. Achse I: 295.30 Schizophrenie vom Paranoiden Typus. Achse II 301.20 -Schizoide Persönlichkeitsstörung (prämorbid).
DSM-IV unterscheidet 11 Persönlichkeitsstörungs-Typen und
teilt sie
nach deskriptiven
Ähnlichkeiten in 3 Gruppen auf:
Cluster A-Persönlichkeitsstörungen.
Sonderbares oder exzentrisches Verhalten,
enthält die paranoide, die schizoide und die schizotypische Persönlichkeitsstörung.
Paranoide Persönlichkeitsstörung, Kodierung nach DSM-IV 301.00 - ICD-10 F 60.0
Betroffene zeigen ein Muster von tiefgreifenden Misstrauen und Argwohn gegenüber anderen. Scheuen enge Beziehungen. Stets auf der Hut, vorsichtig und reaktionsbereit erwarten diese Menschen ständig, betrogen oder ausgenutzt zu werden. Stehen Beziehungen skeptisch und zurückhaltend gegenüber. Bleiben kalt und distanziert, zögern anderen zu vertrauen. Sehr kritisch gegenüber Schwächen und Fehlern bei anderen, insbesondere im Arbeitsumfeld, sehen sich selbst als makellos, sind empfindlich gegenüber Kritik. Streitsüchtig. Können nicht verzeihen. Pathologische Eifersucht, möchen intime Partnerschaft vollständig kontrollieren.
Gewöhnlich kein Realitätsverlust. Selbstzentriertheit, Überempflindlichkeit, Machtprobleme innerhalb Grenzen der Realität, allerdings übertrieben und fehlangepasst
Sollte nicht diagnostiziert werden, wenn das Verhaltensmuster im Verlauf einer Schizophrenie, einer Affektiven Störung mit Psychotischen Merkmalen auftritt oder wenn es auf eine neurolog. Störung z.B. Temporallappenepilepsie zurückgeht.
Typische Gedankenmuster:
Man kann den Leuten nicht vertrauen. Sie wollen mich immer ausnutzen.
Die Leute versuchen, mich zu stören oder zu ärgern.
Pass auf, sei immer auf das Schlimmste gefasst.
Kompromisse sind Niederlagen.
Kann sich in der Kindheit und Adoleszenz zeigen in Form von Einzelgängertum, spärlichen Beziehungen zu Gleichaltrigen, sozialer Angst, Überempfindlichkeit
Krankheitserklärung/Therapie:
Psychoanalyse: hat bisher zugrundeliegende Dynamik mehr beschrieben als verändert. Entsprechend häufig werden Betroffene als schwierig oder als nicht behandelbar charakterisiert. Störung wird zumeist als das Ergebnis einer gewohnheitsmäßigen Projektion unzulässiger Gefühle und Impulse auf andere Menschen angesehen. Durch diese Abwehr- oder Übertragungsmechanismen werden vor allem Schuldgefühle bezüglich der eigenen Impulse und Bedürfnisse reduziert. In der Therapie sollte das Augenmerk auf die Entwicklung und den Behalt einer vertrauensvollen Beziehung Wert gelegt werden. Extreme Konfrontation sollte vermieden werden. Das Sprechen über Beziehungsgefühle ermögliche es den Betroffenen, sich zu öffnen.
Verhaltenstherapie: bisher geteilte Meinung zur Verhaltenstherapie. Es sollte ein ruhig-sachliche, formale und respektivolle Art der Kooperation bestehen. Überempfindlichkeit und das Misslingen bisheriger Problemlöseversuche sollten Thema sein.
Kognitive Therapie: Erster Schritt: Gefühl der Eigeneffizienz und Selbstsicherheit der Patienten im Umgang mit zwischenmenschlichen Konfliktsituationen erhöhen. Zweiter Schritt: Aspekte des automatischen Denkens und der paranoiden Grundannahmen modifizieren.
Medikamentöse Therapie im allgemeinen unwirksam
Mindestens 4 Diagnostische Kriterien müssen nach DSM-IV, S. 720, gegeben sein.
Beispiele Film: Die Caine war ihr Schicksal, Doktor Seltsam oder wie ich lernte, die Bombe zu lieben.
Geschichte: Hanna Ahrendt: Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft. 1995. Piper Verlag (zu den Diktatoren Hitler und Stalin)
Schizoide Persönlichkeitsstörung,Kodierung nach DSM-IV 301.20 - ICD F 60.1
Hauptmerkmal: Beziehungsprobleme.
Tiefgreifendes Muster von Zurückhaltung gegenüber sozialen Beziehungen und einer eingeschränkten Bandbreite des Gefühlsausdrucks. Werden von anderen für Einzelgänger gehalten, zurückhaltend und verschlossen. Wenig interessiert an sexuellen Beziehungen. Hobbies, die keine Interaktion mit anderen Menschen beinhalten. (Computer- oder math. Spiele). Keine engen Freunde. Erscheinen oftmals gleichgültig gegenüber Kritik oder Lob. Wirken sozial unbeholfen. Selten Gesten oder Gesichtsausdrücke wie Lächeln oder Nicken. Sie geben von sich an, dass sie selten Wut oder Freude empfinden.
DD wie bei paranoider Persönlichkeitsstörung/Autismus.
Erklärung (aus Comer): Aufgrund gestörter Interaktionen mit ihren Eltern können sie die Grundbedürfnisse ihres sich entwickelnden Selbst nicht befriedigen. Das heißt, sie gelangen weder zu Selbstachtung, Selbstbestätigung, Selbstvertrauen oder der Fähigkeit, sich selbst zu trösten, dazuzugehören oder sich in die menschl. Gemeinschaft einzufügen. Sie erleben eine fundamentale Aufspaltung des Selbst in ein Bündel unintegrierter Bilder von sich. Sie wissen nicht genau, wer sie sind. Leiden an tiefreichender Unschärfe und Armut des Denkens und einer Unfähigkeit, die Umgebung wirksam zu prüfen und wichtig wahrzunehmen.
Typische Gedankenmuster:
Anderen nahe zu sein ist mir nicht wichtig.
Ich bin mir selbst mein eigener bester Freund.
Bleibe ruhig, Gefühle zu zeigen ist unnötig und peinlich.
Was andere sagen, interessiert mich wenig und ist mir nicht sehr wichtig.
Sex ist in Ordnung, aber nur zur Entspannung.
Therapie: Medikamentöse Therapie nicht hilfreich.
Psychoanalytiker interpretieren die Neigung der Betroffenen zur sozialen Selbstisolation und Kontaktvermeidung als Form der Abwehr gegen zwischenmenschlich nahe und intime Beziehungen. Daraus resultiert, dass wenig Interesse besteht, eine Therapie aufzunehmen. Veränderung nur dann, wenn Leidensdruck gegeben ist. In der Therapie auf keinen Fall Forcierung der inhaltlichen Arbeit. Eher dem Patienten entgegenkommen, das heißt, an die Distanzierungs- und Selbstschutzbemühungen anknüpfen. Tagesprotokolle oder Tagebuchaufzeichnungen anfertigen lassen und diese dann besprechen.
Verhaltens- und Kognitive Therapie: Soziales Training, Rollenspiele, Videoarbeit, Gruppenarbeit.
Mindestens 4 Diagnostische Kriterien nach DSM-IV, S. 724, müssen gegeben sein.
Literatur: Der Fremde, Camus
Film: Clint Eastwood: the pale Rider.
Schizotypische Persönlichkeitsstörung, Kodierung nach DSM-IV 301.22 - ICD 10 F
21
Hauptmerkmal: Beziehungsprobleme, kognitive Wahrnehmungsstörung. In allen Interaktionen mit Menschen deutlich beeinträchtigt, Verzerrungen des Denkens und Wahrnehmens, exzentrisches Verhalten. Isolieren sich, erleben in Gegenwart anderer beträchtliche Ängste, haben kaum Freunde.
Im Wesen und Ausmaß ihrer kognitiven Verzerrungen und ihres exzentrischen Verhaltens liegt das Unterscheidungskriterium zu Menschen mit paranoider/schizoider Persönlichkeitsstörung. Zeigen ebenfalls Argwohn gegen die Motive anderer, wie bei paranoider Persönlichkeitsstörung, doch weist ihr Denken viele weitere Eigentümlichkeiten auf. Sie haben Beziehungsideen, beziehungslosen Ereignissen geben sie besondere Bedeutung. Körperillusion: spüren äußere Kraft oder nicht vorhandene Personen. Magisches Denken. Zeigen auch exzentrisches Verhalten. Nachlässige Kleidung. Haben Schwierigkeiten, ihre Aufmerksamkeit zu konzentrieren. Weitschweifige Sprache. Haben keinen vollständigen Realitätsverlust.
Unternehmen häufiger als die Allgemeinbevölkerung Suizidversuche und werden häufiger wegen anderer psychischer Störungen stationär aufgenommen.
Möglichkeit einer Exazerbation in die schizophrene Psychose ist gegeben!
DD: Schizophrenie, Autismus
Prävalenz: 3%, mehr Männder als Frauen.
Erklärung: Ähnlich wie bei Schizophrenie. Gestörte familiäre Kommunikation in der Kindheit, psychischen Störungen der Eltern. Dopamin im Hirn erhöht. Vergrößerte Hirnventrikel- (eine strukturelle Auffälligkeit, die mit Schizophrenie in Verbindung gebracht wird, evtl. genetische Grundlage). Schizotypische Persönlichkeitsstörung kommt unter nahen Vewandten von Betroffenen häufiger vor als in der Allgemeinbevölkerung.
Therapie: Antipsychotische Medikamente unter engmaschiger Kontrolle hilft einigen Patienten. Verhaltenstherapie, Training sozialer Fertigkeiten, angemessene Kleidung
Mindestens 5 Kriterien nach DSM-IV, S. 729, müssen gegeben sein.
Cluster B-Persönlichkeitsstörungen
Dramatisches, emotionales oder launenhaftes Verhalten
Antisoziale Persönlichkeitsstörung, Kodierung nach DSM-IV 301.7 - ICD-10 F 60.2
Hauptmerkmal: tiefgreifendes Muster von Missachtung und Verletzung der Rechte anderer, das in der Kindheit oder frühen Adoleszenz beginnt und bis ins Erwachsenenalter fortdauert.
VH-Muster wird auch als Psychopathie, Soziopathie oder dissoziale Persönlichkeitsstörung bezeichnet. Täuschung und Manipulation anderer steht im Vordergrund. Stellen Opfer als Schwächlinge hin. Die antisoziale Persönlichkeitsstörung hängt am engsten mit kriminellen Verhalten aller Art bei Erwachsenen zusammen. Aggressiv, impulsiv handeln, ohne vorher zu planen. Haben oft keine feste Adresse, kein Ziel oder Vorhaben, fehlendes Mitgefühl, abgebrüht, zynisch, arrogante Selbsteinschätzung.
Können zusätzlich an Angstörungen, Unfähigkeit, Langeweile zu ertragen, Somatisierungsstörungen leiden.
Zwischen Störungen durch Alkohol/Drogen und der antisozialen Persönlichkeitsstörung besteht komplexe Beziehung.
Kinder mit Störung des Sozialverhaltens als auch mit Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörung tragen höheres Risiko, später eine antisoziale Persönlichkeitsstörung zu entwickeln.
Typische Gedankenmuster:
Regeln sind dafür da, um gebrochen zu werden.
Versuche, die Nr. 1 zu sein.
Mein eigener Spass geht vor.
Wenn mein Verhalten andere kränkt, verletzt oder ihnen Umstände macht, ist das deren Problem.
Lebe im Jetzt!
Ich lasse es nicht zu, dass ich frustriert werde.
Ich werde alles tun, was ich tun muss, um alles zu kriegen, was ich will.
Ich bin wirklich heller als andere.
Erklärung: Mangel an elterlicher Liebe, Scheidung, Gewalt
Therapie: ¼ aller Patienten mit antisozialer
Persönlichkeitsstörungen werden therapiert. Keine
Interventionsform erfolgreich. Mangelnde Motivation, fehlendes
Gewissen.
Beispiel: Charles Manson, Clockwork Orange
Borderline-Störung, Kodierung nach DSM-IV 301.83 - nach ICD-10 F 60.31
Hauptmerkmal: tiefgreifendes Muster von Instabilität in zwischenmenschlichen Beziehungen, im Selbstbild und in den Affekten sowie von deutlicher Impulsivität. Betroffene zeigen schwere Stimmungsschwankungen, durchleben schwere Depressionen, Angst- und Erregungszustände, die Stunden bis Tage anhalten. Neigen zu Wutanfällen und Anwandlungen von Feindseligkeiten, tätlichen Aggressionen und Gewalttätigkeiten; oft Wut, auch nach innen gerichtet und drücken diese in selbstschädigenden Handlungen aus. Selbstzerstörerische Handlungen reichen von Alkohol-, Drogenmissbrauch, Fressanfällen, Delinquenz, bis zu gefährlichen sexuellen Kontakten, Kauforgien, riskantem Fahren, Aderlässen.
Katamnestische Studie ermittelte in 15 Jahren eine Suizidrate von 8,5%. Gehen konfliktträchtige Beziehungen ein, schwanken zwischen Überidealisierung und Entwertung der anderen Personen. Haben Probleme, eine angemessene interpersonelle Distanz zu wahren. Sind schnell enttäuscht und erbost, wenn andere Menschen nicht ihre Erwartungen erfüllen; bleiben dennoch mit ihnen verbunden und gelähmt vor Angst vor dem Alleingelassenwerden. Suiziddrohungen und -handlungen, um andere Person daran zu hindern, die Beziehung zu beenden.
Beträchtlicher Teil der psychiatrischen Notfälle sind Borderline-Patienten.
Beginn: frühes Erwachsenenalter, zeigt sich in verschiedenen Situationen.
Typische Gedankenmuster:
Ich werde irgendwann bestimmt verlassen.
Mein Schmerz (psychisch) ist so intensiv, dass ich ihn nicht ertrage.
Er/sie ist so extrem gut zu mir, dass ich so glücklich sein kann.
Er/sie ist so furchtbar zu mir, dass ich ihn /sie nicht ertragen kann.
Bei Frauen häufiger gleichzeitig bestehende affektive Störungen und selbstdestruktives Verhalten.
Männer neigen zusätzlich stärker zu Störungen des Sozialverhaltens, der Aufmerksamkeit und zu antisozialer Persönlichkeitsstörung.
Erklärung: Beziehungsproblem zwischen Kind und Eltern (Kernberg et al.), Verlust des Selbstwertgefühls, gesteigerte Abhängigkeit von Eltern, herabgesetzte Fähigkeit, Trennungen zu bewältigen.Vernachlässigung und Zurückweisung des Kindes. In Familie häufiger Scheidungen, Todesfälle in früher Kindheit.
Untersuchungen zeigen hohe Prävalenz von Kindesmisshandlung und -missbrauch einschließlich Inzest.
Biologisch: niedrige Serotoninaktivität im Gehirn. Auffälligkeiten im REM-Schlaf, wie bei depressiven Patienten.
Kulturell: Borderline-Störungen nehmen zu, wenn Kultur sich rasch verändert und ihren Zusammenhalt verliert.
Therapie: Kognitiv-verhaltenstherapeutische Strategien. Borderline-Patienten setzen Widerstand gegen Therapie. Realistisches Ziel dürfte eine allgemeine, allerdings begrenzte Charakteränderung sein. Therapie dauert lange, Thema: Bindungs- und Trennungsproblematik, Identitätsproblematik.
Medikamentös: Antidepressiva, antibipolare, antipsychotische Medikation kann beruhigend einwirken. Vorsicht! Erhöhtes Suizidrisiko.
Patienten werden nach Selbstverletzung oder Suizidversuch häufig hospitalisiert. Offene milieuorientierte Station nützlicher als eine geschlossene. Schriftliche Verträge/Abmachungen mit Patienten wichtig, sollen gefährliches Verhalten unter Kontrolle halten und Patienten helfen, angesichts unerwarteter Ereignisse einen gleichmäßigen Kurs zu steuern.
Beispiel: Eine verhängnisvolle Affaire.
Histrionische Persönlichkeitsstörung, Kodierung nach DSM-IV 301.50 - ICD-10 F 60.4
früher hysterische Persönlichkeitsstörung
Übertriebene Emotionalität und übermäßiges Verlangen nach Aufmerksamkeit. Stimmung kann rasch wechseln. Irrationale und wütende Ausbrüche, stehen ständig auf der "Bühne", mit theatralischen Gesten, sind ständig aktiv. Passen sich an wie ein Chamäleon. Brauchen ständige Anwesenheit von anderen zur Bestätigung ihres Daseins. Beifall und Lob sind Lebenselixier. Körperliche Erkrankungen und Beschwerden stellen sie übertrieben dar. Suizidversuche als manipulative Geste sind nicht selten. Machen alle Modeerscheinung und Trends mit, wollen bewundert werden. Intime Vertraute nehmen sie als flüchtige Bekannte wahr. Fühlen sich von unangemessenen Liebespartnern angezogen, werden schlecht behandelt und verstricken sich in eine unbefriedigend enge Beziehung. Sind auf andere bezogen und hauptsächlich an negativer Verstärkung ausgerichtet. Sind extrem abhängig von anderen.
Typische Gedankenmuster:
Ich muss auffallen.
Ich darf in meinem Leben nie frustriert sein.
Ich muss alles, was ich will auch kriegen.
Gefühle sollten schnell und direkt ausgedrückt werden.
Schönheit ist das wichtigste Kriterium bei der
Beurteilung von jemandem.
Erklärung: Als Kind Verlustängste, Eltern kalt und kontrollierend.
Therapie: Im Gegensatz zu den anderen Persönlichkeitsstörungen kommen Betroffene oft zur Therapie: Ziel: innere Quelle von Befriedigung erschliessen und selbständige Lebensweise entwickeln. Funktionierendes Gleichgewicht zwischen Unterstützung, Planung eines logischen Verhaltens und dem Setzen und Durchhalten strenger professioneller Grenzen.
Medikamentöse Therapie nicht indiziert.
Narzißtische Persönlichkeitsstörung, Kodierung nach DSM-IV 301.81 - ICD-10 F60.8
Zeigen Muster von Großartigkeit, Bedürfnis nach Bewunderung, Mangel an Einfühlungsvermögen, ausgeprägte Selbstbezogenheit. Mangel an Empathie, Unfähigkeit und Unvermögen, die Gefühle, Gedanken und Bedürfnisse anderer anzuerkennen. Ständig beschäftigt mit eigener Macht und Erfolg. Erwarten, dass andere ihnen immer zu Diensten stehen.
Typische Gedankenmuster:
Ich darf mich auf keinen Fall daran hindern lassen, meinen Spass oder mein Ansehen zu suchen.
Ich bin besser als alle anderen.
Ich sollte nur mit besonderen Leuten, die so sind wie ich, verkehren.
Ich muss bewundert werden.
Niemand sollte von irgendwas mehr haben als ich.
Erklärung: Gestörte Eltern-Kind-Beziehung.
Therapie: Sprechen auf Therapie wenig an.
Beispiel: Pablo Picasso
Cluster C: Angst oder furchtgeprägte Persönlichkeitsstörungen
Die Betroffenen zeigen ängstliches und furchtsames Verhalten
Viele Symptome dieser Störungen ähneln denjenigen, die für Angst und depressiven Störungen der Achse I charakteristisch sind - ein unmittelbarer Zusammenhang ist nicht belegt.
Vermeidend-Selbstunsichere Persönlichkeitsstörung, Kodierung nach DSM-IV 301.82 - ICD-10 F60.6
Hauptmerkmal: Beziehungsprobleme, sensibel.
Zeigen chronisches und durchgängiges Muster von Hemmung in sozialen Situationen, Minderwertigkeitsgefühlen und extremer Empfindlichkeit negativer Bewertung. Meiden Gelegenheiten oder Tätigkeiten, die zwischenmenschlichen Kontakt erfordern. Gedanken kreisen darum, wie andere Personen sie wohl wahrnehmen. Sogar in engen Beziehungen handeln und benehmen sie sich gehemmt, aus Angst, beschämt oder lächerlich gemacht zu werden. Halten sich für unattraktiv. Haben gewöhnlich wenige oder gar keine Freunde, obwohl sie sich danach sehnen und sich häufig leer, depressiv und einsam fühlen.
Ein Zusammenhang wird von einigen Theoretikern vermutet bei sozialen Phobie und einer selbstunsicheren Persönlichkeitsstörung. Angst vor Demütigung und geringes Selbstvertrauen tritt bei beiden auf. Allerdings fürchten Menschen mit sozialer Phobie eher die sozialen Begleitumstände als die engen sozialen Beziehungen, vor denen sich selbstunsichere Personen ängstigen.
Typische Gedankenmuster:
Ich darf anderen oder mir selbst niemals ungeschickt oder dumm erscheinen.
Die Welt ist gefährlich. Ich muss dafür sorgen, dass andere für mich sorgen.
Vermeidung und Alleinsein ist besser als zu riskieren, verletzt zu werden.
Jede Kritik ist gleichbedeutend mit Niederlage.
Die kleinste Kritik ist dasselbe wie massiver Angriff.
Man muss mir bedingungslose Akzeptanz
garantieren, bevor ich mich darauf einlasse, mit jemandem in eine
Beziehung zu treten.
soll bei ca. 10% der ambulanten Patienten in psychiatr. Kliniken auftreten
Erklärung: Gelernte Ängste, beunruhigende Denkprozesse, genet. Disposition, biochemische Auffälligkeiten. Tiefgreifende Scham in Kindheitserfahrung, durch Eltern lächerlich gemacht, Eltern bekunden selten Stolz und Liebe.
Therapie: Betroffene profitieren von einer Therapie. Verhaltenstherapie,
kognitive Therapie, Gruppentherapie sinnvoll, medikament.
Interventionen möglich.
Literatur: Glasmenagerie, Tennesee Williams
Mindestens 4 Diagnostische Kriterien, nach DSM-IV, S. 751,
müssen gegeben sein.
Dependente Persönlichkeitsstörung, Kodierung nach DSM-IV 301.6 - nach ICD-10 F60.7
Zeigen unterwürfige und anklammernde Verhaltensweisen sowie Trennungsängste, verlassen sich völlig auf andere, fürchten, nicht selbst für sich sorgen zu können. Zeigen hohe Anpassungsleistung an Elternhaus, haben kein sicheres Selbst herausgebildet. Entwickeln vielmehr die Fähigkeit, die Erwartung der Eltern oder der anderen mit seismographischer Sicherheit zu erspüren. Keine autonome Gefühlswelt.Passen sich gewandt an Wünsche und Erwartungen anderer an. Leiden in pathologischem Ausmaß unter Unglück, Einsamkeit, Depression, Selbstkritik und niedrigem Selbstwertgefühl. Tragen hohes Risiko, eine Depression, Phobie oder andere Angststörung zu entwickeln. Anfällig für Suizidgedanken.
DD: Angststörung / Depression
Typische Gedankenmuster:
Ohne den Rat und die Rückversicherung durch andere kann ich nicht leben.
In jeder Situation liege ich wahrscheinlich verkehrt.
Ich darf andere nicht beleidigen, weil sie wütend werden und mich verlassen könnten.
Wenn ich verlassen werde, bringe ich mich um.
Ich muss Leute um mich haben.
Wenn ich alleine bin, könnte ich mich verletzen.
Mit anderen zu arbeiten ist viel besser als alleine zu arbeiten.
Erklärung: Freudianer: ungelöster Konflikt in der oralen Phase. Andere: Überengagement der Eltern, autoritär oder liebevoll.
Therapie: Alle Therapierichtungen sind angezeigt. Selbstsicherheitstraining, Gruppentherapie. Ressourcen oder Kompetenzen herausarbeiten.
In aller Regel übertragen die Patienten ihre Abhängigkeitswünsche sehr bald auf die Therapie oder den Therapeuten. Wegen dieser ambivalenten Eingangsbedingungen wird als Vorgehen empfohlen, den Patienten ausgesprochen personzentriert und vorsichtig eine Einsicht in seine Dependenz zu ermöglichen und dann langsam eine Veränderung der Dependenz in Richtung Autonomie zu streben mit eher langfristiger Therapieperspektive.
Literatur: Alice Miller: Drama des begabten Kindes
Mrs. Stone und ihr römischer Frühling, Tennessee Williams
Film: Zelig, Woody Allen
Mindestens 5 Diagnostische Kriterien nach DSM-IV, S. 755, müssen gegeben sein:
Zwanghafte Persönlichkeitsstörung, Kodierung nach DSM-IV 301.4 - ICD-10 F60.5
Hauptmerkmal: kontrollierend, manipulativ.
Betroffene sind übermäßig mit Ordnung, Perfektionismus, psychischer und interpersoneller Kontrolle beschäftigt. Verlieren sich in Details, verlieren das Ziel der Tätigkeit aus den Augen. Arbeit wird häufig mit Verzögerund beendet. Setzen hohe Maßstäbe, sind nie mit ihrer Leistung zufrieden. Weigern sich, Arbeiten zu delegieren oder mit Team zu arbeiten. Gelten als engstirnig. Beziehungen sind formell und oberflächlich. Geben kaum Geld aus, sind geizig, können sich von alten Gegenständen nicht trennen.
DD: Depression
Es gibt klare Regeln im Leben.
Indem man sich auf die Details einer Situation konzentriert, kann man die Wahrscheinlichkeit, Fehler zu machen, reduzieren.
Eine Person ist durch das, was sie tut, zu definieren.
Je besser die Arbeit ist, die man tut, desto besser ist man als Person.
Regeln müssen ohne Änderung eingehalten werden.
Wirf nie etwas weg, denn es könnte irgendwann nützlich sein.
Gefühle muss man kontrollieren.
Erklärung: Freudianer: regrediert auf anale Stufe,
übermäßig strenge und bestrafende Sauberkeitserziehung.
Andere: Kind wird von Eltern mit aggressiven Impulsen überflutet.
Therapie: Begeben sich meist wegen einer Achse-I-Störung
in Therapie (Angst, Depression). Sprechen gut auf kognitive
oder psychodynamische Therapie an.
Weniger auf Medikamente oder Verhaltenstherapie, da bisher Training
sozialer Kompetenzen keinen Erfolg zeigen.
Klassische Psychoanalyse: geeignete Behandlungsform, langfristige
Therapie. Klare Absprachen über die Regelmäßigkeit der
Therapiesitzungen sowie über Gefühle und Gedanken, über
die frei gesprochen werden soll.
Mindestens 4 diagnostische Kriterien nach DSM-IV, S. 759, müssen gegeben sein.
Literatur: Sherlock Holmes
Film: Die Brücke am Kwai (Alec Guiness), Star Trek Mr. Spock
DSM-IV, Anhang B
Nicht im DSM-IV, aber in der amerikanischen Klassifikation seit DSM-I 1952 werden kodiert:
Passiv-aggressive/negativistische Persönlichkeitsstörung
Hauptmerkmal: tiefgreifendes Muster negativistischer Einstellungen und passiven Widerstand gegen Forderungen nach angemessener Leistung im sozialen und beruflichen Bereich.
Tritt im frühen Erwachsenenalter auf.
DD: Major Depression, Dysthyme Störung
Typische Gedankenmuster:
Leute sollten keine Forderungen an mich stellen.
Andere unterschätzen meine Arbeit und meinen Wert.
Leute in gehobener Stellung sind im allgemeinen unfair.
Es ist nicht richtig, dass man so viel Arbeit von mir verlangt.
Termine und anderer Druck sind unfair, man sollte sich dem widersetzen.
Ärger kann man nicht direkt ausdrücken.
Ärger ist gefährlich und sollte vermieden werden.
Vermeide alles was nur möglich ist.
Wenn man etwas auf morgen verschieben kann, dann sollte man dies auch verschieben.
Psychonanalyse: ähnl. Erklärung wie bei dependenten Psychoanalyt. Störung orale Phase. Therapie meistens nicht erfolgreich.
Film: Die Katze, Simone Signoret, Jean Gabin
Affektiv-depressive Persönlichkeitsstörung
DD: Major Depression
Therapie: Depressionstherapie nach NIMH-Studie
Der MMPI (Minnesota Multiphasic Personality Inventory), von
McKinley & Hathaway, ist der weltweit am häufigsten
eingesetzte Persönlichkeitsfragebogen. Er wurde entwickelt
für psychiatrisch/klinisch auffällige Patienten und
enthält folgende Unterskalen in der Auswertung:
Hd = Hypochondrie, D = Depression, Hy = Hysterie, Pp = Psychopathie, Mf
= Mänlich/weibliche Interessen, Pa = Paranoia, pt = Psychasthenie,
Sc = Schizoidie, Ma = Manie, Si = Soziale Introversion.
Diese Skalen deuten bei erhöhtem Wert auf zumindest
Persönlichkeitsakzentuierungen im jeweiligen Bereich hin. Die
Auswertung findet computerisiert statt.
Das FPI-R (Freiburger Persönlichkeitsinventar) von Fahrenberg, Hampel & Selg (1994) besteht aus 137 Testitems und einem Item, das auf die Anleitung verweist und deshalb nicht mit ausgewertet wird. Zur Erfassung von relativ unabhängigen Persönlichkeitsdimensionen stehen 10 Standardskalen und 2 Zusatzskalen zur Verfügung.
Die HARE-PCL-R (Hare-Psychopathy-Checklist), von Robert D. Hare, misst die antisoziale Persönlichkeit. Anhand von 20 Items, die im semistrukturierten Interview mit dem Probanden erhoben werden. Jedes Item wird mit 0 (= nicht vorhanden), 1 (= möglich) oder 2 Punkten (= vorhanden) bewertet. Bei einem CUT-OFF von 25 Punkten diagnostiziert man eine antisoziale Persönlichkeitsstörung (in den USA bei 30).
Das NI (Narzißmus-Inventar), von Deneke & Hilgenstock, misst narzißtische Anteile der Persönlichkeit und deren Ausprägung, mittels eines Fragebogens.
Das DIB (Diagnostisches Interview für das Borderline-Syndrom), von Gunderson, und das BPI (Borderline-Persönlichkeits-Inventar) diagnostizieren die Borderline-Störung.
Wittchen hat mit anderen das SKID (Strukturiertes Klinisches Interview für DSM-IV) entwickelt, das SKID II ist speziell für die Diagnose von Störungen der Achse II bestimmt.
Zusätzlich wurden noch sog. IDCL-P´s (Internationale Diagnosen Checklisten für Persönlichkeitsstörungen nach ICD10 und DSM IV) entwickelt (Bronisch, Hiller, Mambour & Zaudig) anhand derer man ähnlich wie mit den "Diagnose-Bäumen" zur Diagnose gelangt.
Literatur:
Wittchen et al.: DSM-IV. 1997.
Comer: Klinische Psychologie. Spektrum der Wissenschaft. 1995.
Fiedler: Persönlichkeitsstörungen, 2. Überarbeitete und
erweiterte Auflage. Beltz, Psychologische Verlagsunion.Weinheim: 1994.
Lelord/André: Der ganz normale Wahnsinn: Vom Umgang mit
schwierigen Menschen. Kiepenheuer Verlag.
Beck, Freeman: Kognitive Therapie der
Persönlichkeitsstörungen. Weinheim:1993.
Andere
Klinisch Relevante Probleme
In diesem Kapitel
des DSM-IV
finden sich Problematiken, die im klinischen Alltag wichtig sein
können. Diese
Probleme sind für sich genommen so relevant, dass sie im
Vordergrund der
Betrachtung stehen und deshalb auf Achse 1 codiert werden. Dabei
können sich
die Probleme wie folgt differenzieren:
1. Psychologische
Faktoren, die Medizinische Krankheitsfaktoren beeinflussen
A. Ein
medizinischer
Krankheitsfaktor (codiert auf Achse III) ist vorhanden.
(1) die Faktoren
beeinflussen
den Verlauf des medizinischen Krankheitsfaktors, was aus einem engen
zeitlichen
Zusammenhang zwischen den psychologischen Faktoren und der Entwicklung,
Exazerbation oder der verzögerten Genesung des medizinischen
Krankheitsfaktors
geschlossen werden kann,
(2) die Faktoren
beeinträchtigen die Behandlung des medizinischen Krankheitsfaktors,
(3) die Faktoren stellen ein
zusätzliches Gesundheitsrisiko für die Person dar,
(4) körperliche
Stressreaktionen lösen Symptome eines medizinischen
Krankheitsfaktors aus oder
verschlimmern diese.
Wähle die
Bezeichnung entsprechend der Art der psychologischen Faktoren (wenn
mehr als
ein Faktor vorhanden ist, benenne den ausgeprägtesten):
Differentialdiagnose
2.
Medikamenteninduzierte Bewegungsstörungen
3. Andere
Medikamenteninduzierte Störungen
4.
Zwischenmenschliche Probleme
5. Probleme im
Zusammenhang mit Missbrauch oder Vernachlässigung
Das
DSM-IV differenziert zwischen Opfer oder Täter im Mittelpunkt der
klinischen
Betrachtung, deshalb muss je nach dem eine andere Codierung vorgenommen
werden.
Literatur:
Comer,
R.J.
(2001). Klinische Psychologie Heidelberg:
Spektrum
Sass,
H. (Hrsg.).
(1996). Diagnostisches und Statistisches
Manual psychischer Störungen DSM-IV (übersetzt
nach der vierten Auflage des Diagnostic and Statistic Manual of Mental
Disorders der American Psychiatric Association) Göttingen:
Hogrefe.
Sass,
H. (Hrsg.).
(1998). Diagnostische Kriterien des
Diagnostischen und Statistisches Manual psychischer Störungen DSM-IV
Göttingen: Hogrefe.